Niedermeier schießt an die Latte. Das ist die Szene vom Auswärtssieg in Stuttgart, die bleibt. In fast allen Berichten nach dem 1:0-Erfolg der Borussen war das die Szene, die als entscheidend ausgemacht wurde. Und in der Tat: die hundertprozentige Chance des Stuttgarter Innenverteidigers hätte aus dem Sieg eine gefühlte Niederlage gemacht - genau wie der Ausgleich durch Christoph Kramer in der Hinrunde ein Remis gegen Stuttgart für Borussia zum gefühlten Sieg wandelte. Nun geht es schon drei Tage später mit dem SC Freiburg erneut gegen ein abstiegsgefährdertes Team. Um hier erfolgreich zu bestehen, gilt es allerlei Lehren aus dem Stuttgartspiel zu ziehen, die mit der vergebenen Niedermeier-Chance wenig zu tun haben.

Das Spiel in Stuttgart folgte einer Dramaturgie, die es in dieser Saison schon mehrfach gab. Borussia startet stark, dominiert das Spiel und den Gegner scheinbar nach Belieben, setzt diese Dominanz aber nicht in Zählbares um. Irgendwann dann verflacht das Spiel, kippt teilweise - oder in der Vergangenheit auch schon einmal ganz, beispielsweise gegen Frankfurt oder in Augsburg. So ähnlich lief es auch am Samstag, nur dass Borussia diesmal auch das Glück hold war bzw. der Gegner nicht stark genug, um aus dem Nachlassen der Gladbacher Profit zu generieren. Warum aber Borussia die Konzentration häufig in solchen Spielen nicht hochhalten kann, warum trotz aller Gelegenheiten oft die Konsequenz fehlt, eine Partie frühzeitig zu entscheiden, das sind Fragen, auf die Lucien Favre und sein Team Antworten finden müssen. 

Deutlich war in Stuttgart, dass Borussia defensiv verwundbar ist, vor allem, wenn der Gegner über die Flügel kommt. Den Außenverteidigern Korb und Wendt fehlte im Spiel nach hinten gelegentlich der Biss, dem jungen Deutschen zudem oft die Cleverness. Erwischt dann, wie am Samstag, der sonst so zuverlässige Tony Jantschke einen schwächeren Tag, wackelt das Abwehrgebilde bisweilen bedenklich, selbst wenn Martin Stranzl gewohnt seinen Mann steht. Sollte Alvaro Dominguez die Folgen seiner Grippe vollends überwunden haben, ist mit seiner Rückkehr fest zu rechnen - wahlweise innen neben Stranzl oder links hinten.

Die rechte Seite war defensiv wie offensiv die schwächere, bei Patrick Herrmann übertüncht der schöne und wichtige Treffer zum 1:0 eine eigentlich maximal ausreichende Leistung, bei der auch die Abstimmung mit seinem Hintermann Korb deutlich optimierungsbedürftig ist. Auf links sah das Zusammenspiel von Oscar Wendt und Fabian Johnson deutlich besser aus, Johnson sicherte vernünftig ab, wenn es den Schweden nach vorne zog. Der US-Amerikaner war über weite Strecken der auffälligste Borusse und machte sein mit Abstand bestes Spiel im Gladbacher Trikot. Sollte er sich mit der Aufgabe links vorne arrangiert haben und die Leistung von Samstag kein einsamer Ausreißer nach oben gewesen sein, hätte Lucien Favre hier eine sinnvolle Variationsmöglichkeit mehr. Aber auch Thorgan Hazard dürfte, sofern fit, auf einen Einsatz drängen. Noch keine Option ist Afrika-Cup-Rückkehrer Ibrahima Traoré, der frühestens gegen Schalke wieder im Kader auftauchen dürfte. 

In der Offensivzentrale funktionierte Branimir Hrgota neben Max Kruse diesmal recht ordentlich, hier könnte aber auch der wohl endgültig genesene Raffael wieder das Vertrauen des Trainers erhalten. 

Der SC Freiburg kommt mit doppeltem Rückenwind nach Mönchengladbach. Zum einen ist da der deutliche, wenn auch zu hoch ausgefallene Sieg gegen Frankfurt, zum anderen das Ergebnis des Bürgerentscheides, dass es dem SC ermöglicht, ein neues Stadion zu bauen. 

Beim 4:1 gegen Eintracht Frankfurt wechselte Trainer Christian Streich den entscheidenden Mann in der zweiten Hälfte ein. Die Bremer Leihgabe Nils Petersen legte einen lupenreinen Hattrick hin und wird in Mönchengladbach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein erstes Spiel für Freiburg von Beginn an machen. Das liegt nicht allein an seiner Treffsicherheit am Samstag, sondern auch an der Verletzung des etatmäßigen Stürmers Nummer eins, Admir Mehmedi.  Womöglich wird Petersen sogar einzige Spitze sein, denn auswärts tritt Freiburg häufiger im 4-5-1 auf. Das Experiment mit Mike Frantz in vorderster Front wurde von Streich am Samstag schon zur Pause korrigiert, Frantz ist im defensiven Mittelfeld deutlich wertvoller, was er umgehend unter Beweis stellte. 

Der zweite spektakuläre Neuzugang der Badener in der Winterpause sah das Frankfurt-Spiel nur von der Bank, der norwegische Jungstar Mats Möller-Daehli, einer der teuersten Freiburger Transfers überhaupt, wird vermutlich auch in Gladbach zunächst nur zweite Wahl sein. Das Mittelfeld ist der einzige Mannschaftsteil, in dem die Stammkräfte allesamt zur Verfügung stehen. 

In der Abwehr spielte gegen Frankfurt schon fast das letzte Aufgebot, Rückkehrer Sascha Riether machte dabei wiederholt eine so schlechte Figur, dass Streich in zur Halbzeit vom Feld holte. Es wäre eine Überraschung, dürfte der Ex-Nationalspieler in Gladbach wieder von Beginn an mitspielen. Immanuel Höhn dagegen, dessen Wechsel in die Zweite Liga schon so gut wie durch war, machte am Samstag ein gutes erstes Saisonspiel, das zweite dürfte schon am Dienstag folgen.  

Auf dem Papier ist die Angelegenheit klar: der Tabellendritte vom Niederrhein ist gegen den Vierzehnten aus dem Breisgau klarer Favorit. Schaut man auf die Samstagsspiele der beiden Kontrahenten des 19. Spieltages, ist eine Prognose nicht mehr so einfach. Beide Teams zeigten zwei Gesichter innerhalb einer Partie. Die Borussia der ersten 30 Minuten dürfte mit dem SC Freiburg der ersten Halbzeit keine Probleme haben, sofern die Chancenverwertung besser wird (was auch den Frankfurtern letzten Endes das Genick brach). Die Freiburger Mannschaft der letzten 30 Minuten dagegen würde der Borussia, die in Stuttgart später auf dem Feld stand, arge Probleme machen, vor allem wenn sie erneut so effizient aufträte, wie beim 4:1.

Aufstellungen

Borussia: Sommer - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Xhaka, Kramer - Herrmann, Johnson - Raffael, Kruse

Freiburg: Bürki - Sorg, Höhn, Torrejon, Günter - Frantz, Darida - Klaus, Schmid, Philipp - Petersen

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Seitenwahl-Prognose

Christoph ClausenEin zweiter Sieg in Folge wäre so wichtig. Und er wird so schwer. Der Wunsch in mir aber führt die Feder: Borussia bringt gegen aufopferungsvoll kämpfende Breisgauer mit einiger Mühe ein 2:1 über die Runden.

Christian Spoo: Leicht hat sich Borussia gegen den SC Freiburg noch nie getan. Auch diesmal wird es eine zähe Angelegenheit, die das Favre-Team aber mit Disziplin und Einsatz bewältigt. Der 2:1-Sieg hält Borussia vorerst in den Champions-League-Rängen. 

Michael Heinen: Wenn hier alle 2:1 tippen, fühle ich mich extremst unter Druck gesetzt, mich anzuschließen. Es wird übrigens schwer und zäh.

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