Auf der Zielgeraden der aktuellen Bundesliga-Saison scheinen sich Borussia und der SC Freiburg ihren jeweiligen Zielen entgegenzuwurschteln. Borussia hat den offiziell apostrophierten einstelligen Tabellenplatz bereits sicher, die Teilnahme am internationalen Geschäft ist nach dem Verlauf des DFB-Pokal-Halbfinales wahrscheinlicher denn je, weil schon  Platz sieben zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigt. Der SC Freiburg hat vier der letzten sechs Spiele gewonnen und ist die ärgste Abstiegsangst los. Wer nun das Duell am Samstag gewinnt, für den gilt wohl endgültig: „Mission accomplished“

Die Freiburger haben am vergangenen Wochenende schon einen „Big Point“ geholt, den direkten Konkurrenten Eintracht Braunschweig geschlagen und damit wohl zurück in Liga zwei geschickt und selbst den Abstand zum Relegationsplatz auf fünf Punkte ausgebaut. Dem zuletzt heimstarken SC kommt es dabei durchaus entgegen, dass gegen Borussia gleich das nächste Spiel im eigenen Stadion ansteht.

Personell gibt es für Trainer Christian Streich wenig Grund für Änderungen. Bis auf die längerfristig verletzten Krmas, Mujdiza und Pilar stehen alle Stammkräfte zur Verfügung. Ob der Ex-Borusse Mike Hanke rechtzeitig zum Spiel gegen seinen alten Verein wieder fit wird, ist unklar. Zur ersten Elf gehörte Hanke freilich zuletzt kaum noch.

Mit Interesse werden die Borussen-Fans auf Matthias Ginter und Admir Mehmedi schauen. Immer wieder ist vom vermeintlichen Interesse der Gladbacher an einem oder beiden die Rede. Das Ginter-Gerücht befeuerte Sportdirektor Max Eberl selbst, als er ankündigte, womöglich einen echten „Kracher“ für die Innenverteidigung verpflichten zu können. Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet allerdings inzwischen, dass Borussia vergeblich um die Dienste des Defensivspielers gebuhlt hat. Ginter soll sich für den Wechsel zum deutlich finanzstärkeren BvB nach Dortmund entschieden haben. Im Fall Mehmedi ist unklar, inwieweit Borussia wirklich interessiert ist. Seit Lucien Favre Trainer ist, ist nahezu jeder Schweizer Nationalspieler irgendwann einmal mit dem Verein in Verbindung gebracht worden, insofern könnte es sich hierbei auch um eine haltlose Spekulation handeln. Klar ist aber, dass Borussia für die Offensive noch nach einer Ergänzung bzw. Verstärkung sucht.

Ohnehin wird man das Gefühl nicht los, dass die laufende Saison trotz der noch ausstehenden Qualifikation für die Europa-League und des zumindest theoretisch immer noch möglichen Erreichens der Champions-League-Quali schon abgehakt ist. Die Berichterstattung rund um den Verein beschäftigt sich fast ausschließlich mit den Fragen „wer kommt?“ und „wer geht?“.

Auch beim Blick auf die voraussichtliche Aufstellung für den Samstag kommt man an diesem Thema nicht vorbei. Wer zum Beispiel wird im defensiven Mittelfeld auflaufen? Granit Xhaka hat unter der Woche zum wiederholten Male über die Medien verlauten lassen, dass er mit einem Wechsel liebäugelt – angeblich wegen seiner WM-Chance, wobei dem jungen Schweizer hoffentlich klar ist, dass das vor dem Turnier in Brasilien nicht mehr funktioniert. Klar ist: Xhaka ist unzufrieden, dass er nicht mehr spielt, und angesichts der mit „mäßig“ noch freundlich umschriebenen Darbietungen des Havard Nordtveit in dieser Rückrunde ist der Ärger sogar nachvollziehbar. Andererseits hat Xhaka, wenn er denn mal eingewechselt wurde, wenig Werbung in eigener Sache betrieben und sich jeweils umgehend seine Rolle aus der Vorsaison als Produzent haarsträubender Fehlpässe übernommen. Dennoch kann er sich gewisse Hoffnungen auf einen Einsatz machen. Im Heimspiel gegen Stuttgart waren die Defizite auf der Sechserposition allzu augenfällig, nicht nur Nordtveit sondern auch Christoph Kramer empfahl sich für eine Auszeit.

Die „Härtefälle“ in Borussias Kader, Juan Arango und Roel Brouwers, haben in den vergangenen Wochen ihre Wichtigkeit unter Beweis gestellt. Arango traf in zwei Spielen zwei Mal, sicherte gegen Stuttgart mit seinem Kopfballtor in letzter Minute einen womöglich noch wichtigen Punkt. Brouwers machte das, was er immer macht: wenn er gebraucht wird ist er da und spielt in der Regel unspektakulär aber grundsolide. In beide Fälle könnte noch Bewegung kommen: dass Juan Arango nun doch ein neues Angebot bekommt, hat Max Eberl schon angekündigt. Brouwers könnte die vermeintliche Absage von Matthias Ginter zugute kommen. Borussia sollte sich in diesem Fall darauf besinnen, dass einer der zuverlässigsten Verteidiger der Liga durchaus gut genug für die eigenen Ambitionen sein kann, zumal in diesem Mannschaftsteil angesichts von sechs potenziellen Innenverteidigern fast noch am wenigsten der Schuh drückt.

Ob Brouwers auch in Freiburg wieder von Beginn an spielt oder ob Filip Daems zurück ins Team und Alvaro Dominguez demzufolge wieder in die Innenverteidigung rotiert, ist eine der wenigen offenen Fragen vor dieser Partie.

 

Aufstellungen

Freiburg: Baumann – Sorg, Höhn, Ginter, Günter – Schuster, Darida – Klaus, Schmid, Guede (Freis) – Mehmedi

Borussia: ter Stegen – Korb, Jantschke, Brouwers, Dominguez – Xhaka, Kramer – Herrmann, Arango – Raffael, Kruse

 

SEITENWAHL-Prognose

Christoph Clausen: Wie wär`s mit einer Neuauflage des doppelten Kruse, diesmal ins richtige Tor? Borussia siegt im Breisgau mit 2:0.

Thomas Häcki: Zum Glück hat schon jemand aus der Redaktion auf Niederlage getippt. Das Spiel in Freiburg wird zwar härter als gegen Stuttgart, aber die Borussia kämpft auch nicht umsonst um Europa. Mit Glück erreicht sie ein 1:1.

Michael Heinen: Freiburg hat zuhause wieder zu alter Stärke zurückgefunden und spielt seit dem Ausscheiden im Europapokal nicht mehr wie ein Abstiegskandidat. Borussia wird sich gegenüber den letzten Spielen enorm steigern müssen, um im Breisgau zu punkten. Da dies nur zum Teil gelingt, gibt es mit einem 1:2 einen bitteren Rückschlag im Kampf um Europa.

Christian Spoo: Wie sich Siege in Freiburg anfühlen, weiß ich kaum mehr (12 Jahre ist der letzte her). Die Formkurve beider Teams lässt mich ahnen, dass sich daran auch am Osterwochenende nichts ändern wird. Borussia muss sich nach dem 1:2 im Breisgau tatsächlich am Riemen reißen, um wenigstens Platz sieben zu sichern.

Christian Heimanns: 2:1 für die Borussen und Freiburgs Trainer spürt aus erster Hand, was ein böser Streich ist.