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Die Pflichtaufgabe ist absolviert, Borussia hat sich zwar sicher keine neuen Fans erspielt, aber eine Blamage verhindert. Wer das Pokal-Achtelfinalspiel in Offenbach im Gebührenfernsehen verfolgte und den Ausführungen des Kommentators Glauben schenkte, konnte den Eindruck bekommen, Borussia habe gewackelt und gezittert. Nichts allerdings ist weiter weg von der Wahrheit. Der Bundesligist spielte tatsächlich keinen guten und schon gar keinen schönen Fußball. In Gefahr waren die Gladbacher allerdings nie. Überraschend war allenfalls, dass das vorentscheidende 1:0 schon recht früh fiel.

Elf Eckbälle aber keine echte Torchance für den OFC. Diese Zahl illustriert recht deutlich, wie wenig Probleme die Borussenabwehr mit dem Regionalligisten hatte. Alles Engagement, Rennen und Fighten nutzte Offenbach nichts. Zwar stehen auch elf Torschüsse in der Spielstatistik, gefährlich für das Tor von Yann Sommer war davon aber kein einziger. Borussia konnte die Offenbacher Angriffe meist schon am Strafraum unterbinden. Die Viererkette gab sich keine Blöße. Von daher kann von "Zittern" keine Rede sein. Natürlich ist ein "Lucky Punch" im Fußball immer möglich, aber Offenbach war nicht einmal nah dran.

Borussia nahm die Spielweise der Kickers nicht an, ließ sich selbst nicht zu einem ähnlich aufwändigen Spiel verleiten, was dem Zuschauer teilweise den Eindruck einer gewissen Wehrlosigkeit vermitteln konnte. Vermutlich aber wusste die Mannschaft, dass sie sich auf ihre Defensive würde verlassen können. Von "Dagegenhalten" war über weite Strecken nichts zu sehen, von daher war es im Grunde auch kein "typischer Pokalfight", sondern das Spiel zweier Teams mit höchst unterschiedlichen Qualitäten und unter dem Strich einem deutlichen Qualitätsgefälle.

Zur nachträglichen Überheblichkeit besteht dennoch kein Grund. Borussia hat sich schadlos gehalten, aber keineswegs mit Ruhm bekleckert. Schöner Fußball war wohl schon wegen der Beschaffenheit des Platzes nicht zu erwarten. Die Plätze der U-2-Teams in dieser Pokalrunde waren allesamt nichts für verwöhnte Profiknochen. Dortmund hatte in Dresden dieselben Probleme, Bremen in Bielefeld gemessen am Ergebnis noch mehr. Dennoch sollte man von einer Profimannschaft auch bei tiefem Rasen ein strukturiertes Aufbau- und Angriffsspiel erwarten dürfen. Borussia zeigte davon eher wenig. Im Mittelfeld gab es Ballverluste in Reihe, die in der Bundesliga vermutlich bitter bestraft worden wären. Vor allem der zuletzt zurecht viel gelobte Granit Xhaka zeigte sich immer wieder sorglos, womöglich angesichts des aggressiven Offenbacher Forecheckings auch ratlos. Der Taktgeber lieferte einen holprigen Rhythmus, infolgedessen gab es ein geradezu kakophonisches Aufbauspiel. Nur selten gab es planvolle Angriffe. Die löblichen Versuche Einzelner, die höhrere individuelle Klasse im Eins zu Eins auszuspielen, scheiterten teilweise am Boden, teilweise an Offenbacher Leidenschaft, in einigen Fällen auch an Offenbacher Rustikalität.

Trotzdem zeigte sich schon in der ersten Halbzeit, dass Borussia gut daran tun würde, geduldig auf ihre Chancen zu warten. Zunächst konnte der Bundesligist die Fehler des Viertligisten nicht nutzen, mit zunehmender Spieldauer häuften sie sich aber. Offenbach musste in der zweiten Halbzeit mehr und mehr der eigenen energieaufwändigen Spielweise Tribut zollen. Als das wirklich überdeutlich wurde, war das Spiel aber eigentlich schon entschieden. Das Slapstick-Handspiel des Kickers-Stürmers Müller im eigenen Handspiel stellte die Weichen recht zeitig. Warum er nach einer Gladbacher Ecke ohne Not mit den Armen rudernd durch den eigenen Strafraum flog, vermochte Müller nach dem Spiel nicht zu erkären. Den fälligen Elfmeter schoss Max Kruse zwar nicht platziert, aber offenbar so hart, dass Offenbachs Schlussmann Endres zwar am Ball war, aber nicht abwehren konnte.

Bis zur 75. Minute hielten die Kickers noch nach gewohnter Manier noch dagegen, ohne gefährlich zu werden, danach wurde Borussia stärker, kam zu Chancen, folgerichtig zum zweiten Tor. Am Ende wäre sogar ein höherer Sieg möglich gewesen.

Es ist müßig, zu spekulieren, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn Borussia entweder schon früh in Führung gegangen wäre oder wenn Offenbach tatsächlich zum vorher erwähnten "Lucky Punch" gekommen wäre. Ebenso unzulässig ist es vermutlich, hoffentlich, Rückschlüsse auf die Gesamtverfassung des Gladbacher Teams zu ziehen. Pokal ist Pokal, Liga ist Liga und in Mainz wird Borussia am Samstag aller Voraussicht nach vollständig anders auftreten, als in Offenbach. So bleibt das Fazit, dass es kein schönes Pokalspiel war, dass Borussia 2015 immer in der Lage ist, Pflichtaufgaben zu meistern und dass das Team verdient im Viertelfinale steht.

 


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