So richtig weiß niemand im Gladbacher Umfeld, wie er das 0:0 in Darmstadt einzuordnen hat. Zur Besänftigung der seit Monaten angespannten Fanseele hat der dürftige Auftritt sicher nicht beigetragen – auch wenn sich die Protagonisten bemühten, die positiven Ansätze der Partie deutlich hervorzuheben.

Positiv ausgedrückt stand die Viererkette so stabil wie seit langem nicht und ließ kaum eine nennenswerte Torchance des Gegners zu. Einzig Sulu kam kurz vor Schluss zu einem gefährlichen Kopfball, der zudem noch aus einer Standardsituation entstand. Dem gegenüber gestellt werden muss aber, dass Darmstadt inzwischen seit 5 Spielen torlos ist und in den letzten 10 Partien überhaupt nur dreimal ins gegnerische Tor traf. Viel harmloser als die Hessen kann sich ein Bundesligist offensiv kaum präsentieren.

Positiv wirkte ferner, dass sich Borussia selbst einige hochkarätige Torchancen erspielte und mit etwas mehr Glück gut und gerne 2:0 hätte gewinnen können. Selbst der ebenso vielfach wie zurecht kritisierte Jonas Hofmann tat sich hier sporadisch hervor und wenn Raffael dessen Vorlage nach 10 Spielminuten genutzt hätte, würde heute wohl niemand mehr ein kritisches Wort über die Begegnung verlieren.

Doch all dies scheitert am Konjunktiv, denn am langen Ende stand mal wieder die Null und eine insgesamt immer noch viel zu dürftige Offensivleistung bei einem Gegner, der auch defensiv nicht zur Creme de la Creme des Landes gehört. Max Eberl Versuch, auf die tolle Bilanz des Ex-Aufsteigers in der vergangenen Saison zu verweisen, hilft da nicht viel. Darmstadt ist von der damaligen Verfassung genauso weit entfernt wie Borussia. Zwar darf in dieser Liga kein Gegner unterschätzt werden. Einen Sieg bei der offensichtlich schwächsten Mannschaft einzufordern wäre aber bei einer Borussia in Normalform keine überzogene Erwartungshaltung gewesen.

Nur ist die Fohlenelf von dieser Normalform seit Monaten sehr weit entfernt. Von daher war das 0:0 des verdienten Tabellen-14. beim verdienten Tabellen-18. doch wieder ein ganz normales und standesgemäßes Ergebnis. Die Probleme im Kader sitzen tiefer als dass sich dies allein mit einem Trainerwechsel beheben ließe. Dieter Hecking hatte gerade einmal drei Wochen Zeit, die Mannschaft in seinem Sinne einzustellen. Ein Kurzzeit-Trainereffekt wäre nett und in der aktuellen Situation hilfreich gewesen. Es ist aber noch viel wichtiger, dass es ihm in der langen Frist gelingt, seiner Mannschaft wieder ein funktionierendes System zu verpassen.

Dazu bedarf es offensichtlich noch einer Menge Arbeit und es wird keine einfache Aufgabe, dies in der derzeitigen Tabellenlage umzusetzen. Mit zunehmender Spieldauer ließ sich am Böllenfalltor die Angst in den Augen einiger Spieler geradezu ablesen. Die Drucksituation, trotz erneut zahlreicher guter Chancen ein Auswärtsspiel – und das selbst beim Tabellenletzten – verlieren zu können und damit ins neue Jahr zu starten, lähmte einige Spieler in ihren Aktionen. Mo Dahoud z. B. könnte nach dem erneut verunsicherten Auftritt eine Pause gut tun, zumal mit Benes und Sow junge aussichtsreiche Alternativen bereit stehen.

Den großen Heilsbringer sollte aber niemand erwarten – weder auf der Ersatzbank noch in der U23 noch auf dem Transfermarkt. Borussia wird sich mit dem vorhandenen Personal durch die Rückrunde quälen. Eine Leistung wie in Darmstadt wird dabei nicht reichen, um den Negativtrend mit 7 Punkten aus den letzten 12 Partien umzukehren. Bedenkt man zudem, dass in den nur noch 8 Heimspielen u. a. noch die Spitzenteams aus Dortmund, München und Leipzig in den Borussia-Park reisen, sollten die vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz nicht den Blick vernebeln für den offensichtlichen Ernst der Lage. Borussia ist nicht erst seit Samstag im Abstiegskampf angekommen.

Etwaige Erwartungen, der neue Trainer könnte die Mannschaft unverzüglich wieder zu einem Spitzenteam formen und mit einer fulminanten Rückrunde den Angriff auf die Plätze zur Europa League starten, sollten nun endgültig als naive Träumereien entlarvt worden sein. Selbst der sonst so bescheidene Sportdirektor muss in seiner überzogenen Erwartungshaltung gebremst werden, wenn er sein Saisonziel weiter mit dem einstelligen Platz 9 beziffert. Fürs erste sollte er froh und glücklich sein, wenn es gelingt, am Ende oberhalb von Platz 16 zu landen und sich möglichst konstant von den Abstiegsrängen fernzuhalten. Die Zeiten von Borussia als Spitzenverein sind vorüber. Damit sich dies ggf. in der kommenden Saison wieder ändern kann, muss Hecking seiner Mannschaft im Laufe der Rückrunde wieder ein klares Konzept vermitteln, das dem Verein in Verbindung mit spätestens im Sommer dringlichen Transfers eine klare Perspektive bietet.

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