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Es war ein fast schon rauschhaftes Erlebnis, dieses Europapokal-Playoff-Spiel am Donnerstag Abend. Sieben Tore für Borussia, das hat es in einem Pflichtspiel im Borussia-Park bisher noch nicht gegeben. Und selbst wenn Lucien Favre nach dem Spiel behauptete, er sei „schwer“ gewesen – jeder, der den Sieg über FK Sarajevo gesehen hat, weiß: das war es nicht. Deswegen sollte allerdings auch jedem klar sein: für das nächste Bundesligaspiel am Sonntag beim SC Freiburg bedeutet der 7:0-Sieg fast nichts. Der Gegner ist ein völlig anderes Kaliber.

Gegen Sarajevo konnte vom Torwart bis zum Stürmer jeder Spieler glänzen. 20 Minuten hielt Sarajevo noch dagegen, kam auch zu einer Großchance, aber Borussia spielte überlegt und geduldig und wartete auf seine Chance – die allererste nutzte André Hahn und danach war das Spiel ein Selbstläufer. Die Bosnier wehrten sich nicht allzu heftig und so konnte Borussia nach Belieben schalten und walten. Die Eindrücke aus diesem Spiel sind somit nur bedingt tauglich, um Rückschlüsse auf den weiteren Saisonverlauf zu ziehen. Die Spieler sollten und werden sich hüten, sich nach dem Einzug in die Gruppenphase der Euro-League unbesiegbar zu fühlen. Einen ähnlich schwachen Gegner wie Sarajevo an diesem Donnerstag Abend dürfte es in dieser Spielzeit nicht mehr geben.

In Freiburg hat Borussia seit Dezember 2007 nicht mehr gewonnen, seinerzeit gab es ein 3:1 mit Toren von Neuville und Sascha Rösler. Dass letzterer in der Torschützenliste auftaucht sagt schon: dieser Sieg wurde in Liga zwei erzielt. Den einzigen Bundesligasieg an der Dreisam holte Borussia schon im Jahr 2002 –Arie van Lent erzielte per Kopf das einzige Tor.

Was also spricht dafür, dass Borussia die schwarze Serie beendet? Auf dem Papier ist die Mannschaft fraglos stärker als der SC, zumal sich Gladbach in der Sommerpause verstärkt hat, Freiburg dagegen erneut einen starken Aderlass zu beklagen hatte. Allerdings war das in der vergangenen Saison nicht anders und trotzdem gab es eine bittere Pleite. Wir erinnern uns: Borussia war zur Halbzeit auf einem guten Weg, führte 1:0, dann drehte Freiburg das Spiel, ein Doppelschlag zum 2:1 und 3:1 innerhalb von zwei Minuten brach den Gladbachern das Genick. Am Ende hieß es 4:2 für die Badener.

Mit welchem Team Lucien Favre den nächsten Versuch, in Freiburg zu gewinnen angehen wird, ist nicht einfach zu prognostizieren. In der Defensive scheint die Stammformation gefunden zu sein. Die Viererkette vom Donnerstag dürfte auch die vom Sonntag sein, allenfalls auf der Linksverteidigerposition könnte es einen Wechsel geben, denn Oscar Wendt und Alvaro Dominguez scheinen sich bei Lucien Favre ungefähr der gleichen Wertschätzung zu erfreuen.

Im defensiven Mittelfeld spräche alles für das gegen Sarajevo bärenstarke Duo Xhaka/Kramer. Allerdings sieht Favre den Spieler, den alle nur noch Weltmeister nennen, noch nicht bei 100%. Nicht ausgeschlossen, dass Kramer wie schon gegen Stuttgart erst wieder von der Bank kommt, wenn der Trainer meint, neue Impulse setzen zu müssen. Das wäre die Chance des am Donnerstag noch leicht angeschlagenen Havard Nordtveit, den mäßígen Eindruck des ersten Bundesligaspiels zu korrigieren. Mo Dahoud spielte gegen Sarajevo zwar ansehnlich, kam aber erst in die Partie, als diese bereits entschieden war. Ein Startelfkandidat ist der junge Syrer derzeit sicher noch nicht.

Schwieriger ist die Prognose, mit welchem Offensivpersonal Borussia in Freiburg starten wird. Gegen Sarajevo fand sich just der stärkste Spieler des Bundesliga-Auftakts, Ibrahima Traoré, auf der Bank wieder. André Hahn, den viele nach einer weniger gelungenen Vorstellung als Kandidaten für einen Wechsel auf dem Zettel hatten, durfte abermals beginnen und bedankte sich mit seinem „Dosenöffner“-Tor, wenngleich seine Defizite in Sachen Technik und Spielverständnis auch am Donnerstag bisweilen sichtbar wurden. Fabian Johnson machte ein solides Spiel gegen Sarajevo, Patrick Herrmann war nach seiner Einwechslung ein belebendes Element. Auch Thorgan Hazard präsentierte sich in ansprechender Verfassung, nicht nur wegen seiner beiden Standard-Tore. Über Branimir Hrgota muss man angesichts seiner bisherigen Trefferquote nicht diskutieren, zumal er gegen Sarajevo endlich auch gute Ansätze im spielerischen Bereich hatte. So hat Lucien Favre im offensiven Mittelfeld und im Sturm die freie Auswahl. Klar dürfte sein, dass Max Kruse noch keine Rolle in den Überlegungen des Trainers spielt, auch wenn der Rekonvaleszent verlauten ließ, auf einen Kaderplatz am Sonntag zu hoffen.

Beim SC Freiburg gilt es in dieser Spielzeit abermals, namhafte Abgänge zu ersetzen. Ganz so groß wie im Vorjahr nach dem überraschenden Erreichen der Euro-League war der Aderlass diesmal nicht. Mit Oliver Baumann und Matthias Ginter konnte der Verein aber abermals zwei Leistungsträger nicht halten. Wie schon bei Max Kruse hatte auch Borussia wieder ihre Finger im Geschäft. Baumann stand zumindest auf dem Zettel der potenziellen ter-Stegen-Nachfolger. Um Matthias Ginter bemühte sich Max Eberl dem Vernehmen nach sehr intensiv und war auch so optimistisch, dass er in der sonntäglichen Schwatzrunde des Fernsehsenders Sport1 kaum verbrämt vom möglichen Transfer des Abwehrspielers erzählte. Dass der am Ende den Wechsel zu Borussia Dortmund bevorzugte, sagt ähnlich viel über die Kraftverhältnisse im Deutschen Fußball, wie die Tatsache, dass Freiburg von seiner hervorragenden Jugendarbeit immer nur eine sehr begrenzte Zeit profitiert. Dass es sich in absehbarer Zukunft für die „kleineren“ Vereine womöglich kaum noch lohnt, in die Ausbildung zu investieren, erlebt Borussia in der Causa Kurt derzeit am eigenen Leib.

Der SC Freiburg hat Ginter durch einen andern hoffnungsvollen jungen Abwehrmann ersetzt. Marc-Oliver Kempf sah in Frankfurt keine große Chance auf Weiterentwicklung, in Freiburg avancierte er – zumindest für den Moment –sofort zum Stammspieler. Im Tor holte der SC gleich zwei Torhüter mit dem Anspruch, die Nummer Eins zu sein. Fürs erste hat der Schweizer Roman Bürki dabei die Nase vor dem von Werder Bremen gekommenen Sebastian Mielitz.

Weitere Verstärkung erhofft sich Freiburg von Mike Frantz, der vom Absteiger Nürnberg kam. In absehbarer Zeit sollen auch der in letzter Minute aus Kaiserslautern gekommene spanische Innenverteidiger Marc Torrejon und der aus England heimgekehrte Sascha Riether die Qualität des Teams erhöhen, gegen Gladbach dürften beide allerdings noch keine Rolle spielen. Torrejon ist gerade erst in Freiburg gelandet, Riether ist noch angeschlagen und bestenfalls ein Kandidat für die Bank.

Der teuerste Neueinkauf der Freiburger ist gar kein richtiger. Amir Mehmedi wurde nach einer erfolgreichen Saison als Leihspieler nunmehr fest verpflichtet. Für den schweizer Nationalspieler und WM-Teilnehmer überwies der SCF dem Vernehmen nach rund vier Millionen Euro an Dynamo Kiew. Beim schon erwähnten 4:2-Sieg in der vergangenen Saison konnte Mehmedi Marc-André ter Stegen gleich  zweimal überwinden, Borussia ist ,was die Qualität des Angreifers angeht, also gewarnt.

Aufstellungen

Freiburg: Bürki – Sorg, Krmas, Kempf, Günter – Schuster, Darida – Schmidt, Frantz – Freis, Mehmedi

Borussia: Sommer – Korb, Stranzl, Jantschke, Dominguez – Xhaka, Kramer – Traoré, Hahn – Raffael, Hrgota

Schiedsrichter: Gagelmann

Seitenwahl-Prognose

Christoph Clausen: Ein 7:0 wird es so schnell nicht mehr geben. Aber mit dem 2:1-Sieg im Breisgau kann die Borussia auch sehr gut leben.

Thomas Häcki: Auf der einen Seite hängen die Trauben in Freiburg sicherlich höher, als gegen Sarajevo. Auf der anderen Seite spielt Hrgota ja wieder auswärts (zumindest in der Bundesliga traf er bislang nur auf des Gegners Platz). Folglich endet der Auftritt in Freiburg mit 3:2 für die Borussia. Torschützen Hahn und Hrgota natürlich.

Michael Heinen:  Mit frischem Selbstbewußtsein fährt Borussia an die Dreisam. Dort wird man aber schnell merken, dass der Bundesliga-Alltag nicht viel mit Europa-Festabenden gemein hat. Am Ende reicht es immerhin zu einem 1:1.

Christian Spoo: Selbstbewusst aber nicht überheblich sollte Borussia in Freiburg antreten. Wenn das gelingt, klappt es auch mit dem Auswärtssieg. Ein 2:1-Erfolg ist möglich.


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