Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er liebt es zu planen, damit alles seinen gewohnten Gang nimmt. bayernNichts hasst er darum mehr als Unsicherheit. Kommt es in Japan zu einem Atomunfall, werden in Deutschland verstärkt Jodtabletten nachgefragt. Das ist zwar nicht gesund, aber man kann ja schließlich nie wissen. Vor ein paar Jahren, auf dem Höhepunkt der Terror-Hysterie, ging in Berlin die Warnung vor einem baldigen Terroranschlag umher. Die Freundin des Freundes eines Freundes war nämlich mit einem Araber zusammen. Der sei nun plötzlich verschwunden und habe ihr einen Zettel mit der Bitte hinterlassen, an einem bestimmten Tag nicht mit der U-Bahn zu fahren. Passiert ist natürlich nichts. Vermutlich war der Gescholtene in Wirklichkeit Inder statt Araber, nicht verschwunden, sondern auf Montage in Iserlohn und wollte seine Angebetete nur auf die U-Bahn-Bauarbeiten in der nächsten Woche hinweisen. Egal. Tausende von Menschen fuhren lieber Umwege und kamen zu spät an ihren Arbeitsplatz. Sicher ist eben sicher.  

Solchen Panikattacken können sich auch die Herren an der Säbener Strasse nicht entziehen. Hier kalkuliert man gewöhnlich mit kühlem Kopf und behält immer die Nerven. Natürlich nur solange alles nach Plan läuft. In dieser Saison hatte man allerdings die vermutlich größte Krise seit Vereinsgründung zu bestehen. Der FC Bayern München verlor sage und schreibe drei Spiele in Folge. Es war kaum zu glauben. Also analysierte man kühl und kam zu dem Ergebnis, das der Trainer schuld sei. Das war insbesondere deshalb überraschend, da dieser erst in der letzten Saison das Double nach München holte und zudem noch im Champions-League Finale stand. Noch überraschender war allerdings die Entscheidung, van Gaal bis zum Saisonende in Amt und Würden zu lassen. Vielleicht war Peter Neururer grade nicht erreichbar. Oder Hans Meyer war die Rettung zu kompliziert. Jupp Heynckes wollte zumindest die Saison erfolgreich zu Ende spielen, bevor er ein drittes Mal bei den Bayern anheuert. Und so war dem Feierbiest van Gaal eine Abschiedstournee vergönnt. Und siehe da: Seitdem gewinnen die Bayern wieder in der Bundesliga. In der Champions-League warfen sie sich sogar selber raus. Offensichtlich lag es doch nicht alleine am Trainer, aber sicher ist halt sicher. 

Das genaue Gegenteil konnte man hingegen in Mönchengladbach beobachten. Auch als es sportlich immer mehr kriselte, wurde man nicht müde zu betonen, dass man Ruhe bewahren müsse. Schließlich hatte man ja einen Plan in Form eines Konzepts, welches autobahnähnlich die Leitplanken vorgab. Bei aller Fokussierung auf das Konzept übersah man nur leider die vier platten Reifen, auf denen sich das Vehikel Borussia bewegte. Manch außenstehender Zeitgenosse machte für die Fahrtschwierigkeiten die Autobahn oder sogar ihren Konstrukteur  verantwortlich. Doch realistisch betrachtet kann man auch auf dem besten Asphalt nicht Weltmeister werden, wenn der Motor permanent streikt. Im Winter kam es dann zu notwendigen Reparaturen, doch das Fahrzeug Borussia war bereits schwerwiegend beschädigt. Da half es auch wenig, den Fahrer aufgrund seines zu offensiven Fahrstils auszuwechseln, der Rückstand auf die Konkurrenz war mittlerweile (zu) groß. 

Der neue Fahrer machte vieles anders, doch der Erfolg stellte sich nur zeitweilig ein. Lucien Favre sucht in seiner Fahrgemeinschaft immer noch nach der richtigen Mischung. Dabei hat er es nicht leicht, denn die Hinrunde hat deutlich Spuren am Nervenkostüm jedes Einzelnen hinterlassen. Kaum kommt die Borussia in Fahrt, tut sich auch schon die nächste Baustelle auf. Zuletzt auf der Position des Torwarts. Hier schien sich Logan Bailly nach seinem Totalschaden in der Hinrunde gefangen zu haben. Bälle fangen war allerdings gegen Kaiserslautern nicht seine Stärke, warum die Borussia nun wohl endgültig den Autohof „Zweite Liga“ ansteuert. Ihn als Sündenbock abzustempeln würde der Sache aber nicht gerecht, denn auch der Angriffsmotor läuft alles andere als rund. Mo Idrissou strahlt nur wenig Gefahr aus, die Alternative Mike Hanke ist derzeit sogar komplett torlos. Zu deren Ehrenrettung muss man allerdings einwenden, dass sie als Alleinunterhalter im Sturm schlichtweg auf verlorenem Posten stehen und keine wirkliche Unterstützung aus dem Mittelfeld erhalten. Roman Neustädter sollte als Schaltzentrale zwischen Defensive und Offensive agieren. Eine Position, für die er gänzlich ungeeignet ist. Favre wird also nichts anderes übrig bleiben, als weiter zu experimentieren. Es erscheint fraglich, ob ihm das im offensiven Bereich ausgerechnet in München gelingt. Leider fehlt ihm mittlerweile auch die Zeit, Experimente zum Erfolg zu führen. Und so scheint, allen Beteuerungen zum Trotz, allenfalls die Zweite Liga an Sicherheit zu gewinnen. 

Diese Sorgen plagen van Gaal an der Isar weniger. Natürlich zweifelten bereits die Verantwortlichen des Rekordmeisters die Qualität von Teilen des Kaders an. Das war wiederum wenig überraschend. Solche Kritik kommt bei den Bayern immer dann reflexartig auf, wenn es mal nicht nach Plan läuft. Zugegeben: Die Bayern haben auch am Ende der Saison keine zufriedenstellende Defensivformation gefunden. Fakt ist allerdings auch, dass wohl kein Kader in der Bundesliga hochkarätiger besetzt ist als der der Bajuwaren. Und so werden sich bei van Gaal die Sorgen um die möglichen Ausfälle von Torjäger Gomez, van Buyten und Pranjic in Grenzen halten. Sicherlich ist dies auch für die Bayern ein Verlust. Doch mit Miroslav Klose, Anatoliy Tymoshchuk, Holger Badstuber oder Breno stehen Spieler bereit, die eine solche Lücke schließen können. Auf Borussenseite sehnt man sich hingegen förmlich die Wiederkehr von de Camargo herbei. Der Torjäger wird schmerzlich vermisst. Für die Startformation erscheint es noch zu früh. Eine Einwechslung ist jedoch möglich. Bereits im Hinspiel wurde de Camargo in der zweiten Halbzeit eingewechselt und trug maßgeblich dazu bei, eine verloren geglaubte Partie zu drehen. Vielleicht sollte Favre ihn auch diesmal zunächst auf der Bank lassen. Sicher ist eben sicher. 


Aufstellungen
 
Borussia
Heimeroth – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Fink, Neustädter, Nordtveit, Reus, Arango – Idrissou
Trainer: Lucien Favre 

Bayern:

Kraft – Lahm, Gustavo, Tymoshchuk, Badstuber – Kroos, Schweinsteiger, Robben, Ribery – Müller, Gomez

Trainer: Aloysius Paulus Maria van Gaal
 

SEITENWAHL - Prognosen


Christoph Clausen: Hätte Borussia elf Spieler mit der Qualität und Einstellung eines Dante, wer weiß, vielleicht wäre in München wirklich ein Sieg drin. Hat sie aber nicht und unterliegt deshalb mit 0:3.

 

Christian Spoo: Die Saison ist gelaufen - trotz aller gegenteiligen Behauptungen von Trainer, Management und Spielern wissen das alle. Entsprechend passiv geht Borussia in das vorerst letzte Spiel gegen die Bayern. Die gewinnen verdient mit 4:0 - am Ende hätte die Gladbacher Niederlage auch höher ausfallen können.

 

Thomas Häcki: Angst fressen Nerven auf, Bayern fressen Angst auf. Die Bayern zehren seit Jahren von Mannschaften, die ohne Selbstbewusstsein an die Isar reisen. In diesem Fall ist der Unterschied besonders gravierend. Daher ist ein 0:6 nur folgerichtig.

 

Michael Heinen: Da meine Redaktionskollegen allesamt in Abstiegsdepression verfallen sind, spiele ich mal den Chef-Optimisten. Borussia wird in München nur mit 0:2 verlieren.

Christian Heimanns: Gewöhnlich, wenn es nach einer derben Klatsche aussieht, gibt es eine mittelknappe Niederlage, bei der sich der Favorit mit 2 bis 3 Toren Unterschied entspannt und der Unterlegene finden darf, dass es doch gar nicht so schlecht ausgesehen hat wie vorhergeaagt. Das führt diesmal, sagen wir, zu einem 3:0 für Bayern.

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