Borussia hat vier von fünf Pflichtspielen in der neuen Saison nicht verloren. Das ist der einzig annähernd positive Aspekt, an dem sich ein Anhänger von Borussia Mönchengladbach nach dem zweiten Bundesligaspiel festhalten kann. Das torlose Unentschieden in der nur halb gefüllten Düsseldorfer Arena war ein schlechtes, ach was, ein hundsmiserables Bundesligaspiel. Borussia war die bessere zweier schwacher Mannschaften, ohne allerdings tatsächlich mehr als den einen Punkt verdient zu haben. Nach dem Champions-League-Qualifikationsspiel in Kiew schien das Team auf einem guten Weg. Von dem ist es am Samstag Abend allerdings wieder abgekommen.


 

Lucien Favre hatte seinem Team eine neue taktische Aufstellung beschert. Die Folge aus der Erkenntnis, zu viele ähnliche Stürmertypen zu haben, war, nur noch einen dieser Stürmertypen aufzubieten: Luuk de Jong. An Stelle eines zweiten Angreifers stellte Favre einen zentralen offensiven Mittelfeldspieler hinter de Jong. Überraschenderweise war das nicht Granit Xhaka, den Favre in dieser Rolle in einem Testspiel bereits ausprobiert hatte. Der Schweizer blieb auf seiner Position im defensiven Mittelfeld neben Havard Nordtveit. Stattdessen rückte Tolga Cigerci nicht nur ins Team sondern auch auf die "neue" Position.

Im Vergleich zu den siegreichen Spielen gegen Hoffenheim und in Kiew übernahm Neuzugang Alvaro Dominguez die linke Innenverteidigerposition. Der Spanier verdrängte Roel Brouwers trotz dessen blitzsauberer Leistung in beiden Spielen. Das Leistungsprinzip scheint angesichts der investierten Millionen bei Borussia derzeit außer Kraft zu sein.

Dominguez war es auch, der den einzigen Schnitzer einer ansonsten wenig geforderten Abwehr fabrizierte. Ein Zuspiel von Marc-André ter Stegen verdaddelte der Verteidiger leichtfertig. Düsseldorfs Bellinghausen konnte allerdings kein Kapital daraus schlagen.

Im Gegensatz zur vernünftig stehenden Defensive kann man sich angesichts der Offensivleistung der Gladbacher Mannschaft nur Sorgen machen. Erneut blieb das Team in der Vorwärtsbewegung ohne jede Durchschlagskraft. Dazu kamen in der zweiten Halbzeit haarsträubende Fehlpässe, Annahmefehler und ein alles in allem konzept- und ideenloses Angriffsspiel. Die vier nominell nach vorne orientierten Spieler Herrmann, Arango, Cigerci und de Jong spielten fast über die kompletten 90 Minuten aneinander vorbei. So mancher unter den 5000 in der Arena zugelassenen Borussen stellte die Frage, ob diese Spieler vor dem Anpfiff schon einmal miteinander Fußball zu spielen versucht hätten. Nahezu jeder Versuch, die gut gestaffelte Abwehr der Düsseldorfer zu überwinden, scheiterte. Mit zunehmender Spieldauer schwand jede Konzentration, einfachste Bälle kamen nicht mehr beim Mitspieler an. Daran änderten auch die drei Wechsel in der Offensive - Ring für Herrmann, Hrgota für Cigerci und am Ende auch Hanke für den überforderten de Jong - nichts. Drei echte Torchancen hatte Borussia in 90 Minuten. Eine einzige davon resultierte aus einem vernünftig und bis zum Ende vorgetragenen Angriffszug: auf der rechten Seite setzte Herrmann Arango ein, dessen gefühlvolle Hereingabe vewertete de Jong mit einem ordentlich platzierten Seitfallzieher, den Düsseldorfs nicht immer sicher wirkender Torwart Giefer aber parieren konnte. Zuvor hatte Martin Stranzl vom Elfmeterpunkt den Ball über das Tor geschlagen. Die einzige Chance in der zweiten Hälfte war ein Distanzschuss von Juan Arango, abermals war Giefer zur Stelle. Darüber hinaus blieb Borussia harmlos, trotz gefühlter 80 Prozent Ballbesitz. Neben dem mangelhaften Zusammenspiel weist Borussia im Aufbau und Angriff derzeit fatale Tempomängel auf. Zu keinem Zeitpunkt gelang es, das Spiel schnell zu machen. Sowohl in den Beinen (de Jong) als auch im Kopf (Herrmann, Xhaka) zeichnen sich die Gladbacher derzeit durch eine erstaunliche Langsamkeit aus.

Fortuna Düsseldorf tat wenig fürs Spiel, verlegte sich erfolgreich aufs Verhindern Gladbacher Chancen. In der zweiten Halbzeit, als Borussias Defizite immer augenfälliger wurden, näherte sich der Aufsteiger dann häufiger dem Tor von Marc-André ter Stegen. Größere Torchancen erspielte sich die Fortuna aber nicht. Im Spielaufbau unterliefen den Düsseldorfern immer wieder Abspielfehler, die ein aufmerksamerer und konzentrierterer Gegner als Borussia vermutlich bestraft hätte. Zudem profitierte Düsseldorf vom äußerst konsequente Schiedsrichter Günter Perl. Der entschied nicht nur in strittigen sondern gar in objektiv völlig unstrittigen Szenen nahezu ausschließlich zu Gunsten der Gastgeber. 

Nach dem Spiel sprachen auf Gladbacher Seite Spieler, Trainer und Sportdirektor von einer "nicht schlechten" Leistung. Lucien Favre scheint also aus seinen mehr als unglücklichen Einlassungen nach dem Kiew-Spiel gelernt zu haben. Es steht zu hoffen, dass sich das Spiel der Mannschaft ähnlich schnell verbessert, wie die Öffentlichkeitsarbeit der genannten Akteure.

 

Statistik:


Düsseldorf: Giefer - Levels, Malezas, Langeneke, van den Bergh - Fink, Bodzek - Kruse, Voronin (90. Ilsö), Bellinghausen (75. Garbuschewski) – Reisinger (60. Schahin)

Borussia: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (68. Ring), Cigerci (74. Hrgota), Arango - de Jong (81. Hanke)

Zuschauer
: 29.999


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