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Borussia Mönchengladbach spielt gegen eine kampfbetonte, läuferisch starke Mannschaft, die sich mit diesen Tugenden zudem im oberen Tabellendrittel festgesetzt hat? In der Vergangenheit reichte dies, um mit den Kindern eine Runde Malefiz zu spielen, die alte Sissi-Sammlung zu entstauben oder irgendeiner handwerklichen Tätigkeit nachzugehen, die schon seit Monaten aufgeschoben wurde. Alles war besser, als sich von einem solchen Spiel die Laune verderben zu lassen, das am Ende ja sowieso durch ein spätes Gegentor mit 0:1 endet. Die Frage war also, ob die Borussia die zuletzt gezeigte Bissigkeit beibehält oder wieder in den alten Trott verfallen würde. Die Antwort fällt mit teils/teils aus.

Mainz zeigte sich von Beginn an als der erwartete unangenehme Gegner, der nicht von ungefähr auf ein recht erfolgreiches 2021 zurückblicken kann. Mit Kampf, Härte und Bissigkeit versuchte man von Beginn an, dem Gast schon frühzeitig den Schneid abzukaufen. Und die Borussia? Sie hielt dagegen. In der von vielen kleinen Nickeligkeiten und Provokationen geprägten Partie war es der besonnenen Art von Schiedsrichter Schröder zu verdanken, dass das Spiel nicht bereits in der Anfangsphase entglitt. Nach einer halben Stunde kam es dann zu einem Schockmoment für die Borussia, die das weitere Spiel dann prägen sollte. Innerhalb von wenigen Minuten mussten zunächst Elvedi und dann Embolo bereits frühzeitig verletzt ausgewechselt wurden. Während Embolo positionsgetreu von Thuram ersetzt wurde, erzwang Elvedis Ausfall eine Umstellung, da Zakaria nun in die Verteidigung wechseln musste. Als kurz darauf auch noch Ginter behandelt werden musste, lag ein unheilvolles Deja-Vu zum Leverkusen-Spiel in der Luft. Doch die Borussia schüttelte sich nur kurz und kam zur Führung. Bensebaini hatte aus der Distanz abgezogen, Zentner lies den eigentlich nicht übermäßig gefährlichen Schuss vor die Füße des eingewechselten Neuhaus abprallen, der aus kurzer Distanz keine Mühe mehr hatte zu vollenden. Ein Wirkungstreffer. In der Folge beherrschte der Gast vom Niederrhein die Partie nunmehr klar und hätte mit ein bisschen mehr Kaltschnäuzigkeit sogar auf 2:0 erhöhen können, was aber dann vielleicht ein bisschen viel des Guten gewesen wäre.

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Den guten Eindruck aus der ersten Hälfte konnten die Fohlen dann nur noch sehr eingeschränkt nach der Pause bestätigen. Die Gastgeber drängten von Beginn an auf den Ausgleich und starteten einen 30minutig währenden Sturmlauf auf das Gladbacher Tor der am Ende mit dem völlig verdienten Ausgleichstreffer durch Widmer gekrönt wurde. Der Borussia gelang es in keiner Phase sich aus der Umklammerung zu befreien. Einen Vergleich zur letzten Saison zu ziehen, als man Führungen vollkommen unnötig mit teilweise lethargischem Verwaltungsfußball aus der Hand gegeben hatte, verbietet sich aber. Das Team von Adi Hütter versuchte durchaus dagegen zu halten und investierte viel Arbeit. Allein gelang es nicht, die spielerische Qualität einzusetzen und für Entlastung zu sorgen, was auch daran lag, das die Offensivreihe um Thuram, Plea und Hofmann in der zweiten Hälfte völlig abtauchte. Die verletzungsbedingten Wechsel der ersten Hälfte sind hierfür sicherlich keine Entschuldigung, dürften aber eine gewichtige Rolle gespielt haben. Thuram zeigte, dass er derzeit noch nicht auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit ist und Embolo ersetzen könnte. Die Wucht der Schweizers wurde in der zweiten Hälfte ebenso schmerzlich vermisst, wie das Wirken von Denis Zakaria im zentralen Mittelfeld. Florian Neuhaus zeigte sich zwar im Vergleich zu seinen katastrophalen Auftritten in Berlin und gegen Bochum verbessert, doch gelang es ihm nicht, Zakaria zu ersetzen und ein ordnendes Element im Defensiven Mittelfeld zu sein. In der Folge blieben viele Befreiungsversuche bereits im Ansatz stecken oder fanden in der Offensive keine Abnehmer. Sicherlich wäre es richtig gewesen, das Spiel breit zu machen und den Ball laufen zu lassen, wie es Neuhaus nach dem Spiel treffend analysierte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Mainz hierfür wenig Raum zuließ. Sicherlich wären auch schnelle Pässe in die Tiefe ein probates Mittel gewesen, doch hierfür fehlte es an der Passgenauigkeit sowie nach dem Ausfall von Embolo an geeigneten Abnehmern. Am Ende stand schließlich ein 1:1, dass im Spielverlauf glücklich anmutete, aufgrund einer sehr ordentlichen ersten Hälfte aber insgesamt verdient war.

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Auch wenn alle Seiten mit der Punkteteilung durchaus zufrieden sein können, sorgte der Spielverlauf im Nachhinein für wenig Begeisterung am Niederrhein. Insbesondere die Ausfälle von Embolo und Elvedi schmerzen. Der im System Hütter gewachsene Angreifer dürfte schwer zu ersetzen sein, beim Verteidiger wäre der Ausfall angesichts bereits drei weiterer Verletzter auf dieser Position fast schon dramatisch. Bensebaini und Zakaria stellen zwar Alternativen da, doch sind sie wiederum auf Ihren Positionen kaum ersetzbar, was auch in Mainz sichtbar wurde. Insofern sorgten auch die Äußerungen von Florian Neuhaus nach dem Spiel bei vielen für Kopfschütteln. Es ist klar, dass der Jungnationalspieler mit seinem aktuellen Status als Ergänzungsspieler nicht zufrieden sein kann. Wo er aber die „ein Stück weit fehlende Rückendeckung“ seitens des Vereins erkannt haben will, bleibt sein Geheimnis. Auch wenn gestern seine Leistungskurve wieder etwas nach oben zeigte, waren seine Auftritte in den vergangenen Wochen wahrlich keine Bewerbung für einen Startplatz. Zakaria und Koné haben derzeit die Nase eindeutig vor. Das Adi Hütter ihm trotzdem immer wieder die Gelegenheit gibt, sich zu beweisen, zeigt durchaus das der Trainer auch im aktuellen Leistungstief an ihn glaubt und ihm den Rücken deckt. Insofern hätte man sich ein Stück weit mehr Selbstreflexion vom Shootingstar der vergangenen 2 Jahre gewünscht. Ihm ist anzuraten, den Rat seines Trainers zu beherzigen und den Kampf anzunehmen. Aufgrund der Personalsituation dürfte er hierzu zweifellos die Chance bekommen.


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