VfL BochumBis jetzt war es übersichtlich. Es gab zwei Wettbewerbe, fein säuberlich getrennt. Auf der einen Seite die Bundesliga, das Kerngeschäft. Das, worauf es wirklich ankam und wo Borussia mal um den Aufstieg, mal gegen den Abstieg kämpfte. Wo ein Spiel 90 Minuten dauerte oder höchstens 95. Wo der Gegner zur selben Liga zählte wie man selbst. Auf der anderen Seite den Pokal. Der auch irgendwie wichtig war, aber doch nicht ganz so wichtig.  Wo angeblich eigene Gesetze galten. Wo man auch mal auf Gegner wie SV Roßbach/Verscheid, FC Kutzhof oder Fichte Bielefeld traf. Wo es Verlängerung geben konnte und Elfmeterschießen.

So übersichtlich ist es in der Relegation jetzt nicht mehr. Liga- und Pokalcharakter verwirren sich. Der Gegner ist unterklassig und ist es doch nicht. Denn sind das wirklich zwei verschiedene Ligen, das unterste Sechstel der ersten Liga und das oberste der zweiten? Oder ist dies jener Teil des Profifußballs, an dem sich die beiden höchsten Ligen überlappen? Es kann Verlängerung geben, auch Elfmeterschießen. Vielleicht gelten sogar eigene Gesetze. Es sind Pokalspiele, so gesehen, und doch entscheiden nun allein sie darüber, ob sich die Schlussabrechnung in der Liga zum Guten oder Schlechten wendet. Und dazu mischt sich eine Erinnerung an eine sanft entschwundene Zeit, an damals, als ein dicker Mann aus der Pfalz Kanzler war, die Spice Girls auf Nummer eins und Borussia im Europapokal. Denn auch in der Relegation gibt es Hin- und Rückspiel und zählen Auswärtstore doppelt.

 

All das macht Prognosen so schwer. Es gibt keine Gladbacher Erfahrungswerte in diesem eigenartigen Zwischenreich zwischen Abstieg und Klassenerhalt, an der Grenze von Liga- und Pokalbegegnung. Es gibt auch keine belastbaren Erfahrungswerte darüber, wie stark diese Bochumer wirklich sind, denen Lucien Favre in den letzten Tagen nicht müde wurde, Respekt zu zollen. Es gibt, für den Zuschauer, nichts als Warten. Quälendes, nervenzermürbendes, fingernägelgefährdendes Warten.

 

Borussia

 

Wenig Berichtenswertes am Niederrhein. Favre mahnt, zeigt Videos und will die Mannschaft im Training nicht übermäßig belasten. Igor de Camargo ist im Kader, kehrt aber wohl immer noch nicht in die Startelf zurück, die ohnehin so aussehen könnte wie in Hamburg.

 

Der Gegner aus Bochum

 

Die Relegation ist ungerecht und bevorteilt den Bundesligisten, findet Friedhelm Funkel. Man muss ihm zugute halten, dass er diese Ansicht schon äußerte, als er selbst Trainer eines Bundesligisten war. Irren tut er trotzdem. Eine gerechte Zahl von Aufsteigern gibt es so wenig wie den gerechten Lohn, nach dem das Mittelalter suchte und heute noch die Linkspartei. Ja, die Wiedereinführung der Relegation stellte für die zweite Liga eine Verschlechterung dar, indem sie die Zahl der  Aufstiegsplätze faktisch von drei auf zweieinhalb kürzte. Aber diese drei Aufstiegsplätze waren ohnehin eine letztlich willkürliche Festlegung gewesen, weder gerechter noch ungerechter als es zwei Aufstiegsplätze gewesen wären, oder nur einer oder vier oder fünf.

 

Überzeugender als auf dem Feld der sportethischen Reflexion fielen in diesem Jahr Friedhelm Funkels Leistungen als Trainer aus. Das galt vor allem in der Rückrunde, in der die Bochumer 37  Punkte holten und sich nur im April eine kurze Schwächephase leisteten, mit zwei Niederlagen gegen Hertha BSC und Ingolstadt, gefolgt von einem torlosen Remis gegen Paderborn. Ein Schlussspurt mit drei Siegen in Folge bescherte dann aber doch noch den Relegationsplatz, wobei der 3:1-Erfolg am vorletzten Spieltag in Osnabrück ein ausgesprochen glücklicher war. Zuletzt gegen Duisburg aber zeigte sich die Funkelelf nervenstark, gut sortiert und im Abschluss effektiv. Kein Vergleich mehr zu der verunsicherten, offensiv einfallslosen und hinten anfälligen Truppe, die letzte Saison an den letzten beiden Bundesligaspieltagen noch auf einen direkten Abstiegsplatz abrutschte.

 

Dabei bilden einige aus dieser Elf weiterhin das Gerüst. Das gilt in der Viererkette für das erfahrene und kopfballstarke Innenverteidigerduo Maltritz und Yahia. Neu sind dagegen die Außenverteidiger. Björn Kopplin kam von den Amateuren von Bayern München, Matthias Ostrzolek ist ein Bochumer Eigengewächs. Vor allem Kopplin nimmt gern auch am Offensivspiel teil, wobei zuletzt seine oft noch unpräzisen Flanken für weniger Gefahr sorgten als seine weiten Einwürfe.

 

Wie Kopplin gehört auf Torwart Andreas Luthe zu den Spielern, die sich keine weitere gelbe Karte mehr leisten dürfen, wollen sie im Rückspiel dabei sein. Luthe, der unlängst die Aufgabe Gladbach als „absolut machbar“ einstufte, gehörte in der abgelaufenen Saison zu den sichersten und konstantesten Keepern der zweiten Liga. Schon seit zehn Jahren im Verein, aber verschiedentlich von Verletzungen geplagt, schaffte Luthe erst in dieser Saison den Durchbruch zum Stammkeeper. Eine gelbe Karte für ihn könnte die Bochumer im Rückspiel empfindlich schwächen. Die Spiele, die Philip Herrwagen zu Saisonbeginn während Luthes neuerlicher Verletzungspause absolvierte, sind den Bochumer Fans in unguter Erinnerung.

 

Im Mittelfeld agieren die Bochumer mit drei eher defensiv und zwei offensiver orientierten Spielern. Alle fünf gemeinsam lassen dem Gegner durch hohen läuferischen Einsatz und taktische Disziplin kaum Raum. Neben dem langgedienten Dabrowski zeigte gegen Duisburg vor allem Johansson eine starke Defensivleistung, offensiv gekrönt von zwei Steilpässen, die zu Toren führten. Dabrowskid und Johansson sind auch für die Partie in Gladbach gesetzt. Auch der zuletzt lädierte Azaouagh, der der Borussia noch unangenehm als doppelter Sonntagsschütze beim 3:3 im Jahre 2009 in Erinnerung ist, könnte in die Startelf zurückkehren. Alternativkandidaten sind Toski und, als offensivere Variante, Federico; dagegen fällt mit Vogt ein defensivstarker Akteur verletzt aus.

 

Hinter der einzigen echten Spitze Aydin agieren zwei offensivere Mittelfeldspieler, die bei eigenem Ballbesitz gern auf die Flügel ausweichen, wodurch sich situationsbezogen ein 4-3-3 ergibt. Paul Freier hat seinen Platz dabei sicher, um den anderen ringen Korkmaz, Dedic, Tese, Saglik und Toski. Im Borussiapark dürften die Bochumer vor allem auf ihre Stärker bei schnellen Kontern setzen.

 

Im Sturm kann Funkel auf die Robustheit, Schnelligkeit und Abgeklärtheit eines Mirkan Aydin zählen. Aydin, der unlängst seinen Vertrag in Bochum verlängerte, schaffte in dieser Saison den Durchbruch, nachdem er bereits 2007 von der TSG Sprockhövel gekommen war. Er ist ein bulliger, robuster Stürmer, der seinen Körper sehr geschickt im Zweikampf einsetzt und zahlreiche Bälle behauptet. Zudem eignet sich Aydin dank seiner Schnelligkeit und Abgezocktheit vor dem Tor hervorragend als Konterspieler. In dieser Saison erzielte er acht Treffer, vier davon in den letzten beiden Heimspielen.

 

Aufstellungen

 

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Neustädter, Nordtveit – Reus, Arango – Hanke, Idrissou.

VfL Bochum: Luthe – Kopplin, Maltritz, Yahia, Ostrzolek – Johansson, Dabrowski, Azaouagh – Freier, Korkmaz – Aydin.

Schiedsrichter: Günter Perl.
Assistenten: Georg Schalk, Michael Emmer.
Vierter Offizieller: Tobias Welz.

 

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Ich kann nicht mehr tippen, nur noch hoffen. Und ich hoffe auf ein 2:0.

Thomas Häcki: Die Karten werden neu gemischt. Trügerisch ist der Verweis auf die Formkurven der letzten Wochen. Das 0:0 bringt wenig neue Erkenntnis.

Christian Heimanns: Die Statistik von Borussia gegen Bochum sieht für die letzten 10 Jahre furchtbar aus. In diesen Zeiten haben Statistiken von Borussia aber wenig Geltung. Nach dem 2:1 im Hinspiel werden wir nämlich 100 % der letzten 1 Spiele gewonnen haben.

Michael Heinen:
Borussia tut sich schwer gegen die defensiv eingestellten Bochumer. Mit viel Geduld reicht es am Ende aber trotzdem zu einem 1:0-Erfolg, der alle Chancen für das Rückspiel offen lässt.

Christian Spoo: Borussia trägt schwer an der Favoritenbürde, wird ihr aber mit dem 2:0-Hinspielerfolg letzten Endes gerecht. Damit ist allerdings immer noch nichts gewonnen, was den Spielern hoffentlich klar ist.

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

... lade FuPa Widget ...

Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • Gegen Köllner kann man verlieren, gegen den Effzeh niemals! #fohlenelf
  • @tegee1972 Heute ist nicht alle Tage...
  • Eine knappe Auswärtsniederlage bei einem nationalen Spitzenclubb, schließlich war nur Bayern München häufiger Deutscher Meister als der FCN!
  • @HoerenGary Oh ja, allein seine Weltklasseleistung im schweren Auswärtsspiel beim FC Kutzhof!
  • @frankie1960 1978, unvergessen!
  • @Pilzeintopf Fürchte dich nicht, alle unsere Schalke-Tweets sind für die Ewigkeit gemacht!
  • "Annähernd 1000 Fans haben uns begleitet. Das kannte ich so von meinen vorherigen Vereinen nicht." Dieter Hecking, früher Wolfsburg & Aachen

Folge uns auf Twitter