Rot und Weiß prägen das Stadtwappen der Stadt Freiburg im Breisgau. Grün sucht man in ihm jedoch vergebens. Dabei ist Grün die vorherrschende Farbe dieser Stadt. Umgeben von grünen Hügeln ist die Stadt im mittlerweile Grün-regierten Musterländle. Regiert von einem grünen Bürgermeister bei einer neidgrünen Opposition. Auch der SC Freiburg zeigte frühzeitig eine grüne Gesinnung, als man das Stadion mit umweltfreundlicher Energie aus eigenen Photovoltaik-Anlagen speiste. Alles wunderbar also im deutschen Sonneneck? Leider nein. Die Erfolgsampel der Fußballabteilung ist in den letzten Wochen von Grün auf Rot umgesprungen.



Vergleiche hinken bekanntlich. Die aktuelle Situation beim SC Freiburg dürfte jedoch bei so manchem Borussen-Anhänger ein Dejà-vu hervorrufen. Der Niedergang einer erfolgreichen Systemmannschaft zur Schießbude der Liga erinnert nur allzu deutlich an die Mönchengladbacher Misere des letzten Jahres. In der vergangenen Saison überraschte der Abstiegskandidat die Fachwelt durch seinen erfrischenden Fußball. Das war nicht unbedingt erwartet wurden, hatte man doch mit Mo Idrissou seinen damals beste Offensivkraft an eben jene Borussia aus Mönchengladbach verloren. Das Ergebnis ist bekannt: Idrissou konnte an seine starke Freiburger Zeit nicht anknüpfen, im Breisgau ging jedoch der Stern von Cissé auf. Der Erfolg weckte allerdings Begehrlichkeiten. Trainer Robin Dutt bekam ein Angebot aus Leverkusen, welches er nicht abschlagen konnte, und nahm Verteidiger Toprak gleich mit. Dies sollten allerdings die einzigen bedeutenden Abgänge bleiben. Schon aus diesem Grund sahen viele Fußballfachleute die Freiburger zwar in der Nähe des Abstiegskampfes, aber nicht zwingend tief in ihm verwickelt. Die Mannschaft war in ihrem Kern zusammengeblieben und hatte bewiesen, dass sie durchaus im Konzert der Bundesliga mitspielen konnte. Nach Sieben Spieltagen sieht die Welt nun anders aus.


Schon in der Vorbereitung wurde klar, dass einiges nicht zum Besten steht. Da war das Transfer-Theater um Cissé. Die „Freiburger Lebensversicherung“ wollte unbedingt weg. Allerdings war niemand bereit, die Freiburger Forderungen zu erfüllen. Auch in der Verteidigung, dem letztjährigen Glanzstück der Breisgauer, war es nicht zum Besten bestellt. Mit Butcher, Bastians und Rosenthal konnten wichtige Stammkräfte Teile der Vorbereitung verletzungsbedingt nicht mitmachen. Zu alle dem hielten dich hartnäckig Gerüchte um einen Abgang von Torhüter Baumann, einer der Stützen in der letzten Saison. In diesem Gemisch aus Verletzungspech und Transfertheater geriet der Saisonauftakt daneben. Bereits in der ersten Pokalrunde musste man in Unterhachingen bereits die Segel streichen. Auch in der Bundesliga startete man unglücklich. Lediglich gegen die völlig indisponierten Wolfsburger gab es einen 3-0 Sieg. Ansonsten war man eher ein dankbarer Punktelieferant. Besonders erschreckend dabei ist die Entwicklung der Defensive. Das einstige Prunkstück mutierte zur Schießbude der Liga, verletzungsbedingte Ausfälle konnten nicht aufgefangen werden. Das in dieser Phase Toprak-Ersatz Ferati langfristig ausfällt, passt dabei ins Bild. Zudem scheint auch das Selbstbewusstsein gelitten zu haben. Bei Gegentoren bricht das gesamte Team oft förmlich in sich zusammen. Dabei hatte man das 0:7-Debakel in München noch gelassen als Ausrutscher gesehen. Doch auch gegen Stuttgart und Schalke hatte man den Eindruck, die Breisgauer geben sich nach dem ersten Gegentreffer auf. Irgendwie kommt diese Situation Mönchengladbachern noch bekannt vor.


Am Niederrhein herrscht hingegen eitel Sonnenschein. Mit fünf Siegen in sieben Spielen hat man sich vorerst in der Spitzengruppe etabliert. Viel wird von der wiedergewonnen Stärke in der Defensive gesprochen. Doch Trainer Lucien Favre zeigt sich alles andere als zufrieden. „Wir waren weder in Hamburg noch gegen Nürnberg effizient“ mäkelte er nach dem dritten 1:0-Erfolg in Folge. Völlig zu Recht möchte  man hinzufügen. Denn die Borussia verpasste in beiden Spielen, bereits frühzeitig alles klar zu machen. Obwohl man gegen gut sortierte Nürnberger in beeindruckender Manier viele Chancen herausspielte, kann sich diese Ineffizienz vor dem Tor gegen schlagkräftigere Gegner rächen. Bei aller Euphorie ist klar erkennbar, dass der Borussia qualitative Grenzen gesetzt sind. Nicht auszudenken, falls mit Reus, Arango oder de Camargo die Spieler langfristig ausfallen sollten, welche in der Offensive die Akzente setzen. Ob Bobadilla nochmal effizient spielen lernt, ob Leckie, King, Otsu oder Kachunga die Qualität haben, sich nahtlos in das Team einzufügen… das alles ist mit großen Fragezeichen versehen. Favre weiß also, wo er ansetzen muss. Zaubern kann er hingegen nicht.



Personelle Veränderungen sind nicht zu erwarten. Derzeit ist man am Borussen Park vom Verletzungspech verschont. Stranzl ist zurück und schien nie weg gewesen zu sein. Marx hat den formschwachen Nordtveit verdrängt. Hanke harmoniert trotz seiner Torungefährlichkeit zu gut mit Reus und de Camargo. Und letztendlich heißt es ja auch „Never change a winning Team“. Das macht die Borussen natürlich ausrechenbar. Eine Lösung finden die Gegner deshalb noch lange nicht. Ob ausgerechnet Freiburg nun die Mannschaft ist, welcher das gelingt, muss abgewartet werden. Deren Hoffnung ist eng mit Cissé verknüpft. Doch kann auch der Senegalese nicht so viele Tore schießen, wie derzeit hinten zugelassen werden. Möglich das Butcher nach langer Verletzung zurückkehrt und der Abwehr mehr Stabilität verleiht. Möglich, dass Baumann sein kleines Formtief überwindet und wieder zu der Stärke der letzten Saison zurückfindet. Aber schon diese Überlegungen zeigen, dass im Breisgau derzeit mehr Hoffnung als Zuversicht vorhanden ist. Gute Voraussetzungen also, im Mönchengladbach dem goldenen September eine schöne Oktoberwoche hinzuzufügen. Selbstverständlich ist dies aber nicht.


Aufstellungen:

Borussia: Ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Marx, Neustädter - Reus, Arango – Hanke, de Camargo

Freiburg: Baumann - Mujdza, Barth, Flum, Bastians - Makiadi, Schuster - Caligiuri, Putsila, Jendrisek – Cissé


SEITENWAHL-Prognose

Thomas Häcki: Wenn Selbstbewusstsein nicht zur Überheblichkeit wird, sollte gegen angeschlagene Breisgauer ein Sieg drin sein. Wie hoch? Na, 1:0, was sonst?

Michael Heinen: Sensation in Freiburg. Borussias Serie reißt gnadenlos. Das Auswärtsspiel im Breisgau endet nicht mit 1:0, sondern mit einem 2:1-Auswärtssieg für Borussia.

Christian Spoo: Weil Cissé immer trifft, steht die Null hinten ausnahmsweise nicht. Weil Lucien Favre den Offensivkräften aber Zielwasser verabreicht hat, gelingen den Chancenkillern vom vergangenen Samstag diesmal zwei Treffer. Macht unterm Strich einen 2:1 Sieg für Borussia.

Christian Heimanns
:  0:1 für Borussia. Gladbach sorglos, Freiburg Sorg los.

Christoph Clausen: Cissé wieder gut gelaunt, Borussia dennoch siegreich. Im Breisgau glückt ein 2:1.

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