Das Kapitel Favre ist beendet und sollte nunmehr endgültig als abgeschlossen betrachtet werden. Denn wer es in den furiosen letzten Tagen vergessen haben sollte: Borussia befindet sich weiterhin in einer sportlich höchst prekären Situation und steht bereits am Mittwoch vor der nächsten wichtigen Aufgabe. Nach dem katastrophalen Fehlstart wird der Druck immer größer, den Anschluss an die vorderen Plätze nicht frühzeitig zu verpassen. Dies umso mehr, als in den nächsten Tagen zwei Vereine warten, die ebenso wie Borussia schwach gestartet sind.

Vor dem Gastspiel in Stuttgart am kommenden Samstag reist zunächst der FC Augsburg in den Borussia-Park, wo er sich in den letzten Jahren meist sehr gut verkauft hat. Das 1:3 im vergangenen Mai war die erste von saisonübergreifend 6 Bundesliga-Niederlagen in Folge. Vielleicht hilft diese Tatsache, damit sich der bittere Teufelskreis schließt, in dem Borussia gefangen zu sein scheint.

Hoffnung besteht, dass der neue Interimstrainer André Schubert den entscheidenden Impuls liefert, um die Verunsicherung bei den Spielern zu lösen. Zwar schien das Innenverhältnis zwischen Ex-Trainer und Mannschaft zuletzt nicht das Kernproblem dargestellt zu haben. Aber ein neuer Coach bringt immer neue Ideen ein und motiviert die Spieler noch etwas mehr, um ihren Platz im Team zu kämpfen.

Welche Aufstellung der gebürtige Kasseler wählen wird, wollte er sich in der Pressekonferenz nicht entlocken lassen. Definitiv verzichten muss er auf die Langzeitverletzten Stranzl, Dominguez und Johnson sowie auf Tony Jantschke – also auf 4 ganz wesentliche Stützen der Defensive. Patrick Herrmann könnte hingegen wieder einsatzbereit sein. Ob er direkt in die Startelf zurückkehrt oder zunächst auf der Bank Platz nimmt, wird sich erst morgen zeigen. Sollte der Nationalspieler fit sein, spricht aber vieles für einen Einsatz von Beginn an, da er für das zuletzt lahmende Offensivspiel ein wichtiger Impuls sein könnte. Einen solchen wird wohl auch Mo Dahoud an der Seite von Granit Xhaka liefern dürfen. Die beiden haben es gegen Köln ordentlich gemacht und sich damit weitere Bewährungschancen auf der Doppel-6 verdient. Gegen Augsburg werden sie aber vermutlich stärker gefordert sein als gegen die harmlosen Geißböcke.

Da die Defensive schon personell nicht viel Spielraum für Neuerungen hergibt, spricht einiges dafür, dass Schubert überwiegend auf die Elf setzt, die zuletzt gegen Köln – zumindest aus Sicht von Max Eberl – positive Ansätze zeigte.

Die Augsburger sind damit schon einen Schritt weiter, denn ihre positiven Ansätze manifestierten sich vergangenen Sonntag im ersten Sieg dieser Bundesliga-Saison. Mit 2:0 entschied man das Duell mit dem ebenso kriselnden Klub aus Hannover verdientermaßen für sich. Allerdings macht sich in diesen Tagen erstmals die Doppelbelastung bemerkbar, wie Trainer Weinzierl bereits öffentlich beklagt. Nachdem es am Donnerstag eine unglückliche 1:3-Niederlage in Bilbao gab, verletzte sich am Wochenende Timo Werner, der für das Spiel am Mittwoch definitiv ausfällt. Zudem sind mit Esswein und Baier zwei wichtige Stammspieler angeschlagen, die aber trotzdem die Reise nach Mönchengladbach antreten. Über einen Einsatz wird am Spieltag entschieden, wie es in der Vereinsphraserei so schön heißt. Ebenso fraglich sind die zuletzt verletzten Bobadilla und Caiuby. Der argentinische Büffel wurde in den letzten Wochen schmerzlich vermisst, da Aushilfsstürmer Tim Matavz weiter auf seinen Durchbruch wartet und zu viele Chancen benötigt. Allerdings ist auch Bobadilla in seinen bislang drei Ligaspielen ohne Torerfolg, so dass Borussias Defensive Hoffnung auf das erste zu Null dieser Saison haben darf.

Dies könnte auf der Gegenseite Marvin Hitz garantieren, der sich zuletzt beim unglücklichen 1:2 in München sowie gegen Hannover in bestechender Form präsentierte. Vor ihm sticht Paul Verhaegh aus der soliden, aber doch eher durchschnittlichen Defensiv-Riege hervor. 3 Länderspiele für die Niederlande sind in diesen Tagen zwar ein höchst fragwürdiges Qualitätssiegel. Dennoch gehört der Kapitän zu den konstantesten Leistungsträgern und trug sehr wesentlich zu den Erfolgen der letzten Jahre bei. Abzuwarten bleibt, ob Weinzierl auf die zuletzt bewährte Viererkette setzt oder mit Markus Feulner und/oder Jan-Ingwer Callsen-Bracker erfahrene Abwehrspieler ins Team zurückbeordert.

Das Mittelfeld ist grundsätzlich das Kernstück des Augsburger Spiels. Die aktuelle Verletztenmisere trifft aber gerade diesen Mannschaftsteil stark, so dass hier die größten Fragezeichen verbleiben. Sollte einer der angeschlagenen Spieler ausfallen, dürfte Dominik Kohr die erste Alternative darstellen.

Beide Mannschaften werden in ihrer aktuellen Lage nicht vor Selbstbewusstsein strotzen, aber dennoch Respekt voreinander haben. Damit sollte es Borussia aber nicht übertreiben, denn alles Streben nach Stabilität hilft nicht viel, wenn dies – wie zuletzt gegen Hamburg und in Köln – vollständig zu Lasten jeglicher Torgefahr geht. Mehr Druck auf den Gegner bringen, ihm weniger Räume bieten und zudem keine Angst vor möglichen Fehlern zeigen – dies sind die wesentlichen Komponenten, die André Schubert seiner neuen Mannschaft in nur zwei Tagen zu vermitteln hat. Es bleibt nicht viel mehr, als ihm dafür das dringend nötige Glück zu wünschen.

Borussia: Sommer – Korb, Brouwers, Christensen, Wendt – Dahoud, Xhaka – Traoré, Herrmann – Raffael, Drmic

Augsburg: Hitz – Verhaegh, Hong, Klavan, Stafylidis – Esswein, Baier, Koo, Altintop, Ji – Bobadilla

Seitenwahl-Tipps

Michael Heinen: „Leider lagen die Probleme des Teams vornehmlich nicht am Trainer, so dass dessen Weggang nicht wirklich etwas lösen kann. Ich hoffe sehr, dass Schubert einen positiven Effekt aus der Mannschaft rauskitzeln kann. Ich fürchte aber, dass auch das Spiel gegen Augsburg mit 0:2 verloren geht.“

Christian Spoo: „Interimsbesen kehren auch nicht besser. Die von allen guten Trainern Verlassenen verlieren mit 0:2.“

Christoph Clausen: „Zwischen Derbypleite und Trainerbeben schon fast in Vergessenheit: Fußball soll auch noch gespielt werden. Hoffen wir auf den berühmten "neue Besen"-Effekt im ersten Spiel mit Interimstrainer André Schubert und auf einen 2:1-Heimsieg in einem kampfbetonten Spiel, in dem Granit Xhaka den Grat zum erneuten Platzverweis haarscharf nicht überschreitet.“

Christian Heimanns: „Das Derby und den Trainer verloren: Bevor das verarbeitet ist, gibt es erst noch eine 0:1 Pleite gegen Augsburg.“


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