Borussia hat beste Voraussetzungen geschaffen, um die Gruppenphase der Euro-League zu erreichen. Beim FK Sarajevo gab es am Abend einen 3:2-Sieg. Damit sind die Voraussetzungen für das Rückspiel in Mönchengladbach fast ideal. Borussia könnte sich gegen die Bosnier sogar eine knappe Niederlage leisten und würde trotzdem weiterkommen. Trotz alledem sorgte das Spiel der Mannschaft nicht nur bei Trainer Lucien Favre für mäßige Freude. Zu viele Fehler machten die Spieler in grün.

Vor allem die zahlreichen Ballverluste im Aufbauspiel trieben Favre Sorgenfalten auf die Stirn. André Hahn, Ibrahima Traoré und Granit Xhaka zeichneten sich mehrfach durch unkonzentrierte Abspiele, unnötige Zweikämpfe und falsche Laufwege aus. Auch die Borussen-Defensive wirkte zwischenzeitlich wackelig. Die rechte Seite war, so lange Fabian Johnson in der Viererkette spielte, das Einfalltor für zahlreiche Angriffe des Gegners. Torwart Yann Sommer blieb seiner bisherigen Devise "Pro Spiel ein Bock" treu und leistete sich beim 1:1-Ausgleich einen baillyesken Patzer.

Dabei begann das Spiel für Borussia - wie schon das Pokalspiel in Homburg - optimal. Eine sehenswerte trickreiche Kombination von Traoré und Raffael sorgte für Alarm in Sarajevos Strafraum. Ein Verteidiger spitzelte Raffael den Ball zwar weg, aber genau auf den Fuß von André Hahn, der den Ball mit einem satten Schuss aus 13 Metern versenkte. Danach aber wurde Borussia zusehens passiver, Sarajevo übernahm die Initiative und schaffte es, Borussia kräftig unter Druck zu setzen und sich mehrere Chancen zu erspielen. Am Ausgangspunkt des Ausgleichs stand abermals André Hahn, der den Ball rechts hinten nicht sichern konnte und dann seinen Gegenspieler ohne große Not foulte. Der folgende Freistoß flog in den Strafraum, Sommer flog mit den Fäusten voran ins Getümmel, ohne allerdings auch nur in die Nähe des Balls zu kommen, Puzigaca konnte einköpfen.

Wirklich besser spielte Borussia auch in der Folge nicht. Wie schon in Homburg fiel die erneute Führung fast aus heiterem Himmel. Zum dritten (und nicht zum letzten) Mal war Hahn entscheidend beteiligt. Mit einer Energieleistung setzte er sich am rechten Flügel durch und flankte den Ball von der Grundlinie in den Strafraum. Der Ball hätte sichere Beute von Sarajevos Torwart Bandovic sein müssen, der aber faustete vorbei, Hrgota stand richtig und köpfte die erneute Führung für Borussia.

In der zweiten Halbzeit übernahmen erneut die Bosnier die Initiative und machten Druck, Borussia kam kaum noch in die gegnerische Hälfte. Patrick Herrmann ersetzte den schwachen Traoré, ohne dass das zunächst irgendeinen Effekt hatte. Das vierte Tor unter Mitwirkung von André Hahn schoss wieder Sarajevo. Nach einem haarsträubenden Ballverlust des Neu-Gladbachers startete Sarajevo den x-ten Angriff über die linke Seite, Johnson ließ sich von Velkoski austanzen, kein Verteidiger kümmerte sich um den Rückraum. Velkoski passte genau dort hin auf den gerade eingewechselten Duljevic, der Sommer mit einem überlegten Schuss ins rechte Eck keine Chance ließ.

Erst jetzt schien Borussia aufzuwachen. Favre wechselte Julian Korb ein, der die rechte Abwehrseite in der Folgezeit vernünftig dicht machte. Der an allen Toren beteiligte André Hahn verließ das Feld, Fabian Johnson ging nach vorne. Borussia machte jetzt das Spiel, die Bosnier schienen zunehmend müde zu werden. Endlich ergaben sich auch Chancen - aus einer davon machte Hrgota die erneute Führung. Nach Zuspiel des offensiv deutlich aufblühenden Fabian Johnson schoss Hrgota den Ball an den Innenpfosten, von wo aus er ins Tor prallte. Damit war das Spiel enschieden. Borussia hätte die Führung noch ausbauen können, Sarajevo war stehend k.o.

"Drei Punkte, das ist wichtig" bilanzierte Yann Sommer im Interview nach dem Spiel. Das ist natürlich Unfug, aber der Torwart meint vermutlich das Richtige: dass das Auswärtsspiel in den Playoffs gewonnen wurde, ist mehr als die halbe Miete zum Weiterkommen. Unterschätzen wird Borussia Sarajevo sicherlich nicht, schließlich haben die Bosnier in den bisherigen Qualifikations-Runden ihre Heimspiele auch verloren und das auswärts wieder gut gemacht. Das sollte Borussia nicht passieren. Dass die Mannschaft deutlich mehr Potenzial hat, war zu sehen, wenn es denn mal lief.

Im Hinblick auf den Bundesliga-Auftakt am Sonntag liefert das Sarajevo-Spiel allerdings einigen Grund zur Unruhe. Eine Bundesligamannschaft hätte die Nachlässigkeiten im Aufbau und in der Defensive vermutlich konsequenter ausgenutzt. Ballverluste, wie sich vor allem die oben genannten drei Spieler in Reihe leisteten, darf sich Borussia gegen Stuttgart nicht erlauben. Das Experiment mit Fabian Johnson als Rechtsverteidiger dürfte vorerst als gescheitert zu bezeichnen sein. André Hahn ist Offensivwaffe und Sicherheitsrisiko in einer Person - hier muss Lucien Favre entscheiden, welche "Qualität" Priorität hat, vor allem aber muss Hahn an sich arbeiten. Das gilt freilich auch für Ibrahima Traoré, dem außer der Einleitung des Führungstreffers nicht viel gelang. Im defensiven Mittelfeld dürfte es in absehbarer Zeit ohnehin Änderungen geben - der Weltmeister wird seinen Trainingsrückstand  zeitnah aufholen. Yann Sommer täten ein paar gelungene Aktionen gut, um aufkommende Unruhe im Umfeld im Keim zu ersticken. Bisher hatte der Torwart wenig Chancen, sich auszuzeichnen. Im Gedächtnis bleiben zunächst die Patzer gegen Bilbao und Sarajevo, die hoffentlich nicht repräsentativ für sein Leistungsvermögen sind.

Statistik

FK Sarajevo: Bandovic -Berberovic, Dupovac, Tatomirovic, Puzigaca (77. Protic) - Radovac (76. Kovacevic) ,Cimirot -Stojcev - Okic (52. Duljevic), Bilbija, Velkoski

Borussia: Sommer – Johnson, Jantschke, Stranzl, Dominguez – Nordtveit, Xhaka – Hahn (65. Korb), Traoré (46. Herrmann) – Raffael (82. Hazard), Hrgota

Schiedsrichter: Lahoz (Spanien)

Tore: 0:1 Hahn (10.), 1:1 Puzigaca (26.), 1:2 Hrgota (41.), 2:2 Duljevic (59), 2:3 Hrgota (73.)

Zuschauer: 32.000

 

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