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Borussia Mönchengladbach auf dem dritten Tabellenplatz, einer der engsten Verfolger der wie immer führenden Bayern. "So wie in alten Tagen", wie im Stadionsong der Borussia, scheint es tatsächlich wieder zu sein. Der erste Blick auf die Tabelle ist regelrecht herzerwärmend und gegen die drohende Herbstdepression zu gebrauchen, beim zweiten Blick werden Mönchengladbacher und andere Fußballfans nachdenklich. Vielleicht kommen dunklere Zeiten, die nicht nur mit der Jahreszeit zusammen hängen.

Anhängern von Clubs, die sich als Traditionsvereine sehen, sträuben sich die Haare: Wolfsburg auf Platz zwei, Hoffenheim und Leverkusen auf den Plätzen fünf und sechs. Fans speziell von Borussia Mönchengladbach denken daran, dass auf Platz eins der Halbmilliardenkonzern aus Bayern steht, dass in absehbarer Zeit noch die Gazprombefeuerten Schalker wieder weiter oben zu erwarten sind sowie Deutschlands Idee der Fusion von Börse und Fußball in Gestalt von Borussia Dortmund. Als wäre das nicht genug, sucht Hertha BSC weiter Möglichkeiten, die 60 Millionen Euro des Investors KKR anzulegen. Man darf sich vor Augen halten, dass schon die Verpflichtung von Salomon Kalou durch die Hertha anders nicht möglich gewesen wäre. Beim HSV steht ein Millardär schon in den Startlöchern.


Und man muss sich auch klar darüber sein, was es bedeutet, dass diese Clubs weitgehend frei von Problemen wie "was kostet ein Spieler und was verdient er" agieren können. Sie können auch und erst recht bei sportlichem Misserfolg finanziell doppelt nachlegen und die traditionell geführten Vereinen von den oberen Plätzen verdrängen, sei es bei der Hertha auch erst mal temporär. Hinter diesen (noch ohne Hamburg) sieben Clubs, von denen nur die in jeder Hinsicht in einer anderen Liga spielenden Bayern mit aus eigener Wirtschaftskraft eingespielten Finanzen agieren, müsste ein Verein wie Borussia Mönchengladbach sich glücklich schätzen, am Ende der Saison Achter zu werden. Eine Art "Deutscher Meister der normalen Vereine" mit "Preis-Leistungs-Award der Wirtschaftsjury" sowie dem "Publikumspreis der Traditionsvereine". Platz Acht, maximal.

Da kann einem Fan eines nachhaltig geführten Vereins wie der Borussia die Freude über die momentane Platzierung und die schönen Aussichten schon mal vergehen, nachhaltig. Fließt da Geld weiter so unabhängig von der Leistung an  manche Clubs, reichen selbst Champions League Teilnahmen auf Dauer vielleicht nicht aus, den Verbleib im oberen Tabellendrittel zu sichern. Denn zusätzlich zu Autoverkaufsclubs und Chemiewerbeträgern, zu Milliardärsspielzeugen und Investitionsobjekten ist "Rasenballsport" Leipzig unaufhaltsam auf dem Weg in die Bundesliga. Das wäre dann in Zukunft für Borussia Platz Neun, maximal. Das muss noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn weitere Clubs, vor allem Hannover unter Präsident Kind, suchen nach Möglichkeiten, den Einstieg von Investoren zu ermöglichen und selbst die 50+1 Grenze dabei zu kippen.

Immerhin sind die Aussichten von Borussia Mönchengladbach, gegen diese geballte Finanzmacht zu bestehen, mittelfristig nicht die schlechtesten. Die Entwicklung ist in allen Bereichen prächtig. Als Ursache dafür werden von allen Seiten Cheftrainer Lucien Favre und Sportdirekter Max Eberl ausgemacht, letzterer, wie berichtet, nunmehr als "zweifacher Einkäufer des Jahres by courtesy of the kicker", was immer das wert ist.

Dahinter steckt zwar auch eine in vielen Bereichen starke Organisation, aber eben auch ein Manager mit Gespür für die Möglichkeiten des Spielermarktes und mit großem Überzeugungstalent. So schön sich das zur Zeit auch darstellt, es mag sein, dass ein so individueller Faktor gegen die finanziellen Möglichkeiten von Konzernen und Investoren auf Dauer zu wenig ist. Vielleicht läuft es gut für Borussia Mönchengladbach, zum Beispiel mit einer Champions League Teilnahme und dem Anwerben von Sponsoren, ohne Teile des Vereins verkaufen zu müssen. Vielleicht aber auch nicht, wenn der Club vom Niederrhein durch das Großkapital in die Tabellenmitte abgedrängt wird. Und das ist eine reale Möglichkeit.

Der deutsche Fußball steht nicht jetzt am Scheideweg, dieser Punkt ist schon Jahre her. Seit VW darauf beharrte, die gleichen Rechte zugestanden zu bekommen wie Bayer in Leverkusen, sind wir auf dem Weg, dass Konzerne in den Fußball drängen und Mäzene Clubs übernehmen. Die tiefere Ursache für diese Entwicklung liegt darin, dass Fußball inzwischen dermaßen tief in allen Bereichen der Gesellschaft verwurzelt ist, dass es keinen lukrativeren Werbeträger und keine bessere Leiter hin zu mehr Anerkennung gibt. Dazwischen behauptet sich Borussia Mönchengladbach in diesen Tagen so gut, dass man kein Fan dieses Vereins sein muss, um ihm beide Daumen zu drücken angesichts der anrollenden Finanzlawine.

Was kann man da tun? Nun, die Daumen drücken, und sonst nichts. Den Moment genießen, in dem Borussia Mönchengladbach noch einmal als Champions League Anwärter gilt und vielleicht, mit ganz viel Glück und noch mehr Daumen drücken, auch als Bayernkonkurrent. Vielleicht müssen wir in kommenden Jahren mit deutlich weniger zufrieden sein und denken beim Anblick der Tabelle vom November 2014 auch "so wie in alten Tagen". Aber diesen Moment jetzt kann uns keiner nehmen.


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