Hannover 96Die vergangene, zwölfte Kalenderwoche kann wohl ohne allzu viel Widerspruch als die bisher aufreibendste im Borussen-Jahr 2012 gelten. Nachdem man zunächst per Last-Minute-Tor das Gastspiel beim dieser Tage eher überambitioniert wirkenden Werksteam von Noch-Trainer Robin Dutt für sich entschieden hatte, konnte die vielzitierte Tür nach Europa selbst für die größten Pessimisten als verhältnismäßig weit geöffnet betrachtet werden. Entsprechend gelöst und sichtlich frischer als in den Wochen zuvor gelang es der Mannschaft im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern, das Spiel über 105 Minuten offen zu halten. Erst in der zweiten Halbzeit der Verlängerung schwanden bei der Gladbacher Elf nach einer bis zu diesem Zeitpunkt fulminanten Defensivleistung sichtlich die Kräfte. Im Elfmeterschießen – Dante hin, Dante her – konnte der Ligakrösus aus München letztlich mit der größeren Anzahl an sicheren Elfmeterschützen aufwarten.

 

Das Anschlussspiel des VfL in der Bundesliga, seltsamerweise bereits am Samstagnachmittag ausgetragen (Dortmund, das bereits am Dienstag im Pokal gespielt hatte, durfte beim gefühlten 20. Sonntagsspiel des 1. FC Köln in dieser Saison entspannt auslaufen), verlief für einen unglücklichen Pokalverlierer zunächst nahezu ideal. Der Gegner aus Hoffenheim präsentierte sich wie so häufig als eine Truppe, die zwar passabel mitspielte, zugleich aber keine gesteigerten Ambitionen bezüglich des Erkämpfens eines Auswärtssieges erkennen ließ. Folglich gelang es der ordentlich aufspielenden Borussia nicht nur, in Führung zu gehen, sondern es eröffnete sich auch mehrfach die Chance zur Entscheidung. Der somit eher überraschende Sieg der Hopp’schen Getreuen durch einen Doppelschlag nach abgefälschtem Schuss und Ecke stellte zwar den Spielverlauf der ersten 70 Minuten auf den Kopf, hatte sich dennoch seit der Mitte der zweiten Hälfte mit einer rapide nachlassenden Frische und Konzentration der Favre-Elf angekündigt.

 

Am Ende einer rauschenden, aber letztlich doch etwas ernüchternden Woche blieb bei Spielern und Teilen der Gladbacher Anhängerschaft somit eine gewisse Katerstimmung zurück. So mancher fürchtet nach der ersten Heimniederlage nach über einem Jahr - ungeachtet der unverändert komfortablen 11 Punkten Vorsprung vor dem fünften Tabellenplatz - gar ein Abrutschen aus jenen Rängen, die mindestens zur Qualifikation für die Champions League berechtigen.

 

Am Sonntag treffen die Sportskameraden um Filip Daems und Co. nun auf Hannover 96. Bedeutete diese Paarung im vergangenen Bundesliga-Jahrzehnt meist nicht nur ein wenig attraktives Duell im Mittelmaß der Bundesliga, sondern zugleich eine eher verschwindende Punkteausbeute der Borussia, haben sich diese Vorzeichen seit der vergangenen Saison grundlegend geändert.
Dabei weisen die beiden Mannschaften vom Niederrhein und der Leine auf verschiedenen Ebenen bemerkenswerte Parallelen, zugleich jedoch auch wesentliche Unterschiede auf. So werden beide Vereine von im Umfeld lange Zeit umstrittenen Persönlichkeiten aus der lokalen Wirtschaft geführt. Dabei erfüllt Hannovers Martin Kind, der nicht nur offensiv für die Aufhebung der 50+1 Regel eintritt, sondern sein Personal auch mit teils heftiger, öffentlicher Kritik nicht schont, im Vergleich zum schon länger im Hintergrund agierenden Rolf Königs eher die Bedingungen für eine Reizfigur in der Anhängerschaft. Auch auf der Managerposition erkennen sich die Vereine wieder: Jörg Schmadtke kann zwar ähnlich wie Max Eberl auf eine recht passable Profi-Karriere zurückblicken (266 Bundesligaspiele), hatte aber als Ex-Keeper wie sein kurzzeitiger Mannschaftskollege Eberl als Manager zunächst einen schweren Stand (In der ersten Abstiegssaison 1998/99 wurde Schmadtke nach Uwe Kamps Verletzung kurzzeitig die Nummer zwei nach Robert Enke, wurde dann unter Rainer Bonhof Co-Trainer, bis dieser nach dem Zweitliga-Fehlstart durch Hans Meyer ersetzt wurde – Fußballgeschichte kann so spannend sein…). Seine Position im Verein gilt jedoch, im Gegensatz zu Borussias Sportdirektor, trotz der Erfolge als unsicher, sein Verhältnis zu Kind und Slomka als angespannt.

 

Allgemein ist das eher ruppig daherkommende Gesprächsklima zwischen den Vereinsoberen der Hannoveraner kaum mit der zumindest öffentlich demonstrierten, kollegialen Harmonie rund um den Borussia-Park zu vergleichen. Schließlich die Finanzen: Beide Clubs betonen unisono, nicht reich, aber gesund zu sein – langfristig könnte der VfL jedoch aufgrund seiner umfassenderen Infrastruktur, der ohnehin größeren Unterstützerbasis und der deutlich besseren Jugendförderung etwas die Nase vorn haben.

 

Entscheidend ist und bleibt jedoch der sportliche Bereich. Und hier ist 96 bereits auf genau dem Weg, der auch der Borussia, an diesem Sonntag nochmals von Max Eberl formuliert, in den kommenden Jahren vorschwebt: Ähnlich dem Spiel der Fohlen unter Lucien Favre ist es den Hannoveranern mit Trainer Mirko Slomka schon in der vergangenen Saison gelungen, durch effektiven Kollektivfußball, geprägt von defensiver Kompaktheit und vereinzelten, offensiven Glanzlichtern, die Phalanx der ökonomisch und individuell stärksten Clubs der Bundesliga aufzubrechen und sich als Viertplatzierter für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. Auf jenem Tabellenplatz also, den der VfL zurzeit belegt und welcher in der laufenden Saison zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt.

 

Auch konnte Hannover die ungewohnte Doppelbelastung durch die Europa-League in dieser Saison trotz eines nur punktuell erweiterten Kaders (Pander, Diouf) bisher bemerkenswert gut wegstecken. Am Donnerstag trifft man im Viertelfinale des Wettbewerbs zunächst auswärts auf Atletico Madrid. Es wird sich also zeigen, ob diesmal die Borussia von einem Einsatz des Gegners zur Wochenmitte profitieren kann.

 

In der Bundesliga hält sich die Mannschaft von Mirko Slomka trotz einiger schwächerer Auftritte konstant in den Top 8 und hat nach wie vor realistische Chancen, sich am im Kampf um die erneute Teilnahme am europäischen Geschäft gegen die vor der Saison vielfach höher gewetteten, aber keineswegs  souveränen Teams aus Bremen, Leverkusen, Stuttgart oder Wolfsburg durchzusetzen und den benötigten siebten Tabellenplatz zu erobern.

 

Da sich die Spielanlage der beiden Teams wie angesprochen sehr ähnelt und beide Mannschaften mit den Nachwirkungen einer Englische Woche zu kämpfen haben werden  - bei Borussia vor allem in Bezug auf die mentale Verarbeitung der vorangegangenen Pokalwoche - ist am Sonntag um 15.30 Uhr eher kein offener Schlagabtausch von Beginn an zu erwarten.
Hannover ist durch das Quartett Schlaudraff, Abdellaoue, Diouf und Ya Konan im Angriff stets gefährlich, egal, wer von ihnen am Sonntag auf dem Platz stehen wird. Im Mittelfeld ist vieles von der Tagesform der zentralen Mittelfeldspieler Pinto, Schmiedebach und Stindl abhängig – im Laufe der Saison zeigte sich die fehlende Konstanz der Kreativzentrale als eines der Probleme der 96er. Die Innenverteidigung ist körperlich robust und besonders bei Standards sehr kopfballstark (Schulz, Eggimann, Pogatetz, Haggui). Die Freistöße von Christian Pander sind dabei eine Waffe, die schon im Hinspiel für das Gegentor zum zwischenzeitlichen 1:1 gesorgt hat. Auf der anderen Seite ist Pander, sollte er als Linksverteidiger eingesetzt werden, nicht gerade für seine Defensivqualitäten berühmt. Zusammen mit dem nicht mehr ganz jungen Steven Cherundolo ist Hannover über die defensiven Außen durchaus verwundbar.

 

Borussias Formation wird wohl erneut kaum Überraschungen beinhalten. Harvard Nordtveit wird für Thorben Marx, der mit der schnellen Spielweise der Mannschaft immer weniger  kompatibel scheint, in die Startelf zurückkehren. In der Innenverteidigung hat Lucien Favre wie so häufig die Qual der Wahl zwischen Mr. Zuverlässig, Roel Brouwers, und dem möglichen Rückkehrer Martin Stranzl. Vorne könnte Mike Hanke wieder den Vorzug vor Igor De Camargo erhalten, der sich gegen Hoffenheim zwar ordentlich präsentierte, jedoch erneut zu viele Großchancen ausließ.
Entscheidend für Borussias Erfolgsaussichten erscheint jedoch vor allem die Form der „Dauerbrenner“: Roman Neustädter wirkte gegen Hoffenheim ausgelaugt, Juan Arango agierte häufig unkonzentriert. Marko Reus scheint sein größtes Tief zwar überwunden zu haben, von der Form der Hinrunde, als er unter anderem im Hinspiel die Hannoveraner nahezu im Alleingang besiegte, ist er momentan aber noch ein ganzes Stück entfernt - zumal sich die Konkurrenz zunehmend auf seine Bewegungen eingestellt hat.

 

Man darf generell gespannt sein, wie erfolgreich die Mannschaft in den gut sieben Tagen Spielpause körperlich und mental regenerieren kann. Dabei ist die langjährige Erfolgslosigkeit der Fohlen gegen „die Roten“ – zu der nicht zuletzt der heutige Borusse Mike Hanke mehrfach seinen Teil beitrug – nach dem starken 0:1 Auswärtssieg im letztjährigen Abstiegskampf und dem 2:1 im Borussiapark Ende Oktober sicher kein Thema mehr.

 

Aufstellungen:

 

Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Pander -  Schmiedebach, Pinto – Stindl, Schlaudraff - Diouf, Ya Konan.

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter – Herrmann, Arango - Hanke, Reus.

 

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych.

Assistenten: Marco Achmüller, Benjamin Cortus.

Vierter Offizieller: Georg Schalk.

 

SEITENWAHL-Meinung:

 

Christian Grünewald: Borussia konnte die laufende Woche nutzen, um die enttäuschenden Ergebnisse zu verarbeiten und sich auf die entscheidende Saisonphase einzustimmen. Ein schnelles Tor kann helfen, um Sicherheit zu gewinnen und die Hannoveraner daran zu erinnern, dass sie am Donnerstagabend noch gegen Diego und Co. anrennen mussten. Dann sind Konterchancen vorprogrammiert. Borussia gewinnt mit 2:0.


Christoph Clausen: Das 1:1 in Hannover ist respektabel und verdient. Im Kampf um Platz 3 hilft es mangels Hoffenheimer Schützenhilfe aber nur bedingt.


Thomas Häcki: Den Fohlen scheint nach dem unglaublichen Lauf dieser Saison nun die Luft auszugehen. Das bedeutet aber nicht, dass nun gar nichts mehr läuft. Mit dem 0:0 zieht man sich bei Hannover beachtlich aus der Affäre.


Christian Heimanns: Das 2:2 lässt vielleicht nicht die Platzierung klettern, dafür steigt die Laune wieder.


Michael Heinen: Borussia verliert durch eine 0:1-Niederlage in Hannover weiter an Boden gegenüber dem FC Schalke.


Christian Spoo: Borussia verliert mit 0:2, das Ziel kann danach nur noch heißen: Platz vier sichern!

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