Seit zweieinhalb Spielen nun lahmt das Spiel der Borussia - zumindest im Vergleich zum überwiegenden Rest der Saison. Das ist keine Panikmache, damit soll keine Krise herbeigeredet und kein Schwanengesang angestimmt werden. Es ist das Ergebnis einer völlig nüchternen und nicht sonderlich schwierigen Analyse. Die zweite Hälfte in Kaiserslautern und die kompletten Spiele gegen Hamburg und in Nürnberg fehlte es an Inspiration. Borussia spielte keineswegs katastrophal. Die Abwehr stand über weite Strecken aller drei Partien recht sicher, gegen den HSV und den Club wäre mit Glück durchaus auch ein Sieg drin gewesen. Aber dieses Glück hat Borussia im Moment nicht und Glück ist nicht das Einzige, woran es der Mannschaft von Lucien Favre derzeit fehlt.


Es mangelt vor allem an Ideen für die Offensive. Das bislang so erfolgbringende Spielkonzept griff zuletzt nicht mehr. Das hat viele mögliche Gründe: Mit Patrick Herrmann fehlt ein Spieler, der für die schnellen Vorstöße aus dem Mittelfeld wie gemacht ist und der in den Spielen vor seinem Schlüsselbeinbruch an unzähligen gefährlichen Situationen beteiligt war. Igor de Camargo scheint für das flotte und sichere Kombinationsspiel, das Borussia in der Offensive so stark gemacht hat, nicht geschaffen zu sein. Aber nicht nur ihm fehlt es an Präzision und Inspiration. Vor allem die Spieler, die fast seit Saisonbeginn den vielbeschriebenen "Unterschied" ausgemacht haben, agierten zuletzt unter ihren Möglichkeiten. Juan Arango und Marco Reus leisten sich zahlreiche Fehlpässe, ihre Ideen sind entweder nicht gut oder werden von den Mitspielern nicht erkannt. Die genialen Momente, mit denen beide Ausnahmespieler in dieser Saison so manches Spiel entschieden haben, sie sind zuletzt ersatzlos ausgefallen. Nun kann man von keinem Spieler erwarten, dass er über 34 Saisonspiele hinweg eine Topleistung bringt, jedoch muss sich Borussia, muss sich Lucien Favre in den kommenden Spielen dringend etwas einfallen lassen, um Aufbau und Offensive wieder zu beleben. Allein auf die Genialität zweier Spieler sollte man sich dabei nicht verlassen.

Dass die überfallartigen Angriffe und das vermeintlich barcelona-eske Kombinationsspiel derzeit nicht gelingen, liegt aber nicht nur an Borussia selbst. Sowohl der HSV als auch vor allem der 1.FC Nürnberg waren hervorragend auf das Gladbacher Spiel eingestellt. Immer wieder wurden Lauf- und Passwege zugestellt. Startete einmal ein Borusse in die Spitze, waren meist zwei Nürnberger zur Stelle, die Ball und/oder Gegner ins Leere laufen ließen. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich ein Gegner auf Borussia vorbereitet hat. Und gerade gegen vermeintlich schwächere Mannschaften werden die Gladbacher diese Probleme mit Sicherheit wieder bekommen.

Nürnberg schaffte es gar, Borussia mit den eigenen Waffen zu schlagen. So manches Mal absolvierten die Borussen, gerade in der Hinrunde, sogenannte Geduldsspiele. Aus einer sicheren Abwehr und einem gut postierten Mittelfeld wurde gewartet, gewartet und gewartet - bis sich irgendwann die eine große Chance ergab, bis der Gegner den einen spielentscheidenden Fehler machte. Und genau so verfuhr die Hecking-Mannschaft jetzt mit den Gladbachern. In der ersten Halbzeit beschränkte der FCN sich komplett aufs Verteidigen, schon da war aber zu sehen, dass die Mannschaft kaum Anfällig für Fehler war. In der zweiten Halbzeit tat der Club etwas mehr fürs Spiel, ohne die Präsenz und Konzentration in der Defensive und im Mittelfeld aufzugeben. Das Team wartete, wartete und wartete auf den spielentscheidenden Fehler der im Grunde auch recht ordentlich stehenden Borussen - und dieser Fehler geschah in der 87. Minute. Arango und Jantschke patzten, Stranzl blieb gegen Esswein nur die Entscheidung "Foul im Strafraum" oder "Flanke erlauben" und Bunjaku stand, von Roman Neustädter vollständig allein gelassen, frei im Strafraum und konnte problemlos einschießen.

Solche Fehler passieren, der Abwehr ist dennoch kein großer Vorwurf zu machen. An der Defensivleistung liegt es sicher nicht, dass Borussia die große Chance verpasst hat, sich in den Top-Drei der Liga festzusetzen. Die Probleme liegen im Aufbau- und im Angriffsspiel. Ein paarmal zu oft versuchen es die Gladbacher Defensivspieler inzwischen mit langen Bällen, was vor allem an fehlenden Alternativen liegt. In Nürnbeg und gegen den HSV waren die Mitspieler weiter vorne in der Regel ordentlich zugestellt - sie bewegten sich aber auch zu wenig und vor allem zu wenig kreativ. Borussia ist offenbar inzwischen ausrechenbar, vor allem, wenn - wie geschildert - die individuellen Highlights, die Arango, Reus, Hanke und Herrmann sonst setzten, ausbleiben.

Hier muss Lucien Favre ansetzen. Borussia muss, wenn es mit der gewohnten Methode nicht geht,  andere Wege finden, um die gegnerische Defensive wieder zu überraschen. Das großartige, vom Trainer erfundene und vielbeschworene "Tak, Tak, Tak und dann Puch" kann und darf auf Dauer nicht die einzige Waffe sein. Ob das mit dem vorhandenen Personal machbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber Favre sollte das Zeug dazu haben, aus einer Mannschaft das Optimum herauszuholen, er sollte die Flexibilität besitzen, neue Wege zu suchen und zu finden und er sollte den Willen und die Motivation aufbringen, es gerade jetzt allen Unken zu zeigen. Erstmals seit Favres Amtsantritt hängt Borussia ein bisschen durch. Ein großer Trainer muss das hinbekommen. Dabei sollte Favre unbedingt darauf verzichten, sich über mangelnde personelle Alternativen zu beklagen. Dass die Personalsituation ist, wie sie ist, hat er mit zu verantworten.

Wir Fans sollten Trainer und Mannschaft einen gewissen Vertrauensvorschuss gewähren. Wir wurden bisher in dieser Saison verwöhnt. Im Grunde war und ist allen klar, dass es nicht immer so weitergehen würde. "Rückschläge werden kommen" haben alle Verantwortlichen zu jedem Zeitpunkt der Saison gewarnt und wir haben dazu zustimmend genickt. Von daher sollten wir uns hüten, jetzt in Wehklagen oder gar in überzogene Kritik an einzelnen Verantwortlichen zu verfallen. Wenn Lucien Favre elf Spieler aus Feld schickt, dann, weil er sie für die Besten hält. Wenn er nicht auswechselt, dann deswegen, weil er sich nichts davon verspricht. Und wenn er notgedrungen auswechselt, und die Maßnahmen dann nicht greifen, dann, weil er vermutlich mit seiner Annahme recht hatte.

Der Ruf nach personellen Veränderungen ist zu billig, ein wenig verändern muss sich stattdessen Borussias Spiel, dann sollte es gegen Freiburg schon wieder klappen. Verändern muss sich womöglich auch die Anspruchshaltung der Fans. Diese Mannschaft hat Grenzen, ihre Leistungsfähigkeit hat Limits. Davon war lange erstaunlich wenig zu sehen, dass sie sich aber bisweilen zeigen, ist nur normal. Und es gibt bisher keinen Grund, zu fürchten, dass Borussia ihr kleines Tief bis zum Saisonende nicht mehr überwinden kann. Auf die Ideen, die Trainer und Mannschaft zu diesem Zweck entwickeln werden, darf man gespannt sein.

... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa
... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed


Folge uns auf Twitter