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Borussia Mönchengladbach ist das Überraschungsei der Liga! Oft zitiert wirkt dieser Ausspruch von Martin Stranzl mittlerweile abgenutzt. Und doch gibt es wohl kaum einen Satz, der die Situation der Borussia so auf den Punkt bringt. Sie suchen Beständigkeit im Fußball? Dann gehen Sie nach München, nach Dortmund, gerne auch nach Fürth. Aber bitte machen Sie einen weiten Bogen um Mönchengladbach. Denn die Borussia präsentiert sich in dieser Saison beständig unbeständig. Zwei Siege in Folge sind in der Bundesliga bislang ebenso Mangelware, wie zwei starke Spiele hintereinander. Vermutlich hat selbst der österreichische Verteidiger nicht geahnt, wie treffend seine Analyse war. Die Unbeständigkeit des Überraschungseis zieht sich keineswegs nur von Spiel zu Spiel. Nein, man kann sie sogar während der

Begegnungen beobachten. Ob Düsseldorf oder Rom, nie kann man sich sicher sein, den Gegner bereits niedergerungen zu haben. Ein letztes Beispiel war am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenletzten zu bewundern, als gegen zehn Fürther ein glücklicher 1:0 Sieg nach Hause gezittert wurde.

Das Ganze klingt zu negativ? Dann versuchen wir es anders herum. Die Borussia ist stets für eine Überraschung gut. Zwei Niederlagen in Folge hat es in dieser Bundesligasaison noch nicht gegeben. Ebenso garantiert ein schwacher Auftritt keine Wiederholung im nächsten Spiel. Das Überraschungselement zieht sich bis in die einzelnen Spiele. Die Borussia wird dominiert und niedergerungen? Vorsicht! Ein Spiel gegen die Rheinländer ist erst vorbei wenn es vorbei ist. In Hamburg, in Leverkusen, sogar in Marseille hat man schmerzliche Erfahrungen mit den Comeback-Qualitäten der Borussia gemacht. Ein letztes Beispiel war am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenletzten aus Fürth zu bewundern. Nach einer desaströsen ersten Hälfte biss sich die Borussia in das Spiel zurück und erkämpfte sich einen glücklichen, aber letztendlich verdienten Sieg. Die Medaille hat also zwei Seiten. Was bleibt ist die Unbeständigkeit. Und so drängt sich die Frage auf: Quo vadis, Borussia?

Zunächst einmal ist es keine Schande, knapp gegen die SpVgg zu gewinnen. Die Bundesliga ist die vermutlich ausgeglichenste Liga der Welt, in welcher auch der Tabellenletzte nicht selbstverständlich besiegt wird. Daneben hat Fürth bislang in keinem Auswärtsspiel wirklich enttäuscht und für einige Überraschungen gesorgt. Wenn Lucien Favre also von einem schweren Spiel spricht, hat er zweifellos Recht. Bedenklich ist hingegen das Auftreten in der ersten Hälfte. Die Borussia knüpfte nahtlos an die schwache Leistung aus Freiburg an und präsentierte sich ängstlich. Besonders in der ersten halben Stunde hatte man mehr mit sich selbst, als mit dem ebenfalls schwachen Gegner zu kämpfen. Die Mutlosigkeit war bis auf die Zuschauerränge zu spüren und wurde dort mit lautstarken Unmutsäußerungen kommentiert. Nicht der Siegeswille, sondern die Angst vor einer Niederlage dominierte die Mannschaft von Lucien Favre zu diesem Zeitpunkt. Vermutlich hatte der Schweizer mit seiner Analyse, die Spieler würden zu sehr an die Tabelle denken, bereits in Freiburg den Nagel auf den Kopf getroffen.

In diesen Momenten zeigt sich, dass die Borussia mit Dante und Reus eben mehr als eine rein sportliche Schwächung erlebt hat. Besonders den Brasilianer zeichnete ein unbändiger Siegeswille aus. Sein selbstbewusstes Auftreten war Motivation für ein junges Team und ein wichtiger Grundpfeiler für den Erfolg der vergangenen Saison. Gleichzeitig wird auch deutlich, was Favre meint, wenn er diese Saison als „Übergangssaison“ bezeichnet. Es geht eben nicht nur um die Einbindung neuer Spieler, taktische Anpassungen oder die Erhöhung der Variabilität, sondern eben auch um die Neuausrichtung des Mannschaftsgefüges und das Heranreifen neuer Leitwölfe. Dies ist das Fundament für ein selbstbewusstes Auftreten und letztendlich für längerfristigen Erfolg. Dabei macht die Borussia enorme Fortschritte. Das sich solche Findungsphasen nicht ohne Reibungen ergeben, ist logisch. Genau vor diesem Hintergrund muss die Unbeständigkeit der Borussia betrachtet werden.

Trotz ihres Lernprozesses spielt man sechs Spieltage vor Schluss noch um die Europapokalplätze mit. Dabei spielt keine Rolle, dass man besonders von der Schwäche der Konkurrenz profitiert. Letztendlich hat man sich diese Position erkämpft. Im Gegensatz zu Bremen, Stuttgart oder Wolfsburg, die zeigen, wie schädlich ein labiles Mannschaftsgefüge ist. Das Erreichen der Plätze ist allerdings kein Muss. Bereits vor der Saison war die erneute Qualifikation nicht als Ziel ausgerufen wurden. Was damals von einigen voreiligen Beobachtern noch als Tiefstapelei betitelt wurde, entpuppt sich heute als realistische Betrachtung. Der Weg zum Erfolg bleibt steinig, doch die Fortschritte sind erkennbar. Daher sollte sich so mancher Besucher fragen, wie realistisch seine eigene Erwartungshaltung ist, bevor er mit Unmutsäußerungen (s)ein Team in der Findungsphase unnötig verunsichert.  Oder er akzeptiert die Borussia einfach, wie sie derzeit ist: Beständig unbeständig.


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