Borussia trifft der Champions-League auf Real Madrid, Schachtar Donezk und Inter Mailand. Das hat die Auslosung am frühen Donnerstagabend ergeben. Im neuen Jahrhundert haben die Gladbacher gegen keins dieser Teams schon gespielt, die Duelle gegen Real und Inter werden aber mit großer Sicherheit für viele Reminiszenzen an die 70er du 80er Jahre des vergangenen sorgen. Sportjournalisten landauf landab werden die Archive plündern, zum gefühlt achmillionsten Mal die Geschichte vom Büchsenwurf und die des fragwürdig motivierten Herrn van der Kroft erzählen. Roberto Boninsegna wird sich vor Anrufen aus Deutschland kaum retten können, Netzer, Vogts und Co werden auf allen Sendern zu sehen und zu hören sein und der Referee aus den Niederlanden wird froh sein, bereits vor vier Jahren den Löffel abgegeben zu haben. Mit der Jetztzeit hat das natürlich alles wenig zu tun. Da gilt für alle Gegner: Sie gehören zu europäischen Spitze. Real ist Real, Inter und Donezk standen immerhin im Finale bzw. Habfinale der Euro-League 2020. 

Kaum jemand wird bestreiten, dass Real Madrid auf dem Papier und vermutlich auch auf dem Platz ein übermächtiger Gegner ist. Der spanische Meister hat den Dauerrivalen Barcelona in der vergangenen Saison auf Distanz gehalten. In der Gruppenphase der Champions-League holte das Team von Zinedine Zidane gegen Paris Saint Germain nur einen von sechs möglichen Punkten, gab sich ansonsten tatsächlich einmal eine Blöße: Der FC Brügge nahm einen Punkt aus dem Bernabeu-Stadion mit. Im Achtelfinale war dann bereits Schluss, dank zweier 1:2-Niederlagen gegen Barcelona – naja, eigentlich gegen Manchester City, aber wegen Guardiola war das etwas Persönliches. Personell hat Madrid ein bisschen aufgerüstet. Der Abgang von Gareth Bale fällt sportlich nicht ins Gewicht, der Zugang von Eden Hazard dagegen sollte die Madrilenen stärker machen.

Inter Mailand ist im italienischen Fußball wieder eine große Nummer und ernsthafter Konkurrent für Dauermeister Juventus Turin. In der vergangenen Saison fehlte nur ein Punkt zum Titel. In der Champions-League konnte Inter gegen Borussia Dortmund zuhause gewinnen, in Dortmund gab es eine knappe Niederlage. Am Ende belegte das Team Platz drei in der Gruppe hinter Barcelona und dem Favre-Team. Anschließend ging es in der Euro-League bis ins Endspiel, das denkbar knapp gegen Sevilla verloren ging. Trainer Antonio Conte hat seine Mannschaft weitgehend zusammengehalten. Die prominentesten Neuzugänge kommen aus der Bundeliga. Rückkehrer Ivan Perisic, der zu Bayern München ausgeliehen war und Achraf Hakimi, der zwar Real Madrid „gehört“, zuletzt aber für Borussia Dortmund auflief. Der Kader ist stark besetzt, mit Weltstar Romelu Lukaku, aber auch mit prominenten Spielern im gesetzteren Fußball-Alter wie Arturo Vidal, Ashley Young und Kwadwo Asamoah.

Die große Unbekannte in der Champions-League Gruppe B ist aus Borussen-Sicht der ukrainische Meister Schachtar Donezk. Viermal in Folge holte das in der Ostukraine beheimatete Team zuletzt den nationalen Titel. Zuletzt spielte man auch wieder in der Ostukraine, allerdings nicht in Donezk sondern gut 300 Kilometer weiter nördlich in Charkiw im poetisch benannten Metalist-Stadion. Zuvor war das Team wegen der Unruhen im von Russland beanspruchten Donbass in den Westen der Ukraine, nach Lwiw, ausgewichen. In der vergangenen Spielzeit belegte Donezk Platz drei in der Champions-Legaue-Gruppe mit Manchester City, Atalanta Bergamo und Dinamo Zagreb. In Manchester holten die Ukrainer einen Punkt, in Bergamo gab es gar einen Sieg. In der Euro-League schaltete Schachtar hernach zunächst Benfica Lissabon und den VfL Wolfsburg aus. Nach der Corona-Pause gab es dann einen Viertelfinal-Erfolg gegen den FC Basel und dann das Aus im Halbfinale gegen den jetzigen Champions-League-Gruppengegner Inter Mailand. Der Kader besteht neben allerlei ukrainischen Nationalspielern, von denen in Deutschland der Ex-Schalker Konoplyanka der bekannteste sein dürfte, und aus einer Vielzahl an Spielern aus Brasilien. Seit Anfang der 00er-Jahre holt Schachtar immer wieder Brasilianer, zeitweise standen 15 in Donezk unter Vertrag, aktuell sind es elf.


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