Während man in Frankreich und Kroatien noch Interesse am WM-Turnier zu haben scheint, in Posen, Vaduz oder bei den Glasgow Rangers seit gestern der bittere Ernst der Europa-League-Qualifikation losgegangen ist, ist man in Deutschland zur Zeit weniger am real gespielten Fuβball interessiert als an den faszinierenden Tätigkeiten auf dem Transfermarkt. Bei der Borussia tut sich da nach vielen Gerüchten gerade am heutigen Tag einiges.

Zum einen hat der FC Southhampton am Morgen die endgültige Verpflichtung von Jannik Vestergaard verkündet, wobei die in der britischen  Presse vermeldete Ablöse sich auf 18 Millionen Pfund (20,3 Millionen Euro) beläuft, dänische Gazetten gar 25 Millionen Euro in den Raum stellen, von denen Borussia wohl noch etwas an Vestergaards vorherigem Club Werder Bremen abgeben muss. Dieser Abgang mag auf Anhieb etwas erstaunen, denn der Däne war noch bis 2021 bei Borussia unter Vertrag, daher bestand also absolut kein Druck ihn zu verkaufen. Noch dazu war Vestergaard – vor 2 Jahren als Ersatz für Martin Stranzl verpflichtet – immer einer der Kandidaten, die genannt wurden, wenn man in Mönchengladbach zukünftige „Führungsspieler“ suchte. Dass der sonst so auf Kontinuität pochende Max Eberl diesen Spieler nach nur 2 Jahren bereits wieder abgibt, hat diverse Gründe. Rein sportlich hat Vestergaard in seiner Gladbacher Zeit sicher nicht völlig enttäuscht: seine Kopfballstärke war auch im gegnerischen Strafraum schon eine gute Waffe und im Aufbauspiel konnte der schlaksige Skandinavier zuweilen mit guten Pässen überraschen. Auf der anderen Seite konnte er trotz solcher begabter Nebenmänner wie Christensen im Vorjahr und Ginter in diesem nicht verhindern, dass Borussia mit 49 bzw. 52 Gegentoren mehr Treffer zuliess als sich ein Kandidat für internationale Plätze leisten kann. Dies war sicher nicht nur sein Fehler und vielleicht haben seine Vorgänger Stranzl, Dominguez oder Brouwers nur das Glück gehabt, in einem insgesamt stabilerem Abwehrverband zu agieren, aber abschliessend war wohl der Eindruck bei Gladbachs Verantwortlichen, dass dieser Abgang nun keinen ganz grossen Substanzverlust des Kaders bedeutet, zumal man hofft, mit Elvedi den passenden Nachfolger bereits in den eigenen Reihen zu haben.

So richtig Sinn macht der Vestergaard-Verkauf aber erst im Zusammenhang mit der anderen grossen Nachricht des Tages: Der Verpflichtung des französischen Stürmers Alassane Pléa vom OSC Nizza für kolportierte 25 Millionen Euro. Dass Borussia einen Zentralstürmer verpflichten wollte, war nach dem wochenlangen Ringen um den Hannoveraner Füllkrug kein Geheimnis, aber dass man einen Topstürmer aus einer der führenden europäischem Ligen trotz zahlreicher Konkurrenz (unter anderem wurden auch Dortmund, Tottenham und Newcastle mit dem Spieler in Verbindung gebracht) verpflichten konnte, ist schon ein kleiner Coup. Pléa ist damit mit Abstand der teuerste Einkauf der Gladbacher Vereinsgeschichte; sein Vorgänger in dieser Rubrik war Matthias Ginter der gute 8 Millionen Euro weniger kostete. Kein Wunder also, dass man gleichzeitig den zweitteuersten Verkauf aller Zeiten tätigt, um den Grossteil der Ausgaben wieder reinzubekommen.

Mit Geld um sich zu werfen ist nun eigentlich nicht die Sache Max Eberls, und so darf man fragen, warum er in diesem Fall, über seinen Schatten gesprungen ist, zumal die beiden vorherigen Versuche für gutes Geld eine Sturmspitze zu verpflichen (de Jong 2012, Drmic 2015) nicht sonderlich erfolgreich waren. Über viele Jahre war Borussia ja eigentlich gut ohne eine „echte Neun“ ausgekomen, die Duos Reus-Hanke, Raffael-Kruse und zuletzt Raffel-Stindl hatten auch so genügend Treffer geliefert. Manchmal wurde gemurrt, dass man bei Rückstand einen Plan B mit direkterem Spiel in die Spitze bräuchte, aber wenn Plan A in die Champions-League führt stört das Fehlen von Plan B nicht so sehr. In der vergangenen Saison wurde nun aber immer deutlicher, dass man sich auf den älter werdenden Raffael nicht auf ewig verlassen darf und als die Borussia zu Jahresbeginn mit 4 torlosen Spielen in Folge in eine handfeste Krise geriet war eine von Experten immer gern wiederholte Aussage „Kein Wunder, ohne echten Stürmer!“. Hinzu kommt auch, dass Dieter Hecking bekannterweise eher mit einem klassischen Zentralstürmer spielt als seine beiden Vorgänger, so dass ein Zugang auf dieser Position zur wichtigsten Personalie der Transferzeit erhoben wurde und man, anstatt mal wieder auf ein junges Talent zu hoffen diesmal auch bereit war tief in die Tasche zu greifen und einen gestandenen Spieler zu verpflichten. Als einen solchen kann man Alassane Pléa bezeichnen. Mit 25 Jahren ist er im besten Fuβballeralter, hat in Frankreich die diversen Jugendnationalmannschaften durchlaufen und sich in den vergangenen 2 Jahre beim OSC Nizza mit 27 Toren in 60 Spielen als Topstürmer etabliert. Seine 1,80m Körpergröβe deuten schon an, dass Pléa weniger der „Lange in der Mitte“ wie z.B. de Jong ist, sondern eher ein  wendiger schneller Stürmer, der die freien Räumen in der gegnerischen Abwehr nutzt. Er kann auch über die Flügel kommen und und scheint somit gut in das (zu guten Zeiten) variable Kombinatinonsspiel der Borussia zu passen.

Es wird interessant werden, welche Auswirkungen dieser Einkauf auf andere Personalien haben wird. Josip Drmic hat dadurch seinen Status als einzig echter Zentralstürmer im Kader verloren und wird sich Gedanken darüber machen, ob er nach 3 sowieso schwierigen Jahren noch ein weitere Saison in Gladbach auf der Reservebank zubringen will. Auch auf anderen Positionen (Hazard) kann sich noch einiges tun, so dass es noch eine Weile dauern kann, bis wir wirklich wissen wie Borussias Kader für die neue Saison aussehen wird. In diesem Augenblick kann man sich aber zunächst mal freuen, dass Borussia ein solch ambitionierter und vielverprechender Einkauf gelungen ist, auch ein Zeichen dafür, dass man selbst ohne internationale Qualifikation noch eine attraktive Option für wechselwillige Spieler ist (auch Füllkrug wäre ja gern gekommen). Welcome to the Pléasure Dome!

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