Borussia beendet das Jahr 2015 mit einem Erfolgserlebnis. Bundesliga-Aufsteiger Darmstadt 98 wurde im Borussia-Park niedergerungen. In einem offenen, kampfbetonten und fehlerreichen Spiel hatte die Mannschaft von André Schubert das bessere Ende für sich und gewann 3:2. Das muss dem Trainer gefallen, hatte er doch vor dem Spiel noch explizit gesagt, sein Team und er würden lieber 3:2 gewinnen als 1:0. Tatsächlich bot die Partie gegen Darmstadt dem neutralen Beobachter ein buntes Spektakel mit Toren, Torszenen, großem Einsatz und hartem Kampf. Wem Borussia unter Lucien Favre zu ergebnisorientiert, zu abwartend, zu vernünftig war, der dürfte seinen Spaß an diesem letzten Bundesligaspiel des Jahres gehabt haben. Wem allerdings an Cleverness und Abgeklärtheit liegt, wer lieber 1:0 führt und wer die Sicherheit schätzt, dass hinten schon nichts anbrennen wird, für den war die Partie eher nichts.

Von Beginn an war Darmstadt ein sehr aktiver Gegner, technisch offensichtlich limitiert aber mit großem Kampfgeist ausgestattet und mit viel Mut, auch nach vorne etwas zu versuchen. Das befürchtete Hintenreinstellen der Südhessen gab es nicht zu sehen. Die Mannschaft initiierte viel und kam immer wieder zu gefährlichen Szenen. Bei den beiden Toren profitierte Darmstadt allerdings von eklatanten Schwächen der selten sattelfest wirkenden Borussenabwehr. Beim 0:1 schaffte der durchweg unsichere Nico Elvedi es nicht, eine Kopfballverlängerung nach einem langen Einwurf zu unterbinden. Der Ball kam zum sträflich freistehenden Heller, der herbeigeeilte Julian Korb kam zu spät um dessen Schuss aus kurzer Distanz noch zu stören. Beim 2:2 bekamen die Borussen - erneut in Person von Elvedi - den Ball nicht vom eigenen Strafraum weg. Heller konnte von links völlig unbehelligt flanken, Sandro Wagner ebenso ungestört aus kurzer Distanz einköpfen. Stabil wurde die Borussenabwehr erst, als Schubert erstmals Roel Brouwers einwechselte. Endlich hatte Darmstadt nicht mehr die uneingeschränkte Lufthoheit. Rosenthal kam allerdings noch einmal frei zum Kopfball, weil sich kein Borusse für ihn zuständig sah - ansonsten aber wuchtete Brouwers allerhand Bälle aus der Gefahrenzone, brachte eine Präsenz mit, die Elvedi vorher vollständig abgegangen war. 

Offensiv brachte Borussia erst wirklich etwas zustande, als die Mannschaft ihren Modus gefunden hatte, mit dem sie gegen Darmstadt bestehen konnte. Das geschah genau nach dem Platzverweis für Granit Xhaka. Bis dahin schien die Mannschaft mit dem Selbstverständnis, schlicht besser zu sein, das Spiel gestalten zu wollen - und tat sich gegen die grelligen und wache Darmstädter enorm schwer. Nach der berechtigten roten Karte für den Kapitän, der sich von Niemeyer provozieren und zu einem Revanchetritt hinreißen ließ, nahmen die zehn verbliebenen Borussen den Kampf an. Die Partie war fortan intensiv, spannend, aber nicht hochklassig. 

Erfreulich war, wie Thorgan Hazard die Rolle Xhakas in der Zentrale zeitweise einnahm und reihenweise Bälle eroberte. Auch Raffael und Lars Stindl überzeugten durch unbändigen Willen, wenngleich das Zusammenspiel der beiden schon besser funktionierte. Borussia litt überdies unter den teilweise erratischen Entscheidungen des vollumfänglich überforderten Jungschiedsrichters Brand. Glasklare Fouls, teilweise taktischer Natur, ignorierte der 26jährige, selbst wenn sie sich vor seinen Augen abspielten. Kleinere Nickeligkeiten dagegen pfiff er ab. 

Dennoch war es beeindruckend, wie Borussia sich in das Spiel zurückbiss, kurz vor der Pause den immens wichtigen Ausgleich durch einen überlegten Linksschuss durch Stindl erzielte und wie die Mannschaft später durch einen guten Freistoß von Nordtveit, der aber auch Glück hatte, dass zwei Darmstädter just in der Flugbahn des Balles ein Loch in der Mauer produzierten, in Führung ging. Negativ beeindruckend dagegen war, wie schwer die Gladbacher Mannschaft sich tut, wenn es darum geht, das Spiel einmal zu beruhigen, den Ball laufen zu lassen, Souveränität auszustrahlen. Der Ausgleich war folgerichtig, danach sah es eher nach einem Darmstädter denn nach einem Gladbacher Sieg aus. Den letzten Endes entscheidenden Schachzug machte André Schubert mit der Einwechslung von Brouwers, und zwar nicht zuallererst, weil der Niederländer wie schon erwähnt, hinten wichtig werden sollte, sondern weil Nico Elvedi nach links und Oscar Wendt dafür nach vorne beordert wurde. Der Schwede konnte seinen ohnehin schwer zu bändigenden Offensivdrang ausleben und erzielte nach einer beeindruckenden Kombination mit Lars Stindl den Siegtreffer kurz vor Schluss. 

So geht das Jahr versöhnlich zu Ende, wenngleich das Ausscheiden aus zwei Wettbewerben innerhalb von acht Tagen noch schmerzt. Die Spektakel-Freunde bekamen ihr vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Daran, dass Borussia mit dieser Spielweise allerdings in der Rückrunde ähnlich gut abschneidet, wie unter dem Strich in der Hinrunde - Platz vier ist ein mehr als achtbares Ergebnis - darf aber gezweifelt werden. Die defensive Stabilität war der Grundstein allen Erfolgs unter Lucien Favre. Von dieser Stabilität ist im Moment nichts zu sehen. Borussia ist hinten so verwundbar, wie zuletzt in der Ära Frontzeck. 15 Gegentore in vier Spielen sind viel zu viel. Daran gilt es in der Winterpause zu arbeiten. Und André Schubert sollte sich überlegen, ob er das mit den 3:2-Siegen wirklich ernst gemeint hat. 

Borussia: Sommer - Korb, Christensen, Elvedi, Wendt - Nordveit, Xhaka - Hazard (72. Brouwers), Johnson - Stindl (88. Dahoud), Raffael (89. Drmic)

Darmstadt: Mathenia - Garics, Sulu, Caldirola, Holland - Niemeyer (55. Vrancic) - Heller, Rosenthal (87. Stroh-Engel), Gondorf, Kempe (76. Rausch) - Wagner 

Schiedsrichter: Brand 

Tore: 0:1 Heller (28.), 1:1 Stindl (44.), 2:1 Nordtveit (51.), 2:2 Wagner (67.). 3:2 Wendt (86.)
 
Gelbe Karten: Stindl (4) / Caldirola,Heller, Niemeyer, Holland
Rote Karte: Xhaka (39.)
 
Zuschauer: 53.610

 


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