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Nach dem 3:0 Sieg in Hannover grüßt Borussia Mönchengladbach vom zweiten Tabellenplatz hinter Bayern München und längs und quer durch Fußballdeutschland geht ein Seufzer "Wie in den Siebzigern". Auch wenn man die fünf folgenden Vereine in der Tabelle dafür ausschneiden müsste. In allen Wettbewerben noch unbesiegt, jetzt mit dem zweiten Auswärtsdreier, nur vier Punkte hinter der bayrischen Übermacht, genießen die Anhänger der Borussen den Moment.

Auf dem Papier wartete eine harte Nuss auf die Borussen. Ohne Nationalspieler Kramer anzutreten ist sicher eine Schwächung für die Gladbacher, und das bei einem Gegner, der seine drei Heimspiele zuvor gewonnen hatte. In dieser Konstellation hätten sicher viele bei Borussia ein Unentschieden in Hannover gerne mitgenommen, man schaue sich nur die Tipps im Vorbericht bei SEITENWAHL an. (Na, wer hat´s gesagt?) Aber in einer Umkehr der Phrase vom "erwartet schweren Spiel" griffen sich die Borussen die drei Punkte in einem, nun ja, so nicht erwartet nicht so schweren Spiel.

Zu Beginn des Spiels versuchten die Hannoveraner, die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen und die Gäste in die Defensive zu zwingen, ohne sich dabei den ligaweit gefürchteten Gladbacher Kontern aka "Umschaltspiel" auszusetzen. Trotz einer Menge Ballbesitz gewannen sie aber nie die Oberhand gegen die taktisch disziplinierten Borussen. Nach einer Viertelstunde hatte das Spiel seine Schlüsselszene, als Max Kruse die erste Chance zum 1:0 verwertete und damit gründlich die Luft aus der Partie ließ.

In der Folge wurde deutlich, dass eine Heimbilanz mit Siegen gegen Köln und Hamburg vielleicht doch nicht so viel wert ist, genauso wie Hannover 96 ohne seinen Vorlagengeber Szabolcs Huszti und die Stürmer der vergangenen Jahre. Auf Gladbacher Seite fiel Kramers Fehlen hingegen nicht so sehr ins Gewicht, was gleichzeitig ein Lob an die Adresse von Nordtveit und Xhaka bedeutet.  Mit der Führung im Rücken waren die Borussen im restlichen Spiel kaum noch aus der Balance zu bringen, erarbeiteten sich aber gleichfalls kaum Chancen. Jedenfalls  bis nach dem 2:0, das genauso aus dem Nichts fiel wie das erste Tor. Danach bot sich wieder das beruhigend gewohnte Bild größter Chancen, die die Gladbacher liegen ließen und damit einen Kantersieg verpassten. Der entscheidende Punkt war das, was  gegen Mainz noch den  Sieg verhindert hatte - die Verwertung der Möglichkeiten.

Wie ist nun der zweite Tabellenplatz nach der Hälfte der Hinrunde zu bewerten? Ausgehend von der These, dass eine Tabelle nicht nur aus Borussia Mönchengladbach besteht und dass die vermeintlich sicheren Kandidaten für die Champions League auf den Plätzen 6, 9 und im Abstiegskampf stehen, mag das aktuelle Tabellenbild verzerrt aussehen. Im letzten Jahr hätten 16 Punkte nach acht Spieltagen für Platz 4 gereicht, ebenso vor zwei Jahren, und vor drei Jahren, als die Borussen aus der Relegation heraus heraus in einer wunderbaren Saison den 4. Tabellenplatz erreichten, hätten 16 Punkte zu diesem Zeitpunkt für den geteilten 2./3. Tabellenplatz gereicht. Bemerkenswerterweise hatten die Gladbacher genau diese 16 Punkte und teilten sich die Tabellenposition mit Bremen hinter Bayern.

Man darf daraus schließen, dass das Bild trotz der über die Tabelle verstreuten üblichen Verfolger recht realistisch ist. In Hannover traten die Borussen mit einem Selbstbewusstsein an, dass sich aus der Klarheit über die eigenen Stärken ergibt und aus den Ergebnissen dieser Saison und der letzten Jahre. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass ein 34jähriger Österreicher aus dem Burgenland der Bundesligaspieler mit den stärksten Zweikampfwerten ist; an seiner Seite wird Tony Jantschke zudem immer stärker. In der Offensive lässt die Sehnsucht nach Arango langsam nach, wobei man allerdings nicht außer Acht lassen darf, dass praktisch alles an Raffaels Spielweise hängt, an seiner Laufstärke, seinen geschmeidigen Dribblings, seinem phantastischen Timing bei den Pässen, die die Mitspieler einen Wimpernschlag vor dem Abseitspfiff in den freien Raum und direkt vor Gegners Torwart schicken.

Und daran, dass Max Kruse trifft, und da liegt schon der ganze Unterschied zu den Spielen gegen Mainz, Zürich, Köln, Stuttgart. In der Chancenverwertung ist Borussia kein Spitzenteam. 12 Tore aus acht Spielen sind auch kein Spitzenwert, selbst wenn das im Augenblick in der Bundesliga im Trend liegt. Von diesen 12 Toren hat Kruse fünf auf dem Konto, was alles über die Torgefahr des Teams ohne ihn sagt. Eine Hilfe zu mehr Toren könnte Andre Hahn sein, auch wenn er am Samstag eine gute Chance vergab. Er ist torgefährlicher als alle anderen Kandidaten für die Außenpositionen und könnte Kruse entlasten. Die Variante gegen Hannover, in der Herrmann und Hahn auf den Außen spielten, kam zwar durch Johnsons Sehnenreizung zu Stande, hätte aber Wiederholungen verdient.

Erst wenn die Borussen ihre inzwischen zuverlässig herausgespielten Chancen nutzen, können sie ein stabiles Spitzenteam sein. Bis dahin sind sie fast Spitze, wobei der Spielplan die Gegner Dortmund, Leverkusen und Bayern erst in den letzten sieben Spielen der Hinrunde bereit hält. Die Bayern als nächsten Gegner dabei am kommenden Sonntag im Borussiapark, in einem echten Spitzenspiel.


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