hoffenheim neu… was in der derzeitigen Dichte auch für das SEITENWAHL-Team eine echte Herausforderung ist. 3:3 in Frankfurt – das ist die Fortsetzung einer Serie von 4 Unentschieden in den letzten 5 Spielen, nur unterbrochen durch den Sieg gegen Schalke. Da in diesen Spielen mit Augsburg, Freiburg, Hertha BSC und eben Eintracht Frankfurt durchweg Gegner am Start waren, gegen die ein Sieg erwartet (in Frankfurt vielleicht noch am wenigsten) oder mindestens für möglich gehalten wird, ist das auf den ersten Blick ziemlich frustrierend. Man sieht die verschenkten Punkte, man sieht, wo Borussia Mönchengladbach ohne die unnötigen Punktverluste mit einigen Punkten mehr in der Tabelle stehen könnte.  Auf den zweiten Blick weicht diese Frustration einer etwas nüchterneren Einschätzung. Vergleicht man die Borussia von heute mit der Borussia aus der Zeit der letzten Champions-League-Teilnahme (oder auch mit der Leistung des letzten Jahres in der Europa League) fällt ein Unterschied auf: Heute zahlen wir das Lehrgeld nicht mehr in der Champions League, aus der wir beim letzten Mal chancenlos ausgeschieden sind. In der Champions League selbst hat sich unsere erste Elf nun aber in einer schweren Gruppe als konkurrenzfähig erwiesen. Der Verein zahlt das Lehrgeld in der Bundesliga und zwar nicht aufgrund fehlender Klasse in der Spitze, sondern deshalb, weil es an Breite im Kader mangelt und weil einige Spieler aufgrund der Belastungen in den letzten 4 Monaten mittlerweile unübersehbar an ihre Leistungsgrenzen geraten, ohne dass man ihnen eine Pause gönnen könnte. Das ist kein überraschender Befund, einige andere Bundesligisten machten in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen, und auch nichts, was man kritisieren sollte. In einem normalen Jahr – d.h. ohne die wirtschaftlichen Risiken, die sich aus Corona ergeben – hätte man wohl versucht, für diese Breite zu sorgen. Dass das im Sommer 2020 nicht ging, dafür hat das Management jedes Verständnis verdient.

So ist das 3:3 in Frankfurt (vor allem nach dem Zwischenstand) in meinen Augen eher positiv zu sehen, weil es gezeigt hat, mit welchem Willen die Mannschaft – allen voran Lars Stindl – bereit ist, sich gegen eine Niederlage zu stemmen.  Das wiederum zeigt – besonders im Kontrast zu der seelenlosen Vorstellung der Schalker Mannschaft gegen Freiburg, die der Verfasser dieses Artikels als vorabendliches Begleitprogramm zum Kochen eines Abendessens genießen durfte – dass es in der Mannschaft stimmt, dass es keine grundsätzlichen Probleme gibt, sondern nur eine im Grunde erklärbare Formdelle.

Weiter geht es gegen Hoffenheim. Der einstige Angstgegner ist im Moment nicht gerade furchteinflößend. Nach einem sehr starken Auftakt schwächeln die Hoffenheimer, die sich recht souverän für die Zwischenrunde der Europa League qualifiziert haben, seit einiger Zeit in der Bundesliga ziemlich heftig. Zwar gelang Anfang Dezember nach längerer Durststrecke ein Sieg gegen Augsburg, danach folgten aber Niederlagen gegen Leverkusen und zuletzt Leipzig. So steht momentan mit Platz 13 hinteres Mittelfeld auf dem Programm. Vermutlich liegt man nicht falsch, wenn man dem beliebten Traditionsteam des selbstlosen Mäzens Hopp attestiert, auf einem anderen Niveau unter denselben Problemen wie Borussia Mönchengladbach zu leiden, nämlich Überlastung durch das internationale Geschäft gepaart mit mangelnder Breite im Kader. Hinzu kommt ein auf diesem Niveau unerfahrener Trainer und eine doch recht lange Verletztenliste, auf der mit Bicakcic, Hübner und Kaderabek Spieler stehen, die in den letzten Jahren feste Größen im Kraichgau waren. Dennoch wird für Hoffenheim eine mehr als solide Bundesligamannschaft auflaufen, die man nicht unterschätzen darf. Insbesondere Kramaric ist auch in dieser Saison sehr torgefährlich, zuletzt traf auch Florian Grilitsch zweimal gegen Augsburg. Lücken im Rückwärtsgang wie zuletzt in Frankfurt, sollte man auch den Hoffenheimern besser nicht zur Verfügung stellen.

Bei Borussia stehen Bensebaini, Hofmann und Beyer nicht zur Verfügung. Mit Rotation darf gerechnet werden. Hannes Wolf, der keine einzige konstruktive Aktion im Spiel hatte und mit seiner Spielweise zunehmend Rätsel aufgibt, und leider auch Benes haben sich in Frankfurt auf keinen Fall für weitere Startelfeinsätze empfohlen. Für letzteren dürfte wohl Neuhaus zurückkehren, für Wolf kämen je nach Ausrichtung und körperlichem Zustand der Spieler Lazaro, Herrmann oder Embolo in Frage.

Für die weitere Entwicklung – auch im Hinblick auf die von einigen Medien im Lauf der Woche lustvoll zelebrierte Trainerdiskussion – wäre es gut, wenn dieses letzte Bundesligaspiel im Jahr 2020 gewonnen würde.

Der SEITENWAHL-Tipp

Uwe Pirl:  Borussia reißt sich noch einmal zusammen und hat auch vor dem ehemaligen Angstgegner keine Angst. 2:1 wird das letzte Bundesligaspiel des Jahres gewonnen.

Mike Lukanz: Hoffenheim hat seit Saisonbeginn einiges an Form verloren, Borussia aber auch. Da ich dieses Jahr aber aus Prinzip und zum allgemeinen Seelenwohl mit einem Erfolgserlebnis abschließen will, hoffe ich auf einen hart umkämpften 2:1-Erfolg.

Christian Spoo: Kein Spiel für Fußball-Ästheten. Borussia wirft aber noch mal alles rein und ringt Hoffenheim nieder. 2:1.

Thomas Häcki: Heimspiel. 1:1. Was sonst?

Claus-Dieter Mayer: Im bisher besten Heimspiel dieser Saison liefert die Borussia endlich mal eine konzentrierte und abgeklärte Leistung, die mit einem 2:0 Sieg belohnt wird.


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