Auch in den Tagen nach dem 0:0 beim VfL Wolfsburg fällt es schwer, das Ergebnis vernünftig einzuordnen. Auf der einen Seite ist es ärgerlich, dass ein regulärer Treffer aberkannt, ein zumindest möglicher Elfmeter nicht gegeben und die beste Torchance des Spiels durch Reus recht fahrlässig vergeben wurde. Angesichts der Patzer der Konkurrenz bot sich die einmalige Chance, auf Platz 2 zu springen und sich endgültig als gleichwertiges Mitglied des Führungsquartetts zu etablieren.


Auf der anderen Seite gab es da noch einen Gegner, der trotz der neuformierten Mannschaft sehr geschlossen auftrat und in dieser Verfassung noch einigen anderen Vereinen Probleme bereiten wird u. a. Leverkusen, Bremen und Dortmund müssen in dieser Rückrunde noch in die Volkswagen-Arena reisen. Ein Remis in Wolfsburg ist alles in allem ein höchst respektables Ergebnis, mit dem man realistisch betrachtet hoch zufrieden sein kann. Einzig die in den letzten Monaten immens gestiegenen Ansprüche an die Mannschaft erklären diverse Reaktionen in den Medien, nach denen der Punktgewinn als „Dämpfer“ herabgesetzt wurde. Lucien Favre mag manchmal übertreiben, wenn er vor jeder Partie auf die „Schwere“ der Aufgabe hinweist. Seine Frage nach dem Geisteszustand von Sky-Reporter Rolf Fuhrmann, der einen „Rückschlag“ herbeizureden versuchte, war aber mehr als nur berechtigt.

Die Leistung seiner Mannschaft war zwar an diesem Nachmittag nicht überragend, was aber in dieser Saison in nur wenigen Auswärtsspielen der Fall gewesen ist. Defensiv stand die Viererkette gewohnt sicher. Hier spielt es offensichtlich keine Rolle, welche zwei der drei bärenstarken Innenverteidiger auf dem Platz stehen. Im Aufbauspiel hingegen unterliefen in Halbzeit 2 zu viele vermeidbare Fehler, wobei insbesondere Havard Nordtveit nicht seinen besten Tag erwischte.

Vorne zeigte sich einmal mehr die Abhängigkeit von Marco Reus. Spielt der Noch-Borusse nicht in Topform, ist das Offensivspiel stark eingeschränkt. Dennoch ist es als gutes Zeichen zu werten, dass auch mit einem schwachen Reus ein gutes Ergebnis erzielt und immerhin ein Tor erzielt werden konnte. Schütze Mike Hanke, der offensiv den positivsten Eindruck hinterließ, konnte sich in seinen Worten nach dem Stuttgart-Spiel bestätigt sehen. Schon dort hatte er trotz des 3:0 zurecht angemahnt, dass einige Konter besser zuende gespielt werden sollten. Ein Makel, der sich bei den wenigen Gelegenheiten in Wolfsburg fortsetzte und Raum für zukünftige Verbesserungen bietet.

Es sei aber auch anerkannt, wie hervorragend Felix Magath seine Mannschaft auf den Gegner eingestellt hat. Zu Beginn schwor er seine Elf darauf ein, sich nicht locken zu lassen, um mit aller Macht ein tödliches Gegentor zu vermeiden. Nach dem Seitenwechsel rief er dann zu mehr Offensive auf und setzte Borussia zunehmend unter Druck. Auch wenn die Strategie am Ende nicht ganz aufging, so wird sich Lucien Favre darauf vorbereiten müssen, dass dies demnächst zur Regel wird und die Gegner zukünftig selbst im eigenen Stadion zunächst eine vorsichtige Ausrichtung wählen. In die meisten der noch ausstehenden Partien wird Borussia als Favorit starten – eine Rolle, die sie in der Vorrunde aber meist ordentlich angenommen hat. Trotz der Niederlagen in Freiburg und Augsburg überwiegen die positiven Erfahrungswerte aus den siegreichen Partien gegen Regensburg, Lautern, Hamburg, Nürnberg, Hannover, Köln und Mainz.

Schon nächsten Mittwoch wartet die nächste Aufgabe von diesem Kaliber, denn für das Spiel bei den krisengeplagten und heimschwachen Berlinern rechnen Experten wie Fans gleichermaßen mit einem – möglichst souveränen – Auswärtssieg, der den Weg ins Halbfinale ebnen würde. Bei allem berechtigten Optimismus sollte man sich zwar darüber im klaren sein, dass Spiele im DFB-Pokal oft anders verlaufen als in der Liga. Dennoch sollte die Mannschaft keine Scheu zeigen, die Favoritenrolle anzunehmen und entsprechend selbstbewusst aufzutreten.

Das Thema Klassenerhalt war schon lange vor dem Erreichen der 40-Punkte-Marke keins mehr. Die Notwendigkeit, neue Ziele auszurufen, besteht für den Verein aber noch lange nicht. Dies sollte man den Medien und Fans überlassen, die ihrer diesbezüglichen Aufgabe bereits seit Wochen nachkommen. Nachdem nunmehr der schwere Rückrundenstart nahezu optimal geglückt ist, erscheint es mehr als realistisch, bis zum Saisonende einen der vier ersten Plätze zu besetzen. Noch nie hatte ein Tabellen-Vierter in der Bundesliga-Geschichte so viele Zähler wie Borussia. Hinzu kommt, dass die durchschnittlich 2 Punkte pro Partie mehr als verdient zustande gekommen sind. Eher hätten es in einigen Spielen sogar noch mehr sein können. Die Konkurrenz aus Leverkusen scheint mehr mit dem Karriereende von Michael Ballack beschäftigt zu sein als mit ernsthaften Bundesliga-Fußball. Werder Bremen kann sich bei der bisherigen Saisonleistung glücklich schätzen, um die Europaliga-Plätze mitspielen zu dürfen. Borussia hatim Gegensatz dazu allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Aufhalten auf dem Weg nach Europa kann sich die Mannschaft eigentlich nur selbst, falls sie ihr gesundendes Selbstbewusstsein in überheblichen Übermut transformieren. Betrachtet man aber den Charakter der Spieler, den diese seit einem Jahr konstant unter Beweis stellen, besteht kein Grund, dies ernsthaft befürchten zu müssen und an einer Fortsetzung dieser fantastischen Saison zu zweifeln.

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