Freitag abend, vor dem Beginn des ersten Spiels der Rückrunde. Die Bayern verkünden, dass sie die Hochstimmung der Herbstmeisterschaft bayern
mit durch die Winterpause getragen haben, einige Medien erklären die Meisterschaft der Bajuwaren zur Formsache, "Sport Bild" titelt "Die Bayern greifen an!"  Für Borussia Mönchengladbach hingegen wird es nach Ansicht der Experten äußerst schwierig, angesichts der zerfallenden Mannschaft in der Rückrunde nicht abzusacken.

Freitag abend, nach Spielende. Der Rasen soll nun schuld sein, was Manuel Neuer eingeleitet und eine taktisch brillante Borussia vollendet hat, nämlich einen klaren und größtenteils ungefährdeten Sieg der Gladbacher. Zum zweiten Mal überhaupt erst in der Vereinsgeschichte besiegt Borussia Mönchengladbach den FC Bayern München zwei Mal in einer Saison.

Damit stellten die Borussen überaus nachdrücklich einen Medienhype in die Ecke, den Max Eberl am Sonntag folgendermaßen umschrieb: "In den letzten Wochen gab es nur zwei Namen in den Nachrichten, Christian Wulff und Marco Reus". In der Tat konnte man angesichts der Schlagzeilen glauben, die Gladbacher hätten Reus nicht verkauft sondern verschenkt und alle anderen Spieler dazu. Selbst ernstzunehmende Publikationen wie der Spiegel Online erklärten ein Leben nach Reus für unwahrscheinlich.

Die sprichwörtliche "Antwort auf dem Platz" der Borussen wurde zu einer klaren Ansage. Die Bayern begannen zwar zügig und willens, hatten auch das ganze Spiel über arttypisch hohen Ballbesitz, dafür untypisch wenige Chancen. Die Borussen zeigten eines ihrer defensiv besten Spiele seitdem Lucien Favre Cheftrainer ist, und das ist sicher kein kleines Kompliment. Die beiden Viererreihen verschoben sich so schnell und kompakt, dass sie manchmal kurz davor waren, die Fußballtaktik um die Achterreihe zu bereichern, und das fast ohne Gefahr zu laufen, den Bayern entscheidende Steilpässe zu gewähren. Nur einmal sah die Abseitsentscheidung gegen Müller wirklich knapp aus.

Obwohl eine glanzvolle Mannschaftleistung die Basis für den Gladbacher Sieg war und kein Spieler abfiel, dürfen ein paar Namen gesondert erwähnt werden. Zum Beispiel der von Filip Daems. Wer am Freitag beobachtet hat, mit welchem Elan und welcher Aufmerksamkeit der Belgier Arjen Robben zur Wirkungslosigkeit verurteilte, konnte kaum glauben, dass der Kapitän der Borussen bereits 33 Jahre alt ist. Höchstens die Souveränität und Erfahrung gaben einen Hinweis darauf. Nachdem Ribéry fehlte, war das Neutralisieren des anderen Teils der Flügelzange von hoher Bedeutung für das Spiel und Daems vergaß das nicht einen Moment. Dazu kam er mit bemerkenswert wenigen Fouls aus, was damit zu tun haben kann, dass der manchmal divenhafte Robben auf dem tiefen Boden  keinen Geländegang im Programm hatte. Daems´ Aktionen jedenfalls wurden von den Fans so zur Kenntnis genommen, dass Jubel von den Rängen seine heldenhaften Tacklings belohnte.

Ein weiterer Name ist Roel Brouwers. Es ist dem Gladbacher Anhang sehr wohl ein Begriff, mit welcher Zuverlässigkeit der Holländer agiert, obwohl er seit einem Jahr mit relativ wenig Spielpraxis zurecht kommen muss. Am Freitag hatte Gomez eine große Chance, die ter Stegen von der Linie fischte, ansonsten sah der 35-Millionen Mann und Nationalmittelstürmer gegen den Ersatzspieler kein Land obwohl Gomez vieles versuchte. Abgebrüht und abgeklärt überstand Brouwers an Stranzls Seite jede Bayern-Offensive.

Den Namen von Patrick Herrmann konnte man nach dem Spiel überall lesen und hören. Meistens in Kombination mit Bejubelungen wie "der neue Reus" , "Gladbachs neues Juwel" etc, als Grundtenor jedenfalls "neu". Das ist bei  Toren gegen Bayern so üblich und bei zwei Toren unumgänglich, schauen wir trotzdem noch mal etwas genauer hin. Herrmann, dessen Fliegengewicht der nasse Boden gut lag, machte wie der Rest der Mannschaft ein gutes Spiel, dazu außerdem zwei Tore. Das erste davon, zum 2:0, war schwieriger als es aussehen mochte, denn so ungünstig war der Winkel für Neuer nicht. Herrmann aber wechselte auf die rechte Seite des Balles, Neuer ging mit und durfte den Ball in die lange Ecke einschlagen sehen. Exzellent gemacht vom großen Talent und U20 Nationalspieler Herrmann, aber "Reus Nachfolger" ist noch einiges weg von der Realität. Herrmann ist flink und leichtfüßig, aber nicht so schnell wie Reus. Er ist ein ausgezeichneter Techniker und guter Dribbler, kann aber nicht so mühelos am Gegner vorbeigehen wie Reus. Man sollte seine sehr gute Entwicklung nicht mit Vergleichen an irgendwelchen Namen befrachten, umso besser wird sie weiter verlaufen.

Vor dem Spiel gab es nur den Namen Marco Reus. Nachher nicht mehr, da gab es ja nur noch Herrmann. Und trotzdem ist sein Spiel eine Erwähnung wert. Denn sein feststehender Transfer beeinflusste seine Spielfreude, die er seit zweieinhalb Jahren ununterbrochen demonstriert, nicht im geringsten. Und es ist diese Spielfreude, im Sinne des Wortes die Freude an  jedem Spiel, die den Unterschied macht zwischen einem Marco Reus und ähnlich talentierten aber unberechenbaren Darstellern wie Ryan Babel, Eljero Elijah, und wen es da nicht noch alles gibt. Reus aber schaufelte nicht nur Neuers freundliche Einladung zurück ins Bayerntor, er zeigte insgesamt ein prima Spiel und beim 3:0, warum die Klasse eines Spielers so einen Unterschied für die ganze Mannschaft machen kann. Und das ist eine gute, nicht mal besonders überraschende, Nachricht für Borussia, denn Reus wird es sich kaum nehmen lassen, den Rest der Rückrunde ähnlich auftreten zu wollen.

Für eine angemessene Würdigung müsste man überhaupt jeden Spieler der Startelf erwähnen. Da wäre Hanke, dessen wunderschöner Pass dem 2:0 voranging, womit der nominelle Stürmer wieder seine Spielmacherqualitäten zeigte. Oder Arango, der sein verbessertes Zweikampfverhalten noch einmal steigerte, so auch gleichfalls vor dem 2:0. Oder den ebenfalls unermüdlichen Zweikämpfer Jantschke, für den man den Boden vielleicht auch immer so wässern sollte, damit er aussieht wie am Freitag. Der Boden jetzt.

Mit dem 3:1 gegen Bayern München haben die Gladbacher nicht nur Spannung in die Meisterschaft befördert, sondern auch 6 Punkte Vorsprung auf Platz 5 geholt. Und sensationelle 12 Punkte auf Platz 7, was die Fans bereits jetzt im Januar fieberhaft nach Möglichkeiten suchen lässt, den Urlaub in die zweite Jahreshälfte zu verlegen, für die zu erwartenden Ausflüge nach Island oder Kalmükien. Vor allem aber haben sie alle Schlagzeilen verstummen lassen, die ein baldiges Auseinanderfallen der Mannschaft vorhersagen und die Gefahr, dass die Spieler immer wieder neu auf irgendwelche Wechsel angesprochen werden. Das wird im weiteren Verlauf der Rückrunde noch viel mehr wert sein als drei Punkte.

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