Platz drei in der Bundesliga, als Gruppenerster der Europa League weitergekommen, im DFB Pokal noch vertreten - bei Borussia Mönchengladbach herrscht berechtigte Zufriedenheit. Alle Neuzugänge der Saison sind gut eingeschlagen und lassen die Post-Arango Periode genauso schön aussehen wie mit den besten Zeiten des Venezolaners. Auf den ersten Blick.

Gutes Team. Wie gut genau?

Eine sehr gute Hinrunde sei das, ist aus dem Verein zu vernehmen. Etwas stärker bekräftigt, als angesichts der Resultate notwendig wäre. Tatsächlich wird hier der guten Laune etwas nachgeholfen, denn wenn man genauer hinsieht, ist der dritte Platz doch etwas wackelig. Das liegt nicht nur daran, dass der Tabellendritte dieser absurden Bundesliga mehr Abstand auf den Ersten hat als auf den Achtzehnten. Es kommt auch vom Geschehen auf dem Platz.

Und das nach einem 4:1 gegen Bremen. Und trotzdem  begann auch dieses Spiel wieder mit Unkonzentriertheiten und im Anschein, als wäre das ganze Team am gleichen Tag noch zulange auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Ein ähnliches Gefühl wie bei der unerklärlichen Niederlage gegen Frankfurt. Als ob es den Borussen leichter fiele, Mannschaften wie Leverkusen ernstzunehmen, wo sie ein ausgezeichnetes Spiel ablieferte, als Bremen, wo im Schongang gewonnen wurde. Schön, dass das Team offenbar stark genug ist für solche Unternehmungen, aber wenn am Ende der Saison tatsächlich ein Champions League Platz her soll, muss die Konzentration in der Mannschaft anders aussehen.

Auch an der Offensive möchte man gerne ein paar Stellschrauben verdrehen. Nach wie vor scheint die Wahl darin zu bestehen, entweder mit Hrgota einen echten Stürmer aufzubieten, der zum Aufbau wenig beiträgt oder mit Kruse einen Zehner... falsche Neun... eine 9 3/4, die mit Pässen und Soli im Mittelfeld Raffael die Schau stiehlt, aber die Präsenz im Strafraum vermissen lässt. Positiv darf man vermerken, dass mit Hahn und Herrmann zwei Außenspieler zur Verfügung stehen, die zusammen fast jede Defensive mit ihrer Schnelligkeit überfordern. Auch Vertreter Traoré hat in seinen letzten Auftritten die Verspieltheit größtenteils abgelegt und für anständigen Vortrieb gesorgt.

Dennoch ist das schwungvolle Spiel, mit dem die Borussen bis den zweiten Tabellenplatz kamen, zur Zeit dahin, im Herbst weggeblättert wie die Konzentration auf vermeintlich leichte Gegner. Vielleicht fällt alles einfacher, wenn Stranzl wieder zur Verfügung steht und Mit- wie Gegenspielern ihren Platz im Leben zuweist. Bis dahin sind die Borussen noch auf der Suche nach ihrem weiteren Weg.

Der Gegner aus der Puppenkiste

Denn wie schnell so ein dritter Platz perdü geht, weiß man auch beim Gegner von Samstag. Wobei es selten eine Mannschaft gibt, der die oberen Tabellenränge so herzlich egal sind wie die Augsburger. Noch vor zwei Jahren zu diesem Zeitpunkt praktisch als Absteiger gebucht, haben sich die bayrischen Schwaben vorläufig in der Liga etabliert und entnerven mit ihrer reinen Präsenz in der oberen Tabellenhälfte die geballte Bundesligatradition im Abstiegskampf.

Und beim FCA haben sie vollkommen recht damit, den Augenblick zu genießen in dem Wissen, dass da noch einige angenehme kommen. Als Gegenentwurf zu Sponsorspaßtruppen und Metropolenpanikorchestern holen sie aus relativ geringem Personalaufwand das Maximum heraus. Mit ihrem betont kämpferischen Auftreten holen sie vielen Teams die Butter vom Brot, die ihnen eigentlich Fußball-Lektionen erteilen könnten. Da kommt eine so dichte, ungewisse Saison mit soviel Inkonstanz ab Platz 3 bis 18 genau richtig, um das Establishment mal durchzurütteln. Auch wenn man nicht alles vergleichen kann, halten die Augsburger zur Zeit die Nische besetzt, die vorher Mainz innehatte, "der frische Verein aus der kleinen Stadt, der die Großen mit Kampfgeist und Tempo das Fürchten lehrt". So in etwa.

Dabei haben sie den Abgang eines ihrer Stärksten sehr gut verarbeitet. Andre Hahn, der am Samstag mit den Borussen bei seinem vormaligen Verein zu Besuch ist, war mit seiner Wucht das personifizierte Augsburger Spiel und dieser Einfluss kommt auch den Gladbachern jetzt sehr gelegen. Ihn ersetzt jemand, dem man das am Niederrhein kaum noch in der Bundesliga zugetraut hätte. Ex-Borusse Raul Bobadilla, in Gladbach und Basel an Schwererziehbarkeit gescheitert, kommt unter dem energischen Weinzierl gut zurecht, man möchte sagen "überraschend gut". Nicht dass seine fünf Scorerpunkte ihn an die Seite von di Maria und Messi befördern könnten, aber solange er Disziplin hält, passt der Büffel gut ins Augsburger Team und verbessert es technisch.

Trotz der Verletzung des anderen Kraftpakets Sascha Mölders hat Weinzierl offensiv einige Optionen. So findet Alexander Esswein langsam ins Team und stellt mit seiner Schnelligkeit eine Alternative dar. Halil Altintop ist ohnehin eine der größeren Augsburger Erfolgsgeschichten, veredelt die Offensive mit Technik, Übersicht, geschickten Pässen und gelegentlich eingestreuten Toren. Acuh wenn er mit seinen 32 Jahren nicht mehr die volle Wucht der Angriffe mitreisst. Der Ex-Fürthergreuther Djurdjic hingegen, der für Mölders das Sturmzentrum besetzt, bringt bisher nicht die erhofften Resultate. Nicht ausgeschlossen, dass statt seiner Esswein oder Bobadilla in der Spitze auftauchen.

Da haben die Borussen also wieder einen Gegner, der die volle Konzentration fordert. Vielleicht reicht das ja, um eine Topleistung herauszukitzeln, denn ein Auftritt wie gegen Bremen würde gegen Augsburg verdiente Konsequenzen herbeiführen.

Aufstellungen:

Borussia: Sommer - Korb, Brouwers, Jantschke, Dominguez; Hahn, Kramer, Xhaka, Herrmann; Kruse, Hrgota

Augsburg: Manninger - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Baba; Baier, Feulner; Bobadilla, Altintop, Esswein; Djurdjic

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Kurz vor Weihnachten verschwimmt die Grenze zwischen Tipp und Wunsch. Deshalb: Borussia legt seinen Fans einen 2:0-Auswärtssieg zum Hinrundenabschluss auf den Gabentisch.

Michael Heinen: Ein weiterer Erfolg so kurz vor Weihnachten würde ein überragendes Jahr 2014 abrunden. Leider gelingt dies nur zum Teil. Bei den starken Augsburgern verdient sich Borussia ein 1:1 und damit die 6wöchige Weihnachtspause.

Christian Heimanns: Wenn alles für uns gut läuft und nehmen wir mal an, es käme Samstag nachmittag zu uns der Weihnachtsmann, dann schiesst das 2:1 für uns am Ende Andre Hahn.

Christian Spoo: 28 Punkte zur Winterpause, das ist nicht übel. Dass Borussia durch das 1:1 in Augsburg aus den CL-Rängen fällt, ist verschmerzbar. So wachsen die Erwartungen immerhin nicht in den Himmel.


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