Vor der Partie sprach vieles für einen Gladbach-Sieg, nicht nur weil die Seitenwahl-Redaktion einen solchen in ihren gewohnt überoptimistischen Tipps ausgeschlossen hatte. Die Erfolgsserie aus der Bundesliga mit dem Höhepunkt des Bayern-Siegs aus der Vorwoche sowie einen über 60 Minuten höchst beachtlichen Auftritt in Manchester im Rücken ging es zu einer verunsicherten Mannschaft, der unter der Woche das Kunststück gelungen war, sich mit einem 1:1 gegen den FC Barcelona zu blamieren. An diesem Samstag war es leider an Borussia, ein vom Ergebnis her blamables 0:5 zu kassieren, auch wenn die Niederlage am Ende um 1-2 Tore zu hoch ausfiel.

In Halbzeit 1 hatte die Fohlenelf nämlich noch passabel mitgehalten gegen eine von Beginn an aggressive und laufstarke Bayer-Elf. Die 1:0-Führung fiel, da Hilbert auf Gladbachs linker Abwehrseite zu viel Raum zum Flanken geboten wurde und Kießling in der Mitte abgezockter war als Jantschke. Der Rückkehrer musste in der Halbzeit gemeinsam mit dem ebenso schwachen Traoré in der Kabine bleiben. Schubert wollte mit Macht etwas bewegen und brachte neben dem zunächst geschonten Raffael noch den jungen Elvedi für die Dreierkette. Diese Maßnahme sollte leider nicht aufgehen, denn der Schweizer zeigte sich gegen die starke Bayer-Offensive genauso überfordert wie schon in der letzten halben Stunde von Manchester.

An ihm alleine lag es aber sicherlich nicht, dass Borussia zwischen Minute 63 und 76 gleich 4 Gegentore schluckte. Wie schon in der Champions League brach die Mannschaft gegen einen furiosen Gegner komplett ein. Ein Zeichen dafür, dass die kräftezehrende Hinrunde dann doch irgendwann ihren Tribut fordert. Auch Leverkusen hatte zwar unter der Woche eine Partie zu bestreiten, schien aber umso motivierter, es ihren Kritikern zu zeigen. Wenn dann die ersten Tore fallen, lässt sich die Müdigkeit euphorisiert ausblenden. Andersherum fällt dies nach solchen Gegentoren schwerer.

Lucien Favre hat in der Vorsaison in der ersten Saisonhälfte nicht ohne Grund nach fast jeder Partie auf mehreren Positionen rotiert, so wie es im Übrigen fast alle Top-Trainer von international agierenden Mannschaften regelmäßig machen. Auf Dauer führte der - durch die zahlreichen Verletzungen leider alternativlose - Verzicht  auf Rotation in dieser Hinrunde zu einem Substanzverlust, der an schlechten Tagen gegen starke Gegner solche Ergebnisse möglich macht.

Insbesondere bei Mo Dahoud wird zunehmend deutlich, dass er am Ende seiner Kräfte ist, was bei einem 19jährigen nach einer solch tollen Vorrunde nachvollziehbar erscheint. Neben ihm blieben an diesem Abend aber auch alle übrigen Feldspieler weit unter üblichem Niveau. Drmic wirkte in der Offensive wie ein Fremdkörper, war damit aber um keinen Deut schlechter als seine Nebenleute wie Traoré, Stindl oder der nach der Pause wirkungslose Raffael. Der verletzt ausgefallene Fabian Johnson fehlte der Mannschaft sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive, wo Oscar Wendt ohne ihn und seine Rückwärtsbewegung regelmäßig in arge Bedrängnis gerät.

Bis zur Winterpause sind es jetzt noch zwei Partien, die von der Papierform her leicht erscheinen, in der aktuellen körperlichen Verfassung aber alles andere als einfach werden. André Schubert hat nach diesen zwei bitteren Erlebnissen der letzten Tage die erste große Aufgabe seiner noch jungen Karriere als Erstliga-Trainer vor der Brust. Er muss seine Mannschaft jetzt schnellstmöglich aufrichten und zunächst einmal erfolgreich durch diese letzte Woche des Jahres führen. Nach dem Pokalspiel gegen Bremen am Dienstag und dem Ligaabschluss gegen Darmstadt am Sonntag  hat die Mannschaft dann 5 Wochen Zeit Kräfte für die Rückrunde zurückzugewinnen, in der deutlich weniger Spiele auf sie zukommen und vielleicht der eine oder andere derzeit verletzte Akteur wieder spielfähig sein wird.

Bayer: Leno - Hilbert (46. Donati), Toprak, Tah, Wendell - Kramer, Kampl (87. Frey) - Bellarabi, Calhanoglu - Kießling, Hernandez (79. Mehmedi)

Borussia: Sommer - Jantschke (46. Elvedi), Christensen, Nordtveit - Korb, Xhaka, Dahoud (81. Schulz), Traoré (46. Raffael), Wendt - Stindl, Drmic

Tore: 1:0 (30.) Kießling, 2:0 (63.) Hernandez, 3:0 (65.) Kießling, 4:0, 5:0 (75., 76.) Hernandez

Gelbe Karten: - Jantschke, Korb

  • 21. Mai 2022 @ballreiter Timothée Kolodziejczak gefällt das!
  • 21. Mai 2022 @ballreiter Unterdessen weint Gernot Rohr.
  • 21. Mai 2022 Erstmals seit dem First Vienna FC im Oktober 1943 gewinnt mit RB Leipzig wieder ein Klub aus Österreich den deutschen Fussballpokal. #SCFRBL
  • 21. Mai 2022 @sternburgexport Silva, Laimer, Gvardiol hab ich nie gewoll' 🎶
  • 21. Mai 2022 Im Pokalfinale vor 30 Jahren war die reguläre Spielzeit schon vorüber und die Verlängerung brach an. #Servicetweet
  • 21. Mai 2022 @schomberg Ja. Wir haben über alle Jahre häufiger in Mensen orientierungslos über Stühlen gehangen als Dosen taurin…
  • 21. Mai 2022 @sternburgexport Welchen Schalker Stürmer mochtest du lieber, den Stefahschappüsatt oder Schappapapä?

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