Die Niederlage am vergangenen Mittwoch war bitter, aber angesichts des überragenden Kampfes auf Augenhöhe gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner ließ sich das Unglück mit einer ordentlichen Portion Stolz ertragen. Wenig Trost hingegen gab es nach der unverdienten und unnötigen Niederlage gegen die TSG Hoffenheim, die über 70 Minuten hinweg nicht am Spiel teilgenommen hatte und längst aussichtslos hätte zurückliegen müssen. Obwohl sich mit der fahrlässigen Chancenverwertung und der nachlassenden Kraft Erklärungen für die erste Heimniederlage der Saison finden lassen, ist diese dennoch sehr schwer zu akzeptieren.


Es ist ein vielfach hinterfragtes Phänomen, warum Fußball-Mannschaften ein Problem damit haben, was in anderen Sportarten gang und gebe ist. Fakt ist aber: Borussia ist nicht die erste Fußballmannschaft, die mit den Belastungen einer englischen Woche zu kämpfen hatte. In der Vorrunde z. B. war Hannover 96 beim Auftritt im Borussia-Park in der Schlussviertelstunde anzumerken, wie sie kräftemäßig trotz des 1:2-Rückstandes nichts mehr zuzusetzen hatten. Mannschaften, wie der FC Bayern, deren Spieler einen solchen Rhythmus seit Jahren gewohnt sind und die zudem eine breiter besetzte Bank vorweisen, tun sich hier oft leichter.

 

Die Problematik dürfte zudem neben der physischen auch eine psychische Komponente haben, dass man bei einem unerwarteten Gegentor in der Schlussphase eines Spiels eher anfängt, an das vergangene Spiel und an die müden Beine zu denken. Dies kann die tatsächlichen körperlichen Beschwerden noch einmal zusätzlich verstärken und eine sich selbst erfüllende Erwartung auslösen.

 

Vergessen werden sollte zudem nicht, dass diese Bayern am vergangenen Mittwoch nur durch ein extrem laufintensives Spiel gebremst werden konnten. Da dieses über 120 Minuten nötig war und dann auch noch mit einem emotionalen Genickschlag endete, kann das Geschehen vom Samstag nicht überraschen.

 

Im Ergebnis ist es sehr ärgerlich, dass nach dem geplatzten Traum vom DFB-Pokalsieg nun auch der direkte Einzug in die Champions League in ernster Gefahr ist. Für die Zukunft des Vereins wäre alleine schon aufgrund der damit verbundenen Planungssicherheit und den gesicherten Mehreinnahmen in achtstelliger Höhe ein Platz 3 sehr bedeutsam. Zunächst einmal ist jetzt aber der FC Schalke 04 durch seinen Sieg über Bayer Leverkusen auf diesen Platz vorbeigezogen. Die Gelsenkirchener befinden sich zudem in aktuell so guter Verfassung, dass sie sich in einer deutlich komfortableren Ausgangsposition befinden. In der Defensive mag Borussia leichte Vorteile gegenüber den Knappen besitzen. Die Nachteile sind im Offensivspiel aber umso größer. Wo ein Igor de Camargo aus wenigen Metern direkt den Torhüter anköpft, nickt ein Weltklasse-Stürmer wie Klaas-Jan Huntelaar die Bälle mühelos aus allen Lagen ins Tor.

 

Auch wenn der direkte Vergleich deutlich für Borussia gesprochen hat, so ist die Elf von Huub Stevens qualitativ weit hochkarätiger besetzt und es ist bereits ein großer Verdienst der Borussia, mit diesem Gegner auf Augenhöhe zu konkurrieren. Sicherlich hat Borussia über sehr lange Zeit bewiesen, dass bei optimalem Verlauf das Erreichen des 3. Rangs möglich wäre. Bei realistischer Betrachtung muss man sich aber eingestehen, dass dem Team von Lucien Favre die eine oder andere Schwächephase zugestanden werden muss und es in Sachen Konstanz nur schwer mit den absoluten Topklubs des Landes mithalten kann.

 

Die Leistung gegen Hoffenheim war im Grunde sogar relativ beachtlich. Die ersten 20 Minuten begann Gladbach zu verhalten und erkannte etwas spät, dass dieser Gegner wenig anzubieten hatte. Dies änderte sich dann aber schlagartig, was folgerichtig zum 1:0 führen musste. Im weiteren Verlauf war man sehr um weitere Treffer bemüht, blieb im entscheidenden Moment aber glücklos. De Camargo hatte von seinem Trainer mal wieder die Chance von Beginn an erhalten, was sich leider nicht ausgezahlt hatte. Der Belgier war somit der größte Verlierer der Partie und dürfte in der kommenden Woche wieder von Mike Hanke ersetzt werden.

 

Pech hatte ebenso Marc-André ter Stegen, der seit seinem Eintritt in die 1. Bundesliga über viele Monate beeindruckend fehlerlos blieb. Nach seinem Patzer vorige Woche in Leverkusen war er auch an diesem Samstag beim 1:2 nicht schuldlos. Es ist aber ein sehr wichtiger Schritt für den persönlichen Reifeprozess des 19jährigen, dass er mit diesen Situationen umzugehen lernt. Angesichts seines bisherigen Auftretens besteht aber keinerlei Grund zur Sorge, dass sich dies in ein längeres Formtief auswachsen könnte.

 

Lucien Favre hat bereits erste Konsequenzen aus der Niederlage gezogen und seinen Spielern bis Mittwoch morgen frei gegeben. Dies mag in der Saisonendphase überraschen, ist aber angesichts des anstehenden Sonntagspiels in Hannover eine logische Maßnahme. Die Mannschaft muss sich jetzt erst einmal körperlich und mental regenerieren und von den Rückschlägen der letzten Woche erholen. Dann sollte ihnen bewusst werden, dass sie trotz allem immer noch eine herausragende Ausgangsposition besitzen und sich in den folgenden 7 Spielen alle Chancen für sie eröffnen. Das Selbstbewusstsein sollte vorhanden sein, sich die 11 Punkte Vorsprung auf die ebenso schwächelnde Konkurrenz nicht mehr nehmen zu lassen. Und wer weiß: Im vergangenen Jahr hat Borussia die Experten so viele Male positiv überrascht, dass der Kampf um Platz 3 noch lange nicht abzuschreiben ist. Die Schalker sind wie beschrieben ein sehr harter Konkurrent und niemand sollte enttäuscht sein, wenn es am Ende doch „nur“ zu Platz 4 reicht. Wenn die Borussen in den vergangenen 14 Monaten aber eins unter Beweis gestellt haben, dann ist es ihren positiven Charakter, mit dem sie schon in weit schwierigeren Situationen immer wieder aufgestanden sind.

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