Ein banger Blick in die jüngere Borussen-Historie zwingt abergläubische Borussen-Fans, ihrem Verein am kommenden Freitag gegen den VfL Wolfsburg nur bedingt die Daumen zu drücken. 2006 sprang Borussia nach 5 Spieltagen durch ein 1:0 über Dortmund für eine Nacht auf Platz 1 der Bundesliga-Tabelle. Davor ließ am 1. Spieltag 1998 ein 3:0-Starterfolg über Schalke 04 ganz Mönchengladbach eine Woche von echtem Spitzenfußball träumen. In beiden Fällen endeten die Träume in Liga 2. Von daher wäre ein Sieg gegen die Wölfe und der damit unvermeidlich einhergehende Sprung auf die Liga-Pole Position kein allzu gutes Omen für die restliche Saison.



Die Gäste aus Wolfsburg

Da kann man fast froh sein, dass mit dem Deutschen Meister von 2009 nicht gerade Laufkundschaft in den Borussia-Park reist. Auch wenn die Elf von Felix Magath im Vorjahr als Konkurrent im Abstiegskampf noch auf Augenhöhe agierte, steckt im millionenschweren Kader eine Menge Substanz. Dies deutete die Mannschaft im ersten Ligaspiel an, als man den 1.FC Köln mit 3:0 in seine erste Saisonkrise schickte. Und auch das 0:1 gegen den FC Bayern München sprach eher für die VW-Städter, die den Rekordmeister über weite Strecken im Griff hatten und nur aufgrund eines fehlerhaften Abseitspfiffes und Bayern-Dusels als Verlierer vom Platz gingen.

Der einstige Traumsturm, bestehend aus Dzeko und Grafite, hat den Verein inzwischen zwar verlassen. Dennoch kann man es sich weiterhin leisten, mit Lakic einen 23-Tore-Schützen aus dem Vorjahr auf die Bank zu setzen. Mandzukic und Helmes sind beide nicht minder treffsichere Schützen, die Borussias geschwächte Innenverteidigung vor eine nicht unerhebliche Prüfung stellen werden. Trotz dieses qualitiativ hohen Niveaus im Sturm ist VW bereit, noch weitere Millionen in einen weiteren Angreifer zu investieren.

Investiert wurde unter der Woche bereits ins Mittelfeld, wo überraschend Thomas Hitzlsperger seinen Weg in die Bundesliga fand. Der bisherige West-Hamer Hammer wird voraussichtlich bereits am Freitag im Kader stehen. Dies erscheint dringend nötig, da Wolfsburg im Mittelfeld akut unterbesetzt erscheint. Der Koreaner Koo fällt mit Außenbandriss aus und auch Neuzugang Patrick Ochs kämpft seit dem Bayern-Spiel mit seinem Oberschenkel. Sollte dieser einen Einsatz verweigern, wäre Magath zu Umstellungen gezwungen, nachdem er in beiden ersten Partien die jeweils selbe Mannschaft aufgeboten hat. Hitzlsperger ist eigentlich eher ein Mann für die linke Seite und dürfte hier den Druck auf den bislang enttäuschenden Salihamidzic verstärken. Aber auch die sonstigen Alternativen für Ochs sind mit Dejagah und Schindzielorz wenig furchteinflößend. Interessant wäre es, wenn Magath ausgerechnet gegen Borussia Cigerci die bislang verweigerte Chance gewähren würde. Das 19jährige Riesen-Talent steht nämlich bei Lucien Favre hoch im Kurs und wird daher seit einiger Zeit von Borussia umworben.

Nicht minder große Probleme hat Wolfsburg in der Abwehr. Mit den WM-Helden Kjaer und Friedrich schien man im letzten Jahr optimal ausgestattet. Inzwischen ist Arne Friedrich langzeitverletzt und Kjaer kann auch in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga seine regelmäßig wiederkehrenden Anfängerfehler nicht abstellen.

Stark ist die Elf hingegen auf den defensiven Außenpositionen, wo rechts der Japaner Hasebe erfolgreich aushilft, während auf links Marcel Schäfer langsam wieder an seine Top-Form aus dem Meisterjahr herankommt, als er zurecht in den Kreis der Nationalmannschaft aufgestiegen ist.

Borussia

Nationalmannschaftsreif war es nicht, was Borussia in der Vorwoche gegen den VfB Stuttgart abgeliefert hat. Favre ist in seiner Meinung zu bestärken, dass gegen die Wölfe nur eine absolute Top-Leistung ausreichen wird, um punkten zu können. Eine Vorstellung wie gegen die Schwaben hingegen dürfte zu wenig sein, um den 4 Punkten nach 2 Spieltagen einen weiteren hinzuzufügen.

Die Unzufriedenheit, die sich bei einigen Fans nach dem Remis in der Vorwoche einstellte, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Spiele weniger überraschend sein sollten als so manch einer der beeindruckenden Siege in den letzten Pflichtspielen. Immerhin steht noch ein Großteil der Mannschaft auf dem Platz, die in der Vorsaison 10 Punkte aus 17 Vorrundenspielen einfuhr. Bei allem Respekt vor der Steigerung, die sich die Mannschaft seit Inthronisierung des neuen Coaches erarbeitet hat. Im Vergleich zu den teuer erkauften Kadern aus Stuttgart oder Wolfsburg bestehen noch immer Qualitätsdefizite, die sich auf Dauer bemerkbar machen müssen. Wer jetzt schon von einem Durchmarsch in den Europapokal träumt, könnte schon bald ein böses Erwachen erleben.

Schon in den kommenden beiden Spielen gegen den Meister aus 2009 und Vizemeister aus 2010 wären zwei Niederlagen keine wirkliche Schande. Der Fortschritt besteht vielmehr im Folgenden: Während solche Spiele gegen wiedererstarkte Spitzenteams in der Vorrunde des Vorjahres so gut wie sicher verloren gegangen wären, ist man heuer dank Lucien Favre in beiden Partien alles andere als chancenlos.

Personell wird der Schweizer durch die Gelb-Rote Karte von Brouwers seine Verteidigung umbauen müssen. Da Martin Stranzl nicht rechtzeitig fit wird, bieten sich zwei Möglichkeiten. Wechselt der zuletzt auf Außen grundsolide Filip Daems in die Abwehrzentrale, könnte Top-Neuzugang Oscar Wendt zu seinem Startelfdebüt kommen. Dem schwedischen Nationalspieler attestiert sein Coach zwar aufsteigende Trainingsform. Dennoch könnte sich Favre am Ende dafür entscheiden, in der Viererkette möglichst wenig zu ändern, sondern wie in den letzten 10 Minuten gegen Stuttgart Havard Nordtveit zurückzuziehen. Der Norweger hat in der Vergangenheit viele Jahre in der Innenverteidigung gespielt, so dass hier kein Risiko bestünde. Dieses läge eher im defensiven Mittelfeld, wo ein Duo Neustädter-Marx bei so manchem Fan Befürchtungen weckt.

Auch im Angriff zeigen sich qualitative Defizite beim zweiten Anzug. Der verletzte Stammstürmer Igor de Camargo ist bislang nicht adäquat zu ersetzen, da sich Raul Bobadilla in ähnlicher Verfassung wie vor seiner Ausleihe im vorigen Jahr zeigte – stets bemüht, aber schrecklich inneffektiv. Dennoch könnte der Argentinier eine weitere Bewährungschance erhalten. Er sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass es in dieser Saison nicht mehr so viele geben wird wie in seiner ersten Saison bei Borussia, als man ihm noch Anlaufschwierigkeiten zugestanden hat.

Mathew Leckie war zwar vorigen Samstag in der Schlussviertelstunde genau der richtige Mann, um das 1:1 über die Zeit zu bringen. Er deutete aber mit seinen oftmals allzu forschen Angriffen an, dass der Sprung in die Bundesliga für ihn noch etwas zu groß sein könnte, um direkt in der Startelf aufzulaufen. Von Joshua King sollte man mehr erwarten dürfen, da die Verantwortlichen ihm offensichtlich einiges zutrauen, wenn sie bereit sind, ihn ohne Kaufoption auszuleihen. Da er bislang aber noch wenig Gelegenheit hatte, Favre von seinen Qualitäten zu überzeugen, spricht bei ihm mehr für einen Einsatz im Laufe der 2. Halbzeit.

Aufstellungen

Borussia: ter Stegen – Jantschke, Dante, Nordtveit, Daems – Reus, Marx, Neustädter, Arango – Bobadilla, Hanke

Wolfsburg: Benaglio – Hasebe, Kjaer, Russ, Schäfer – Ochs, Träsch, Josue, Salihamidzic – Helmes, Mandzukic

Seitenwahl-Tipps

Michael Heinen: „Beide Mannschaften sind deutlich besser als im Vorjahr. Dennoch geht das Spiel für Borussia unglücklich mit 0:1 verloren.

Christian Spoo: „Der Kader ist nicht breit genug aufgestellt, als dass man den Verlust zweier Innenverteidiger ohne Qualitätsverlust kompensieren könnte. Außerdem läuft es ohne Igor de Camargo auch vorne nicht rund. Borussia verliert 0:2.“

Christian Heimanns: „Kaum könnte der Saisonauftakt mal zufriedenstellend verlaufen, schon stellen sich die ersten Zipperlein im Kader ein. Da es aber auch bei Wolfsburg noch nicht meisterschaftsverdächtig läuft, könnte es reichen um die diegolosen Gölfe 1:0 zu schlagen.“

Christoph Clausen: „Ein Heimsieg ist plausibel genug, um ihn zu tippen. Borussia gewinnt mit 2:1.“

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