So richtig wussten die Gladbacher Fans nach dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart nicht, ob sie sich nun freuen oder ärgern sollten. Auch Spieler und Trainer schienen hin- und hergerissen. Wenn man recht spät im Spiel mit 1:0 in Führung geht, dann ist es immer ärgerlich, die Partie nicht nach Hause schaukeln zu können. Andererseits ist das Unentschieden, wenn man die Chancenverteilung und auch die spielerische Leistung über 90 Minuten betrachtet, eher schmeichelhaft als ärgerlich. Einigen wir uns auf angemessen mit Tendenz zu glücklich und betrachten, welche Erkenntnisse sich aus den ersten 90 Heimspielminuten in der neuen Saison gewinnen lassen.


Es ist immer eine gute Idee, mit Torwart zu spielen

Nicht wenige Beobachter waren sich nach dem Spiel einig: in der vergangenen Saison hätte Borussia dieses Spiel verloren. Womöglich wären der Verlauf und die Verteilung der Spielanteile ähnlich gewesen. Dass der VfB Stuttgart aber nur ein Tor machte, war einmal mehr der soliden Leistung von Marc-André Ter Stegen zu verdanken. Die fiel nicht so spektakulär aus, wie sechs Tage zuvor in München, aber der 19-jährige hielt, was zu halten war. Die Situationen, in denen dem Borussen-Fan bei gegnerischen Aktionen der Atem stockt, haben sich merklich verringert, einfach weil man weiß: da hinten steht einer drin, der seine Sache kann, der auch bei hohen Bällen beherzt und sicher zuzupacken weiß und der auch diesseits der Torlinie nicht die Orientierung und die Ruhe verliert.

 

 

Weniger als 100% Konzentration darf Borussia sich nicht leisten

Die Ordnung im Defensivspiel, womöglich der Schlüssel zum Erfolg der vergangenen Bundesliga- und Relegationsspiele, stimmte auch gegen Stuttgart über weite Strecken des Spiels. Im Gegensatz zum Bayern-Spiel gab es aber die eine oder andere Situation, in der die Konzentration nicht vollständig da zu sein schien – und schon geriet Borussia hinten in Not. Der Defensivverbund funktioniert, aber das Team ist nicht so gut aufgestellt, dass jeder individuelle Fehler direkt vom Kollektiv ausgebügelt wird. Drastischstes Beispiel dafür ist die Situation, die zum Platzverweis des bis dahin tadellosen Roel Brouwers führte. Lukas Rupp verdaddelt den Ball auf dämlichste Art und Weise und Brouwers kann gar nicht anders, als gegen Harnik in den Zweikampf gehen – mit dem bekannten Ausgang. Auch dem 1:1 durch Cacau ging ein haarsträubender Fehler voraus – in diesem Fall der eines Offensivspielers, Mike Hanke. In diesen Momenten, in denen die Abwehr sich mental kurzzeitig auf Entlastung einstellt, gelingt es noch nicht, die vielbeschworene Kompaktheit schnell wieder herzustellen.

 

Der zweite Anzug passt (noch) nicht richtig

Der Ausfall eines Spieles aus der Stammelf ist offensichtlich im Moment noch kaum zu kompensieren. Dass mit Roel Brouwers ein hervorragender dritter Innenverteidiger da ist, ist großartig. Womöglich ist diese Position aber auch die einzige, in der der Ausfall eines Stammspielers ohne großen Qualitätsverlust zu kompensieren ist. Mit Grauen denke man an die Backup-Situation auf der Rechtsverteidiger-Position. Gestern zwickte es dagegen im Sturm: Raul Bobadilla konnte Igor de Camargo nicht annähernd ersetzen. Die meiste Zeit bewegte sich der Argentinier räumlich und gedanklich weit weg vom Spiel der eigenen Mannschaft irgendwo in der Nähe der gegnerischen Verteidiger. Seine Versuche, mitzuspielen, gingen größtenteils schief. Die Angewohnheit, Bälle am liebsten mit Sohle oder Hacke zu bearbeiten, hat Bobadilla nicht abgestellt. Ins Favresche Spielsystem passt Bobadilla nicht, solange er seine Spielweise nicht radikal ändert. Alles in allem war Mathew Leckie in den wenigen Minuten (zudem in prekärer Situation), die er mitmachen durfte, besser im Spiel, als Bobadilla in den 70 Minuten, die er sich versuchen durfte. Weiterhin bemerkenswert ist, dass Marco Reus, wenngleich er nicht seinen besten Tag hatte, an nahezu jeder gefährlichen Situation vor des Gegners Tor beteiligt war. Drei gute Chancen hatte er schon, bevor er den Elfmeter herausholte, der zum einzigen Gladbacher Treffer führte. Außer Reus’ Aktionen sorgten lediglich zwei Fernschüsse von Nordtveit und Arango für Gefahr. Es ist derzeit nicht zu sehen, wie Borussia einen eventuellen Ausfall ihres Beinahe-Nationalspielers verkraften kann.


 

Bevor ein falscher Eindruck aufkommt: die genannten Kritikpunkte bedeuten keine Krittelei oder gar notorisches Schwarzsehertum. Insgesamt hat Borussia in den ersten beiden Saisonspielen angedeutet, dass sie konkurrenzfähig ist. Vorausgesetzt, das Team ereilen keine personellen Katastrophen wie in der vergangenen Saison und vorausgesetzt, Lucien Favre schafft es, den einen oder anderen Spieler aus der zweiten Reihe an das Leistungsniveau der Stammelf heranzuführen, spricht nichts dagegen, dass der Wettbewerb im Extremzittern 2011/2012 ohne Borussia stattfindet.

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