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Übers Ganze gesehen verlief der Start in die Pflichtspielsaison von Borussia Mönchengladbach bisher nicht übel. Drei Siege aus fünf Spielen und keine Niederlage, Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League. Allerdings auch kein Sieg in der Bundesliga, wodurch auch ein 7:0 gegen FK Sarajewo ein wenig an Bedeutung verliert. Die Länderspielpause war für die Borussen daher nicht das schlechteste, um ein paar Feinjustierungen vorzunehmen und um mit Max Kruse gegen Schalke 04 die Liga nun richtig beginnen zu lassen.

Ein guter Zeitpunkt, um die ersten Veränderungen in der Mannschaft nach der Sommerpause zu erfassen. Wie erahnt, oder befürchtet, ist Borussias Spiel ohne Arango nicht mehr das gleiche. Dabei hat dieser Satz gar nicht mal den schicksalhaften Unterton, den man nach fünf Jahren voller Zuckerpässe und Freistoßtore annehmen könnte. Auch beim venezolanischen Fußballdios kamen die letzten Rückrunden nicht an die herausragenden HInrunden heran, mehrten sich die in kontemplativer Beschaulichkeit geführten Partien. Der Wechsel vom stoischen Passgeber Arango zum wieselnden Passempfänger Traoré ist trotzdem ein beachtlicher Gegensatz und hat seine Auswirkungen.

Nicht, dass das Borussenspiel deswegen automatisch schlechter wird. Dem üblichen Ausfall in Freiburg ging eine Partie gegen Stuttgart voraus, das nach fußballerischer Qualität und Chancen absolut einen Sieg wert gewesen wäre. Dem lebhaften "drei Chancen, drei Tore" Spiel in Sarajevo folgte eine klare 7:0 Ansage im Rückspiel, begünstigt durch den unübertroffenen Optimismus der Bosnier, die offenbar darauf hofften, dass die Gladbacher, wenn man ihnen möglichst viel Raum lässt, sich vielleicht einfach verlaufen.

Auch der Umstand, mit Hrgota einen reinen Vollstrecker statt dem mitspielenden Kruse im Team zu haben, gab dem Gladbacher Spiel eine völlig neue Note. Wenn ein echter Torjäger, wie so oft dahergephrast, sich dadurch auszeichnet, dass er im Spiel gelegentlich abtaucht, um dann eiskalt zuzuschlagen, dann ist der Schwede im Zuschlagen beachtlich und im Abtauchen  schon Weltklasse. Favre weiß nur zu gut, warum er immer wieder betont, dass Hrgota noch viel zu lernen hat. Und trotz seiner sieben Tore wird er den jungen Stürmer voraussichtlich erst mal wieder auf der Ersatzbank lernen lassen.

Auch bei Neuzugang Andre Hahn fällt der erste Eindruck "positiv gemischt" aus. Schön, dass der Außenspieler seine Torgefahr weiter unter Beweis stellt, auch gerne zum 1:0. Ebenso, dass seine Zweikampfstärke, seine selbstbewusste Unerschrockenheit auf dem Platz und seine Konterstärke keine Augsburger Eintagsfliegen waren. Aber es fällt auch auf, dass das Spiel im Ballbesitz gegen zurückgezogene Gegner ihm nicht liegt. Hahn braucht lange Pässe, freie Räume und mindestens 16 Meter Entfernung zum Tor, das Favresche Kurzpassspiel muss er erst noch verinnerlichen. Bis dahin wird er wohl mit Patrick Herrmann eine Art Jobsharing auf Rechtsaußen betreiben. Fehlen wird gegen Schalke Julian Korb, womit vermutlich Fabian Johnson die Möglichkeit bekommt, unter seinen vielen Rollen die des Rechtsverteidigers zu geben.

Einen Neustart will auch Schalke 04 ausrufen. Von den ersten Saisonspielen wird gerade mal das Heimunentschieden gegen Bayern trotzig als Erfolg gewertet. Zu wenig für die Königsblauen, die seit Jahren durch hohe  Schulden hohen Druck aufbauen und bei denen schnell aus hohen Erwartungen tiefe Enttäuschung wird. Ein ordentliches Maß Dramaqueen spielt bei allem mit und damit ist nicht nur Kevin-Prince Boateng gemeint.

Der ghanaische Nationalspieler kann durchaus als Symbolfigur des Vereins betrachtet werden. Mit seiner extrovertierten Art, seinen hohen und teilweise überzogenen Ansprüchen an sich selbst und den dafür nicht ganz angemessenen Leistungen auf dem Feld aber wohl nicht so, wie ursprünglich erhofft. Zum Glück für die Knappen liefert die Jugendarbeit des Vereins in beneidenswerter Qualität und Konstanz Talente, die auch selbsternannte Leader durchziehen können. Man kann die Schalker Jugendabteilung sogar als derzeit führend in der  Bundesliga betrachten, gerade in Zeiten, in denen die Bayern sich wieder auf Zukauf spezialisieren.

Außer Fährmann sind es bekanntlich besonders Draxler und Meyer, auf denen Gelsenkirchener Hoffnungen für die Zukunft ruhen und die eine sehr beachtliche Offensive um Huntelaar, Sam, Choupo-Moting, Obasi und den verletzten Farfan verstärken. Eine ähnlich starke Abwehr würde Schalke sicher in den Rang einer Mannschaft erheben, die das Recht hätte, Bayern mit dem Fernrohr zu bewundern. Da dem aber nicht so ist, obwohl oder weil Roman Neustädter in seinen beiden Schalker Jahren jeweils über 30 Spiele absolviert hat, bleiben die Gelsenkirchner für viele Mannschaften ein Gegner in Schlagdistanz. Daher wird auch Jens Kellers Trainerstuhl bei den Dramaqueens immer wackeln, solange er nicht die Meisterschaft holt, die Champions League gewinnt oder Dortmund zwei mal schlägt.

Bei dem Versuch, der richtigen Borussia etwas abzutrotzen, fehlt am Samstag Matip. Dafür wird der schussstarke Freistoßexperte Ayhan seinen Platz in der Abwehr sicher haben.
So könnten die Mannschaften auflaufen:

Borussia:

Sommer - Johnson, Jantschke, Stranzl, Dominguez; Hahn, Xhaka, Kramer, Traoré; Raffael, Kruse

Schalke:

Fährmann - Uchida, Höwedes, Ayhan, Aogo; Neustädter, Boateng; Sam, Meyer, Draxler; Huntelaar

SEITENWAHL-Tipps

Michael Heinen: 5 Siege aus den letzten 6 Heimspielen sprechen eine deutliche Sprache. Wenn Stuttgart ein "Angstgegner" gewesen ist, dann kommt jetzt einer der "Lieblingsgegner" in den Park. Es wird zwar eine schwere Geburt, aber am Ende reicht es zu einem etwas glücklichen 2:1-Sieg

Christian Spoo: Wo steht Borussia? Die Siege gegen drittklassige Gegner geben darüber wenig Aufschluss. Wie die Unentschieden gegen Stuttgart und Freiburg zu bewerten sind, ist zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison nur bedingt klar. Nach der 1:3-Heimniederlage gegen Schalke wird vielen klarer sein, wohin Borussia sich in dieser Spielzeit wird orientieren können

Christoph Clausen: Ein "dreckiges" 1:0 nach einer Partie voller Gestocher? Soll uns aktuell recht sein.

Christian Heimanns: Nach dem Spiel gibt es entweder eine oder zwei mager gestartete Teams. Nach dem 2:1 Sieg der Borussen können uns solche Abwägungen glücklicherweise egal bleiben.


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