Unter den Anhängern von Borussia Mönchengladbach herrscht Endzeitstimmung. Wir erleben womöglich das Ende einer Ära. Nicht nur das Ende der Ägide von André Schubert, dessen Entlassung nurmehr eine Frage der Zeit zu sein scheint. Das gestrige Spiel beim FC Barcelona dürfte auch der letzte Champions-League-Auftritt für geraume Zeit gewesen sein. Vermutlich wird mit dem Ausscheiden aus der Europa-League im Lauf der Rückrunde auch die schöne Zeit der Fernreisen für die Borussenfans fürs Erste vorbei sein. Borussia ist sportlich und stimmungsmäßig im unteren Mittelfeld der Bundesliga angelangt. Es gibt rund um den Borussia-Park zur Zeit nahezu nichts, was Anlass zur Hoffnung böte. Verstärkt wird das „Ende einer Ära“-Gefühl von den nicht enden wollenden Gerüchten rund um Max Eberls bevorstehenden Wechsel nach München.

 

Wie sehr plant der Sportdirektor überhaupt noch über das Saisonende hinaus, mag man sich schon fragen, bleibt Max Eberl doch eine eindeutige Antwort auf die immer wieder gestellten Fragen nach seiner Zukunft schuldig. Natürlich hat er die Debatte nicht selbst vom Zaun gebrochen, selbstverständlich ist die Geschichte bisher vor allem beim Boulevard eine. Dennoch fehlt den Einlassungen Eberls in dieser Sache jede Klarheit. Man kann nicht umhin, anzumerken, dass jede Antwort, die der Sportdirektor bis dato gegeben hat, mindestens ein Hintertürchen offen ließ. Für die Frage nach der mittelfristigen Zukunft Borussias, gerade in einer Phase, in der akut Weichen gestellt werden müssen, ist das fatal. Man müsste von Eberl jetzt ein „ich bleibe auch über das Saisonende hinaus in Mönchengladbach“ hören. Darunter reicht es nicht.

Weichen zu stellen, ist jetzt geboten. Mit dem Trainer André Schubert wird es nicht mehr lange weitergehen. Das optimistischste Szenario wäre noch, dass die Mannschaft wider Erwarten vor Weihnachten noch die Kurve bekommt und die auf dem Papier machbaren Aufgaben gegen Mainz, in Augsburg und gegen Wolfsburg erfolgreich meistert. Dann könnte man einigermaßen guten Gewissens mit Schubert auch die Rückrunde noch angehen, davon ausgehend, dass Borussia – auch wegen der Schwäche anderer Teams - nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten wird. Dennoch müsste man rechtzeitig bilanzieren, was seit Amtsantritt von André Schubert geschehen ist und ob das den Ansprüchen, die Borussia Mönchengladbach hat, genügt. Dass Schuberts Bilanz jenseits der märchenhaften Siegesserie zu Beginn seiner Cheftrainertätigkeit kaum besser als mittelmäßig ist, ist hier schon zu Genüge besprochen worden. Auf Dauer ist Schubert nicht der Mann, mit dem Borussia sich weiterentwickelt und den einst unter Lucien Favre eingeschlagenene Weg fortsetzen kann. Und diesen Weg sollte Borussia unbedingt fortsetzen wollen. Mit einem erneuten Einrichten im unteren Mittelfeld der Liga, mit dem jährlichen Maximalerfolg, weiter in dieser Liga spielen dürfen, dürfte sich im Verein niemand abzufinden bereit sein.

Wahrscheinlicher ist aber dass die Schubert-Zeit schon vorher endet. Vor der Winterpause wird nur im „Katastrophenfall“ – also z.B. nach einem erneut zweitklassigen Auftritt im Spiel gegen Mainz – etwas passieren. Aber sollte der „Tunraround“ nicht gelingen, wird das Thema Trainerwechsel in der Winterpause akut. Hier steht Borussia dann vor einem Dilemma – müsste man doch einen Trainer, den man nie so richtig gewollt hat, durch einen Trainer, den man nicht so richtig will, ersetzen. Auf die Schnelle den Mann zu finden, mit dem man die langfristige Zukunft bestreiten will, mit dem man konzeptionell und finanziell auf einer Linie liegt, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Einen Feuerwehrmann zu finden, dem das Amt zu übertragen erfolgversprechend ist und der bereit ist, die Aufgabe bis Saisonende zu übernehmen, um dann wieder aufs Altenteil oder in die Arbeitslosigkeit zurückzukehren, wäre kaum leichter. Vielmehr bekäme man einen Kompromisskandidaten, einen, der gerade frei ist und halbwegs zu passen scheint. Auch das ist keine Aussicht, die einen Borussenfan wirklich glücklich stimmt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Situation scheint im Moment ein wenig aussichtslos. Bringen wir die Saison irgendwie GAU-frei zu Ende. Die nächsten Monate werden Gewurschtel, so oder so. Und hoffen wir, auch wenn das womöglich vergeblich ist, dass Max Eberl sich bekennt, so dass wir zumindest auf dieser Position wissen, wie es nach Juni 2017 weitergeht. Ansonsten erleben wir tatsächlich das Ende einer Ära. Und werden bald selbst dem so grau-unersprießlichen Abend von Barcelona noch hinterhertrauern. 

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