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Mit der Ausleihe des belgischen Nationalspielers Thorgan Hazard verzeichnet Borussia Mönchengladbach den fünften Neuzugang für die Spielzeit 2014/15. Zugleich ist das von vornherein auf ein Jahr begrenzte Gastspiel des 21jährigen offensiven Mittelfeldspielers Ausdruck einer veränderten Transferpolitik, die sich von der lange propagierten Nachhaltigkeit abkehrt: Hazard, bis 2017 bei Chelsea unter Vertrag und zuletzt zwei Jahre an den belgischen Erstligisten Zulte-Waregem ausgeliehen, soll am Niederrhein binnen zwölf Monaten vom europaweit begehrten Talent zum gestandenen Mann für höhere Aufgaben heranreifen, um danach sein Fußwerk an anderer Stelle fortzusetzen.



Thorgan Hazard entstammt einer Fußballerfamilie, deren bekanntestes Mitglied sein derzeit bei der Fußballweltmeisterschaft für Belgien aktiver Bruder Eden ist, unzweifelhaft bereits ein Starspieler auf internationalem Niveau. Der zwei Jahre jüngere Thorgan – angeblich benannt nach der populären belgischen Comicfigur Thorgal – verpaßte selbst die Reise nach Südamerika und verblieb außerhalb Belgiens auch sonst bislang im Schatten seines älteren Bruders, durchlief aber eine ausgezeichnete fußballerische Ausbildung. Er konnte zunächst in Frankreich beim RC Lens erste Meriten verdienen, bevor er dann im selben Jahr wie Eden (2012) von Chelsea unter Vertrag genommen wurde und unmittelbar in sein Heimatland auf Leihbasis zurückkehrte. Dort reihte er nach einem Anpassungsjahr eine Auszeichnung an die andere, darunter Ende 2013 den „Goldenen Schuh“ (eine Abstimmung unter Sportjournalisten und Verbandsoffiziellen, um den besten Spieler in der höchsten belgischen Spielklasse zu ermitteln) und ein halbes Jahr später die von seinen Spielerkollegen zuerkannte Trophäe als Profifußballer des Jahres 2013/14. Beide Ehrentitel spiegeln die spielerische Klasse und Leichtfüßigkeit des 1,74 Meter kleinen Technikers wieder, der im offensiven Mittelfeld sämtliche Positionen bekleiden kann.

So unstrittig Hazards Talent ist, das sich in der abgelaufenen Spielzeit auch auf Europa League-Niveau (zehn Einsätze, zwei Tore) ausleben durfte, so strittig ist die Frage, welche Eignung Hazard allwöchentlich auf Bundesliganiveau an den Tag legen kann, wenn er nicht von vereinsoffizieller Seite und mächtigen wirtschaftlichen Interessen im Hintergrund in einer international zweitklassigen Liga gepampert wird. Bei Zulte-Waregem – bevorzugter belgischer Vertragspartner von Chelsea – genoß Hazard Welpenschutz de luxe, was zu diversen Kapriolen führte. So wurde im Herbst 2013 der zum damaligen Zeitpunkt Zwanzigjährige quasi über Nacht zum Kapitän seiner Mannschaft ernannt, was erhebliche Unruhe in den Spielerkader brachte, zumal eine anschließend in den Medien breit diskutierte vermeintliche Absprache zwischen Stammverein und/oder Berater sowie aktuellem Klub nicht nur hierfür der Grund gewesen sein soll, sondern auch dafür, daß Hazard angeblich alle Elfmeter, Freistöße und Ecken seines westflämischen Subtoppers ausführen mußte/sollte/durfte, um Erfahrung zu sammeln. Wie viel hiervon letztlich Tatsache und wie viel Gockelgehabe selbsternannter Meinungsmacher im Hintergrund war, ist unmaßgeblich: sowohl dieser Affront als auch der sich nahtlos anschließende Transferwirrwarr (Hazards mit „schillernd“ noch sehr zurückhaltend beschriebener Kameruner Berater soll nach Presseberichten zur Mitte der Spielzeit 2013/14 einen unmittelbaren Wechsel zum direkten Meisterschaftskonkurrenten Anderlecht eingefädelt haben, der erst im letzten Moment am Veto Chelseas scheiterte; ob dies auf Initiative seines Schützlings geschah oder nicht, blieb undeutlich) hat unter Hazards Mitspielern alles andere als nachhaltiges Amüsement hervorgerufen. Wie langjährige Beobachter des belgischen Fußballgeschehens im privaten Gespräch betonen, ist das ausgeprägte Ego des hoch ambitionierten Nachwuchsspielers hierfür vielleicht sogar etwas weniger ursächlich als dasjenige seines Umfelds, doch alles in allem blähte sich hier einiges zu einem Brei aus unverdaulichen Ameröllchen.

Es ist zu vermuten – und zu wünschen – daß Thorgan Hazard einfach nur Fußball spielen möchte, und das kann er ganz sicherlich exquisit. Ebenso ist zu hoffen, daß der junge Familienvater (Ende letzten Jahres kam seine Tochter zur Welt; er legt Wert auf die Feststellung, daß er mit der jungen Gemahlin bereits seit fünf Jahren liiert ist) genauso wie zum Beispiel Kevin De Bruyne – pikanterweise jüngst das unerfüllte Objekt anderer schmachtvoller Blicke am Niederrhein – noch nicht den Überblick verloren hat in einem Amalgam aus Beratern-Schrägstrich-Kluboffiziellen, Anwälten und seinem Vater, das so beispielhaft steht für manche Unwucht im modernen Fußball und das für viele Fußballvereine ein zunehmendes Problem darstellt. Auch für Borussia Mönchengladbach? Zum einen ist es ein Zeichen von Stärke, daß Hazard nicht zu einem der zahlreichen kolportierten Konkurrenzvereine aus Deutschland, Spanien oder anderen hochrangigen Ligen wechselt, sondern sich am Niederrhein einfinden wird. Zum anderen jedoch wird gerade bei ihm das Augenmerk – anders als bei anderen Transfers – nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz liegen müssen, um nach kurzen zwölf Monaten Leihgeschäft beurteilen zu können, ob die Chance auf die Steigerung der spielerischen Qualität das Risiko der Ausbeulung des bislang so sympathischen Geschäftsmodells wert war.


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