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Mit zwei Toren von Patrick Herrmann kam die Borussia am Sonntag zu einem so lockeren 2:0 Heimsieg, dass hier mal die Floskel randarf: Zu einem "jederzeit ungefährdeten 2:0". Bei einem Spiel, das nach Klassenunterschied roch, hätten die Borussen nur höher gewinnen müssen, um den Tag völlig rund zu machen.

Schon vor Spielbeginn war klar, dass die Hannoveraner vor einer schweren Aufgabe stehen würden, denn in ihrer bedenklich nach unten zeigenden Formkurve mussten sie auch noch auf ihr kreatives Mittelfeld verzichten in Gestalt von Lars Stindl und Leonardo Bittencourt. Die Vertreter Schmiedebach und Sané waren mit der Spielgestaltung für ihre Mannschaft restlos überfordert, so dass von den ersten Minuten an ein 96er Team zu sehen war, das von den Borussen überspielt und nach hinten gedrängt wurde, während die beiden Spitzen dem Treiben isoliert von vorne zusahen.

Vielleicht rächte sich dort auch Tayfun Korkuts Entscheidung, so wie sonst auch mit zwei echten Stürmern zu spielen, was ja dem Trend in der Bundesliga eher zuwider läuft. Ohne die leiseste Unterstützung nahmen Briand und Joselu praktisch nicht am Spiel teil, während Borussia Mönchengladbach dazu überging, die übliche starke Anfangsphase ins weitere Spiel auszubauen. Und wie sie das taten, war optisch durchaus gefällig. Die Harmlosigkeit der Gäste lud sie dazu ein, ihre kreativen Möglichkeiten auszuprobieren und mit Flanken, Lupfern über die Abwehr, abgelegten Bällen und Distanzschüssen Ron-Robert Zieler in Arbeit zu bringen.

Die Hannoveraner hatten dem variablen Spiel der Borussenoffensive, verstärkt durch Kramer, Xhaka und Wendt, wenig entgegenzusetzen und nach einer halben Stunde hatten die Beobachter bereits den Eindruck, dass ein Endstand von 4:0 die Überlegenheit angemessen ausdrücken würde. Aber dass am Ende "nur" ein 2:0 herauskam, war auch kein Zufall, denn das Spiel bestätigte auch einige Eindrücke aus vorhergehenden Partien. So treibt Max Kruse, der am ehesten einen regelrechten Stürmer verkörpert, einen großen Aufwand, bereitete auch das 1:0 mit vor und gab die Vorlage zum zweiten Tor, kommt aber zu selten zum Abschluss. Raffael wiederum, der einige Schüsse ausprobiert, ist meistens zu unpräzise. Der  zweifache Torschütze Patrick Herrmann seinerseits drückte in beiden Fällen den Ball nur über die Linie, was jeweils für das Herausspielen der Chance spricht, aber ebenfalls keinen herausragenden Abschluss benötigt.

Da muss weiter angesetzt werden, wenn die Saison auf einem Platz enden soll, der zur Teilnahme am Großen Europäischen Geldausschüttungspokal berechtigt. Verdient hätte ihn eine Mannschaft, die neben den Bayern und den zum Anschlag aufgepumpten Wolfsburgern den schönsten Ball der Liga spielen kann. Gegen Hannover fiel zum einen die Flügelzange Hazard - Herrmann positiv auf, die mit kreativem und schnellem Spiel die Verteidiger der Gäste überlastete. Zum anderen bot Granit Xhaka die fast schon gewohnt starke Leistung. Viele gewonnene Zweikämpfe und gespielte Pässe von ihm bildeten das Triebrad im Gladbacher Spiel, dazu einige Male mit spielerischem Glanz veredelt, wie bei schnell in die Mitte gespielten Vorlagen oder bei einem 40-Meter-Seitenwechsel, der die gegnerische Abwehr aushebelte und die Zuschauer zu andächtigen Arangovergleichen animierte.

Von der Chancenauswertung abgesehen, gab es  noch eine kurze Phase der Nächlässigkeit zu Beginn der zweiten Halbzeit zu bemängeln. So etwas ist über 90 Minuten vielleicht schwer völlig zu vermeiden; trotzdem müssen sich gerade die Borussen sagen, dass sie so ein Nachlassen aus der Überlegenheit heraus in dieser Saison ärgerlich viele Punkte gekostet hat. Dieses Mal nicht, dazu war Hannover einfach zu schwach, was sicher auch an den oben erwähnten Ausfällen gelegen hat.

Der begehrteste Spieler der 96er ist dabei zur Zeit Lars Stindl, der ein konkretes Angebot der Borussen vorliegen haben soll und damit vielleicht in der nächsten Saison Christoph Kramer ersetzt. Dies wäre eine offensive Variante eines neuen 6ers, die den Borussen einen dank der Klausel von 3 Millionen preiswerten Ersatz bringen würden und es dem Neuzugang ermöglichen würde, beim nächsten Aufeinandertreffen im Borussiapark einmal nicht zu verlieren.

Borussia Mönchengladbach kann dieses Spiel direkt nach dem Abfiff abhaken und sich auf das nächste konzentrieren. Es spricht einiges dafür, dass die Partie kommenden Sonntag bei Bayern München etwas fordernder wird als das lockere 2:0 gegen Hannover 96.


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