Groß war das Wehklagen vor zwei Wochen rund um Mönchengladbach nach dem unglückseligen Auftritt in Gelsenkirchen. Borussia hatte eines ihrer besten Saisonspiele abgeliefert und den Schalkern eine Lehrstunde im eigenen Stadion verpasst. Ein 5:0-Auswärtssieg wäre nach den gezeigten Darbietungen kein unverdientes Ergebnis gewesen. Am Ende wurde es eine lächerliche 1:2-Niederlage. An diesem Wochenende wurde dann das Versäumte im heimischen Borussia-Park nachgeholt, während die Schalker für ihre Formschwäche mit einer nicht einmal knappen Niederlage in Ingolstadt bestraft wurden. Damit zeigte sich einmal mehr, dass die Bewertung einer Mannschaftsleistung nicht zu sehr von einzelnen Ergebnissen abhängig gemacht werden sollte.

Schon nach dem Spiel vor zwei Wochen hätten die Alarmglocken deutlich stärker in Gelsenkirchen schrillen müssen als in Gladbach. Es ist ein Armutszeugnis, wenn ein Trainer das System seiner hochbezahlten Mannschaft innerhalb einer Partie gleich fünfmal umstellt und sie trotzdem durchgängig chancenlos bleibt gegen einen Gegner, den man eigentlich auf Augenhöhe wähnte. Da gelten keine Ausreden, denn auch Borussia hat in dieser Spielzeit einige verletzte Spieler zu beklagen und bietet z. B. mit Elvedi und Christensen ebenso wie die für ihre Knappen-Schmiede so hochgelobten Schalker einige sehr junge Akteure auf. Trotz der 1:2-Niederlage war ein Klassenunterschied zugunsten des lediglich im Ergebnis unterlegenen Teams zu erkennen. Natürlich zählen im Fußball am Ende die Tore, aber eben noch viel mehr die Punkte. Und die werden auf Dauer weit mehr mit Qualität als mit purem Glück erzielt. Schon beim 0:2 in Berlin oder beim peinlichen Europacup-Aus gegen Donezk waren die Schalker hoffnungslos unterlegen. In Ingolstadt setzte sich dies nun nahtlos fort. In dieser Form werden sie am Ende froh sein können, wenn es angesichts der derzeit noch desolateren Wolfsburger immerhin zu einem 7. Platz reichen wird.

In Mönchengladbach hat sich die Stimmung hingegen wieder zum Positiven gedreht, wobei erst die nächsten beiden Partien zeigen werden, wie nachhaltig dies ist. Bei noch vier ausstehenden Auswärtsspielen wird es nicht ausreichen, in fremden Stadien dominant aufzutreten – es muss auch Zählbares dabei herauskommen. Viele Punkte dürfen bis zum Saisonende nicht mehr liegen gelassen werden, um sich der zuletzt starken Konkurrenz aus Leverkusen, Mainz und trotz allem auch der Hertha zu erwehren.

Dass Borussia überhaupt noch so gut im Rennen um die Champions League liegt, hat sie nicht zuletzt einem Umdenken bei ihrem Trainer zu verdanken. Noch vor wenigen Monaten musste sich André Schubert der berechtigten Kritik stellen, mit einer gelegentlich allzu planlos wirkenden Harakiri-Taktik unnötige Niederlagen mit zu verantworten. 29 Gegentore aus 11 Pflichtspielen standen zu Buche als Borussia am 21. Spieltag mit 2:3 in Hamburg verlor. Die Kritik am jungen Übungsleiter wurde lauter, aber angesichts der Kontinuität, für die Borussia und Max Eberl mittlerweile stehen, war klar, dass er noch mindestens 13 weitere Partien bis zum Saisonende Zeit bekommen würde, um sich und seine Mannschaft aus dieser ersten größeren Krise seiner Bundesliga-Karriere zu befreien und sich nachhaltig als langfristiger Borussen-Trainer zu empfehlen. Nachdem jetzt etwas mehr als die Hälfte dieser Partien absolviert ist, lässt sich erfreut feststellen, dass er auf einem sehr guten Weg ist.

An jenem 14. Februar 2016, genau 5 Jahre nach der Inthronisierung von Lucien Favre, war mit der Pleite beim HSV der Tiefpunkt erreicht und offensichtlich erkannte auch Schubert, dass ein Erfolg so ganz ohne defensive Stabilität nur schwer zu erreichen ist. Die vier darauffolgenden Heimspiele wurden allesamt zu Null gewonnen mit einer Gesamtbilanz von 13:0. Aber auch auswärts zeigt die Leistungskurve seitdem deutlich nach oben. Zwar kassierte die Mannschaft in Augsburg, Wolfsburg und Gelsenkirchen je zwei Gegentreffer. Dies war aber zumindest in den letzten beiden Partien der gnadenlosen Effizienz des Gegners - bzw. der Eigentorschützen im eigenen Verein - geschuldet. Viel mehr als diese je zwei Torgelegenheiten wurde den Mitkonkurrenten nicht gestattet. Dies ist kein Vergleich zu den teilweise vogelwilden Defensiv-Fehlleistungen, die sich die Mannschaft z. B. in Leverkusen und Hamburg oder auch gegen Werder und Darmstadt erlaubte.

Fußball ist zu allererst Kopfsache. Nur so erklärt sich das unglaubliche Phänomen, das in fremden Stadien zuletzt fast jede Chance des Gegners den Weg ins Borussen-Tor fand und die grundsätzlich immer noch effektivste Mannschaft der Liga selbst größte Tormöglichkeiten en masse liegen lässt, während es im Borussia-Park genau andersherum abläuft. In Ingolstadt wird sich kommende Woche die nächste Chance auf einen Auswärtssieg bieten. Nicht erst das überzeugende 3:0 der Schanzer über Schalke sollte aber aufhorchen lassen. In den bislang sechs Heimspielen dieser Rückrunde hat der Aufsteiger noch keine Niederlage einstecken müssen bei 4 Siegen und 2 Remis. Hier von einem Pflichtsieg zu sprechen wäre daher allzu arrogant. Schon im Hinspiel machten die Audistädter deutlich, wie unbequem sie zu bespielen sind, wobei sie sich sämtlicher Tricks in und außerhalb des Regelbuchs zu bedienen verstehen.

Allerdings sei eingewandt, dass sie in den vorgenannten 6 Partien zwar u. a. Mainz und Schalke bezwingen konnten, aber keinen Gegner von dem Format wie es Borussia in den letzten Wochen verkörpert hat. Respekt vor der guten Arbeit der Ingolstädter und vor einem absolut bundesligatauglichen Team ist angebracht. Das nötige Selbstbewusstsein sollte aber gleichermaßen vorhanden sein, um einen Auswärtssieg anzuvisieren, der ein ganz wichtiges Signal für die letzten Wochen der Saison liefern würde. Gelingt es Borussia nämlich, den Auswärtsfluch möglichst bald zu beenden, sollte selbst eine Wiederholung des 3. Platzes möglich sein. Angesichts des höchst wankelmütigen Saisonverlaufs wäre dies beileibe keine Selbstverständlichkeit und selbst der aktuelle 7-Punkte-Vorsprung auf den 8. aus Wolfsburg sollte nicht dazu verleiten, bereits jetzt den Europapokal-Platz als Gewissheit abzuhaken. Nimmt man aber die Leistungen der letzten Wochen zum Maßstab, so ist der aktuelle Platz 4 mehr als verdient und es muss erlaubt sein, zumindest das Erreichen des CL-Play-Off-Platzes als realistisches Ziel auszugeben.


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