Borussia hat ein Heimspiel im Pokal, seltener Anlass zur Freude. Gegen Leverkusen, das wäre vor einigen Wochen auch noch bayer04bejubelt worden, nämlich kurz nach dem Auswärtssieg bei den Pharmazeuten. Aber seitdem ließ die Freude in allen Bereichen nach und selbst dass der Gegner den einzigen Sieg der Borussia in der bisherigen Bundesligasaison ermöglicht hat, ist nur ein Indiz für die Krise. Grund zur Freude bietet höchstens noch, dass die rotgesperrten Brouwers und Arango Spielpraxis erhalten.


Das seltene Ereignis eines Pokalheimspiels im Nordpark tritt leider völlig hinter der aktuellen Lage in der Liga zurück. Ratlosigkeit dominiert. Die Frage ist nicht, wie bei anderen Abstiegskandidaten, warum spielt die Mannschaft so schlecht? Sie lautet vielmehr, warum sind die Resultate so schlecht, wenn die Mannschaft doch ganz gut spielt? Darauf gibt es viele Antworten, aber selbst die wenigen stichhaltigen decken nur Teilbereiche ab. Beleuchten wir ein bisschen die Lage, vielleicht drängen sich ja dabei ein paar der Antworten in den Vordergrund.

Jedem Betrachter fällt als erstes auf, dass Borussia Mönchengladbach für einen Tabellensiebzehnten in Gegners Hälfte ein flottes Spiel hinlegt. Nichts zu sehen von einer schwachen Mannschaft, die sich hinten eingräbt und vorne auf Glück hofft, um sich 1:0 Siege zu ermauern. Die bisher vom Kicker gezählten 50 Chancen bedeuten den 10. Rang in dieser Tabelle, 14 geschossene Tore sind mehr als der Tabellendritte und der sechste haben. Und 6 mehr als Bayern. Nur.. nimmt man das Spiel in Leverkusen aus der Statistik raus, bleiben noch 8 Tore in den anderen 8 Spielen, und die haben zu 3 Punkten aus unentschiedenen Spielen gelangt. Damit geben die Zahlen wieder, was auf dem Platz zu beobachten ist: Das mitunter beachtliche Offensivspiel ergibt viel zu wenig Tore. Ganz beispielhaft war das am letzten Samstag zu sehen; die 1:4 Niederlage gegen Bremen hatte nämlich einen ganz ähnlichen Spielverlauf wie der 4:3 Heimsieg vor einem Jahr. Nur gingen die Bälle seinerzeit ins Tor, in jenem Spiel gerade von Bobadilla, während am Samstag vor dem Tor absolut nichts ging. Womit die Spiele gegen St. Pauli und Wolfsburg nahtlos fortgesetzt wurden.

Statistiken zur Abwehr seien uns hier erspart; alles wichtige dazu  hat Christoph Clausen bereits im Nachbericht aufgeführt. Jeder Angriff scheint zum direkten Treffer der Gäste zu führen, das war gegen Bremen so wie gegen Wolfsburg, deren zwei Chancen ein Tor und einen Punkt einbrachten. Natürlich flattert Bailly diese Saison auf der Linie herum wie ein Huhn in schwerem Gewitter, aber 27 Gegentore holt er nicht alleine rein. Vorhang auf für Borussias Defensive: Werder Bremen greift an beim Stand von 3:1 für die Gäste, fünf Bremer gegen acht Borussen. Die leider alle in der Mitte, keiner auf außen, wo Wesley seinen Kaffee austrinkt, die Zeitung zur Seite legt, sich die Schuhe anzieht und direkt vors Tor flankt. Im Strafraum befinden sich vier Gladbacher Abwehrspieler und Pizarro, Anderson direkt neben ihm. Pizarro am Ball, Tor. Das lässt sich bei aller Anstrengung nicht damit erklären, dass Bailly seine Vorderleute so verunsichert habe, dass sie wie E-Jugendliche auftreten. Und obendrein haben die abwesenden Brouwers und Dante bis dato auch mehr Böcke abgeliefert als auf das ganze Spielfeld passen.

Soviel zur Lage. Richtige Erklärungen drücken sich ums Herauskommen. Fehlende Fortune hinten (zwei abgefälschte Bälle am Samstag) wie vorne; wer unten steht hat auch noch Pech? Die Beobachtung stimmt ja oft, gibt aber weder Hinweise auf Ursachen noch auf Lösungen. Fußball-organisierte Kriminalität DFB samt Schiedsrichter-Disilluminati? Die haben Borussia dieses Jahr zweifellos Punkte gekostet; aber das erklärt noch lange nicht, wieso Bremer die Bälle auf der Linie abwehren, Mielitz angeschossen wird und Hunts Ball seinen Weg ins Gladbacher Tor irrlichtert. Die einzige Begründung mit ein bisschen Hintergrund dürfte sein, dass anhaltender Misserfolg zu Verunsicherung führt und die sich genau in engen Situationen bemerkbar macht, wenn es um den letzten Sekundenbruchteil und den letzten Zentimeter geht. Dann fehlt das kleine bisschen, das in der Bundesliga den Erfolg ausmacht.

Da bleibt wohl nur, an kleine Erfolge zu kommen, um sich damit größere zu erarbeiten. Ein Weiterkommen gegen Leverkusen wäre andererseits ein großer Erfolg, der also nicht ins Bild passen würde. Wie der Auswärtssieg dortselbst. Wenn Frontzeck die Wahl hätte zwischen ein paar kleineren aber wegweisenden Erfolgen und Punkten in der Liga und der Qualifikation für die dritte Runde, er wüsste wohl, was er nehmen würde.

Der Gegner aus Leverkusen

Wenn zu Beginn der Saison klar gewesen wäre, wo Bayern, Schalke und Hamburg nach dem 9. Spieltag stehen, hätte so ziemlich jeder Bayer Leverkusen als Tabellenführer gesehen. Trotz der absackenden Leistung in der Rückrunde muss diese hochtalentierte Mannschaft den Anspruch haben, ganz oben mitzuspielen. Nach einem absolvierten Saisonviertel findet sich Leverkusen nunmehr an gewohnter Stelle wieder, in der Verfolgergruppe, aber nicht ganz oben.

Das liegt zumindest zum Teil daran, dass Leverkusens spielendes Personal nur bedingt einsatzfähig ist. Wie schon letztes Jahr, als die Ausfälle von Rolfes und Helmes die Mannschaft um höhere Ziele brachte, gibt es dieses Saison reihenweise Ausfälle. Dabei sind die Absagen von Castro, Kiessling und Renato Augusto weit schwerwiegender zu  bewerten als das Hinrundenaus von Michael Ballack. Es bleibt zwar genug fußballerisches Vermögen im Team, um in der Bundesliga oben mitzuspielen; vor allem wo sich Rolfes glänzend wieder einfügt. Dessen Comeback täuscht aber etwas darüber hinweg, dass sich bei Bayer zur Zeit  eine Reihe Sechser auf dem Feld tummelt, deren Spielmacherfähigkeiten ihre Grenzen hat. Die Verletzungen kosten Bayer jetzt Substanz, das Team reiht Siege und Misserfolge erratisch aneinander.

Unter anderen Umständen hätte sich Borussia sagen können, dass gegen einen so unvorhersehbaren Gegner auch ein Sieg möglich sein müsste. Nun sind die Umstände aber so wie oben geschildert, mit kaum fassbaren Vorgängen vor dem eigenen und dem gegnerischen Tor. Daher sieht es von außen jetzt so aus, als könnte Frontzeck frei zwischen verschiedenen Wegen zum Misserfolg wählen; vom spektakulären Sturm und Drang mit vielen Chancen, keinen Toren und vielen Gegentoren bis zum Versteckspiel vor eigenen Strafraum und einer knappen Niederlage.

Diese Perspektive lässt aber ausser acht, dass Borussia kaum das Personal hat, um „solide“, also betonter defensiv zu spielen. Der einzige Weg ist, zurück zur Spielweise vom Vorjahr zu finden, bei dem der Gegner in der eigenen Hälfte schneller und intensiver unter Druck gesetzt wurde und nicht direkt jeder Angriff ein Gegentor war. Und selbst das, bei Dante und Brouwers in starker Form, hat noch für 60 gegnerische Treffer gereicht. Umso dringender muss mehr Intensität bei der Balleroberung geschaffen werden, und darüber vielleicht mehr Sicherheit für die eigenen Spieler. Dann fehlt vielleicht nicht viel, dass vorne ein paar Bälle den Weg ins Tor finden und falls das nicht für die dritte Pokalrunde reicht, dann hoffentlich für Punkte in der Liga.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth;Levels,Brouwers,Anderson,Daems;Reus,Bradley,Marx,Arango;Idrissou,Bobadilla

Leverkusen: Adler,Schwab,Friedrich,Reinartz,Kadlec; Vidal,Bender,Sam,Rolfes,Barnetta; Helmes

SEITENWAHL-Tipps:

Thomas Häcki: Nach der 0:3-Niederlage, bei der Leverkusen fast ausschließlich von der Verunsicherung der Fohlen profitiert, macht sich langsam aber sicher Panik breit.

Michael Heinen: Es ist Floskelzeit bei Borussia. Nach dem 1:3 gegen Leverkusen kann sich die Mannschaft voll auf den Abstiegskampf konzentrieren.

Christoph Clausen: Zweckoptimismus hebe ich mir für die Bundesliga auf. Borussia verliert mit 1:3.

Christian Heimanns: Wie wird das Gegentor wohl fallen? Prallt der Ball nach einem Abstoß vom Kopf des Schiedsrichters ins Tor oder fälscht ein Balljunge ihn ab? Irgendwie wird er schon in Heimeroths Tor finden, während er gegenüber auf der Latte des Leverkusener Tores tanzt. 0:1

Christian Spoo: Borussia steckt in der Krise. Das Pokalaus nach dem 1:3 verstärkt diesen Eindruck nur noch.





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