Es gibt Gäste, die sind eigentlich immer willkommen. Sie stören nicht, manchmal weiß man kurz darauf nicht einmal, dass sie da waren. Eigentlich erinnert nur noch ein Gastgeschenk in Form von drei Punkten an sie. Aus Borussen-Sicht ist das zum Beispiel der 1 FC Nürnberg. Gegen kaum ein anderes Team sieht die Heimbilanz so positiv aus, wie gegen die Franken. Und weil man nicht unhöflich sein möchte, erwidert man regelmäßig den Besuch und erfreut den Gastgeber ebenfalls mit Gastgeschenken – besonders einfallsreich in Form von drei Punkten. Denn gegen kaum ein anderes Team ist die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen so groß, wie gegen den Club. Nach dem 1:0 im September steht nun also der Gegenbesuch an. Nicht nur im Frankenland fragt man sich, ob der Gast vom Niederrhein wieder drei Punkte im Gepäck mitbringt.

 

Soweit zur Statistik. Ein Blick auf die Tabelle offenbart ein anderes Bild. Borussia Mönchengladbach, Ligadritter, bisheriger Zweiter der Rückrunde und Anwärter auf einen Champions-League-Platz trifft auf den 1 FC Nürnberg, welcher sich trotz einiger Erfolgserlebnisse noch nicht ganz aus dem Abstiegskampf verabschieden konnte. Die Favoritenrolle scheint somit klar verteilt. Doch war sie dies auch vor Jahresfrist, als der Tabellenletzte vom Niederrhein zum heimstarken Club reiste, übrigens ebenfalls nach einem enttäuschenden Heimspiel gegen den HSV. Allen Vorhersagen zum Trotz gewann die Borussia dank eines Tors von Neustädter und einem hervorragend aufgelegten Heimeroth drei Punkte, welche sich in der Endabrechnung als lebensrettend erweisen sollten. Letztendlich findet Fußball halt immer noch auf dem Platz und nicht in statistischen Verteilungsfunktionen statt. Dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Club sich zuletzt äußerst stabil präsentierte. Sieben Punkte aus den letzten drei Begegnungen, dazu ein souveräner Sieg gegen die Hertha und eine denkbare knappe 0:1 Niederlage in Hannover. Lediglich gegen Dortmund wurde man mit 0:2 deutlich in die Schranken verwiesen. Der Rückrundenstart darf also als gelungen bezeichnet werden.

Das ist durchaus beachtlich für einen Verein, der immer noch die Sünden seiner Vergangenheit abbezahlt und somit auf teure Verstärkungen verzichten muss. Im Gegenteil: Jedes Jahr muss der Club Leistungsträger ziehen lassen und sich auf ein gutes Auge bei der Talentauswahl verlassen. Auch in dieser Saison begann man nach den Abgängen von Gündogan, Schieber und Ekici quasi bei null. Natürlich konnten diese Abgänge nicht vollständig kompensiert werden. Dennoch spielt man beim Club solide, anders als in den Vorjahren. Der derzeitige Mittelfeldplatz ist alles andere als ein Zufall. Dass mit Gündogan, Schieber und Ekici die Stars der letzten Saison sich bei ihren jetzigen Clubs nicht durchsetzen konnten und mittlerweile ein Reservistendasein fristen, zeigt auch die Stärke des Clubs. Dieter Hecking hat aus der Not eine Tugend gemacht und es geschafft, aus der Mannschaft eine verschworene Einheit zu bilden. Ein Team, welches stärker ist, als die Summe seiner Einzelteile und gleichzeitig jeden Einzelnen etwas stärker macht. Dies unterscheidet die Franken von finanziell durchaus potenteren Teams wie Wolfsburg oder Köln, welche derzeit hinter dem Club liegen.

Die Parallelen zu Mönchengladbach sind dabei offensichtlich. Auch hier ist das Team der Star. Der bislang nahezu märchenhafte Aufstieg fasziniert Presse und Anhänger gleichermaßen. Und ist natürlich auch der Konkurrenz nicht verborgen geblieben. Der Erfolg fordert seinen Tribut. Reus und Neustädter werden zur Konkurrenz wechseln, Dante steht wohl kurz davor. Ob diese drei mit ihren Wechseln wirklich glücklich werden, muss abgewartet werden, denn auch bei den Fohlen wird der Einzelne durch das Team stärker. Und auch sie wären nicht die ersten, die sich unerwartet im Umfeld der großen Konkurrenz und neuen Hackordnungen im Kader auf den Ersatzbänken ihrer neuen Arbeitgeber wiederfänden. Doch dies ist noch Zukunftsmusik. Derzeit drücken Gladbach andere Probleme. Der Ausfall von Patrick Herrmann muss kompensiert werden. Man darf seine Zweifel haben, ob Herrmann tatsächlich „derzeit einer der besten Offensivspieler“ ist, am Freitag wurde er jedoch schmerzlich vermisst. Wie Lucien Favre diese Lücke schließt, ist offen. Der Australier Leckie hinterließ gegen Kaiserslautern mehr Fragen als Antworten und wirkte zeitweise eher wie eine Light-Version des abgewanderten Bobadilla. Auch die Variante mit Reus auf der Außenbahn und de Camargo im Sturm wirkte wenig vielversprechend und verschenkt. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, Reus zurück in den Sturm zu befördern und die Lücke auf der Außenbahn anders zu stopfen. Der Japaner Otsu wäre ein Kandidat und machte durch seinen beherzten Einsatz Hoffnung auf mehr. Allerdings wurden auch seine Defensivschwächen deutlich. Eine andere Variante könnte der Einsatz von Wendt sein. Ursprünglich als Defensivkraft geholt, machte der Schwede mit seinen letzten Kurzeinsätzen auf sich aufmerksam. Wenig wahrscheinlich ist das Auftauchen von Ring in der Startelf. Egal, wofür sich Favre entscheidet, seine Entscheidung wird aus der Not geboren. Aber diese Notentscheidung brachte ja auch Herrmann erst für den verletzten de Camargo in die Stammelf.

Egal wie die die Lösung ausfällt, leicht wird das Spiel in Nürnberg auf keinen Fall. Zwar weist der Club lediglich eine ausgeglichene Heimbilanz auf, in den letzten Spielen weist der Trend aber eindeutig nach oben. Zudem dürfte das kompakte Spiel der Nürnberger den Fohlen wenig schmecken. Bereits in der Hinrunde verzweifelte man fast an der defensiven Ausrichtung. Ein Grund mehr, um mit Reus in der Spitze eine weniger statische Angriffsformation zu wählen. Entgegen kommt den Borussen, dass auch der 1. FC Nürnberg nicht in seiner Stammformation antreten kann. Winterzugang Balitsch ist gesperrt, Chandler fehlt aufgrund einer Gesäßmuskelzerrung. Mit Judt, Nilsson und Pinola fehlen zudem weitere Defensivkräfte, was bislang aber gut kompensiert werden konnte. Dieter Hecking hatte bereits mit der Versetzung von Feulner auf die rechte Abwehrseite reagiert,  doch langsam wird auch bei den Franken die Personaldecke qualitativ dünn. Lucien Favre ist mit seinem Problem eines qualitativ nicht breit besetzten Kaders also durchaus nicht alleine. Zudem waren es in der Vergangenheit grade solche Notsituationen, die Spieler wie Ter Stegen, Jantschke, Brouwers oder Herrmann die Möglichkeit gaben, ihre Wertigkeit unter Beweis zu stellen. Warum sollte Favre nicht nochmal ein glückliches Händchen haben?


Der Club:

R. Schäfer - Feulner, Maroh, Wollscheid, Hlousek - Cohen, Simons - Mendler, Hegeler, Esswein - Pekhart


Die Borussia:

Ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Wendt, Arango - Hanke, Reus

 

Tipps:


Thomas Häcki: Kompakte Teams, die über den Kampf ins Spiel kommen liegen der Borussia nicht. Dies wird sich auch am Sonntag zeigen. Mit dem 0:0 darf man also zufrieden sein.


Christian Spoo: Der Club ist zur Zeit gut drauf, Borussia hat zweimal hintereinander eher schwach gespielt, trotz dreier gewonnener Punkte. Am Sonntag gibt es keine, Borussia verliert mit 1:2.


Christoph Clausen: Der Spoo hat wieder anständig getippt, weshalb die Borussia auch wieder ein anständiges Ergebnis mitbringt. Borussia siegt in Nürnberg mit 2:0.


Michael Heinen:
Borussia tut sich schwer, siegt aber letztlich verdient mit 1:0 und beendet somit die noch nicht einmal begonnene Krise.

Christian Heimanns: Nachdem Borussia in der Hinrunde auswärts nur gewonnen oder verloren hat, kommt sie in der Rückrunde langsam auf den Geschmack. 1:1 in Nürnberg.


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