HSVBorussia fuhr als beste Rückrundenmannschaft zum Auswärtsspiel. Acht Partien in der Fremde waren wettbewerbsübergreifend im Jahr 2017 schon bestritten, davon keine verloren, aber fünf gewonnen, davon einmal beim aktuellen Gegner. Der stand auf dem drittletzten Tabellenplatz. Ein weiterer Sieg, und Gladbach stünde auf einem Europacup-Rang. Soweit die Ausgangslage. Die Ausbeute: eine völlig verdiente Niederlage. Gegen einen Gegner, der spielerisch wahrlich kein Feuerwerk entfachte. Gegen dessen Leidenschaft und Kampfkraft die Offensive kaum spielerische Mittel fand und dem die Defensive zu viele Chancen gewährte. Große Enttäuschung also in Gladbach?

Ent-täuscht sein kann nur, wer sich hat täuschen lassen. Die Rückrundenbilanz war vor dem Spiel großartig und ist auch danach noch sehr gut. Aber Tabellenerster? Den Vernünftigen unter den Borussen-Anhängern musste klar sein, dass die Mannschaft damit über ihren dauerhaften Möglichkeiten abschnitt. Börsianisch gesprochen war die Borussen-Aktie so überbewertet wie sie in der Hinrunde unterbewertet war. Nicht ob es zur Kurskorrektur kommen würde, war fraglich, sondern wann. Die Erkenntnisse dieses Sonntags sind denn auch so aufregend nicht.

Unaufregende Erkenntnis Nummer eins: Die Rückrundenmeisterschaft ist kein realistisches Ziel. Auch der zweite Platz, den man in diesem Klassement nach der Hamburger Niederlage noch bekleidet, wird nicht auf Dauer zu halten sein. Deutlich besser als Rang 14 – auf diesem Tabellenplatz trennte sich der Verein von André Schubert – sollte es aber schon sein.

Unaufregende Erkenntnis Nummer zwei: Borussia hat nicht die Ersatzbank von Bayern München. Die Möglichkeiten der Rotation schränkt das ein. Ausfälle von Führungsspielern können punktuell kompensiert werden – auch ohne Raffael siegte Borussia in Bremen und in Florenz. Wenn aber mit Stindl, Rafffael und Hazard gleich drei Kreativ-Spezialisten auf einmal ausfallen, dann gibt der Kader keine drei gleichwertigen Alternativen her. Und dann fehlen die Möglichkeiten, um sich genug Chancen zu erarbeiten, als dass man es sich leisten könnte, gleich zwei üblicherweise mit dem (angreifbaren) Attribut „hundertprozentig“ versehene auszulassen.

Unaufregende Erkenntnis Nummer drei: Weil die Gladbacher Möglichkeiten der Rotation begrenzt sind, hinterlassen die vielen englischen Wochen der Vergangenheit Spuren. Die Kräfte, nicht nur die physischen, neigen sich bei manchen erkennbar dem Ende.

Unaufregende Erkenntnis Nummer vier: Eine Kurskorrektur ist Normalität und bedeutet noch kein Ende eines Aufwärtstrends. Diesen zu leugnen, wäre albern. Wie hoch der Anteil des Trainerwechsels daran ist, lässt sich bei einem Spiel, das von so viel Unkalkulierbarem beeinflusst wird, nicht seriös beziffern. Aber nur fanatische Schubertianer werden ernsthaft in Abrede stellen, dass Dieter Heckings Maßnahmen sich insgesamt deutlich stabilisierend ausgewirkt haben. Die Rückrundenausbeute bleibt insgesamt erfreulich und bliebe es selbst dann, wenn im weiteren Verlauf der Woche die zwei noch ausstehen, sehr schweren Spiele beide verloren gehen sollten. Dass es dann im Gladbacher Fanlager weiter „unaufgeregt“ bliebe, das wäre in der Tat überraschend. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Frage so nicht stellen wird.

 

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