Dreimal trifft Borussia innerhalb von 13 Tagen auf den FC Schalke 04. Zum Auftakt dieser ungewöhnlichen Serie gibt es das Bundesligaduell zweier Teams, die tabellarisch zur Zeit als Underperformer gelten müssen. Zwei Punkte und zwei Tabellenplätze trennen die beiden ambitionierten Vereine, Platz zehn für Borussia, Platz zwölf für Schalke, das entspricht nicht den Erwartungen und selbst gesetzten Zielen - nicht einmal dem offiziel apostrophierten "einstelligen Tabellenplatz" im Falle der Gladbacher. Allerdings ist die Stimmung in Mönchengladbach zur Zeit ungleich besser als in Gelsenkirchen. Denn Borussia sieht sich im Aufwind, der FC Schalke dagegen stolpert weiter durch die Saison. Der mit großen Hoffnungen verpflichtete Trainer Markus Weinzierl holzte nach dem Pokalaus in München gar gegen die eigenen Spieler.

Weinzierl galt lange Zeit als Wunschtrainer von Gladbachs (Noch-)Sportdirektor Max Eberl. Einer Verpflichtung des in Regens- und Augsburg äußerst erfolgreichen Bayern stand in der vergangenen Saison aber der Erfolg im Weg. Unter dem nie wirklich geliebten André Schubert spielte Borussia einfach zu erfolgreich, als dass man ihn geräuschlos durch Weinzierl hätte ersetzen könenn. Der heuerte stattdessen bei Schalke an und scheint sich dort Stand jetzt ähnlich aufzureiben, wie noch nahezu jeder seiner Vorgänger. Dabei ist natürlich längst nicht alles schlecht. Der FC Schalke ist immer wieder auch zu guter Leistung imstande. In der Europa-League kam man mühelos weiter, in der Bundesliga trotzte man den Bayern in deren Stadion einen Punkt ab und hatte dabei durchaus Chancen, sogar als Sieger vom Platz zu gehen. Was fehlt ist die Konstanz. Ein Pokalspiel in München kann man verlieren, sich quasi von Beginn an kampflos zu ergeben, sollte einem professionellem Team allerdings nicht in den Sinn kommen. Dass aber auch die Krise bei Schalke kein Dauerzustand ist, hat Borussia in dieser Saison schon schmerzhaft erfahren. Weinzierl galt nach fünf Auftaktniederlagen schon als angezählt, als die Gladbacher im Herbst in Gelsenkirchen vorstellig wurden. Das Resultat ist bekannt, mit 4:0 wurde Borussia aus der Halle geschossen, stellte den perfekten Aufbaugegner für die selbst in diesem Spiel zunächst völlig verunsicherten Schalker dar. Dieses Spiel darf man mit einigem Recht auch als Anfang vom Ende der Ära Schubert verstehen, hatte der Trainer damals doch mit einer für viele (der Verfasser hatte allerdings zugegebenermaßen in der Pause exakt dieselbe Idee) nicht nachvollziehbaren Halbzeit-Auswechslung von Jannik Vestergaard die Abwehr ihrer Stabilität beraubt.

Viel ist in Gladbach seitdem passiert. Die Abwehr steht wieder einigermaßen, auf der Bank sitzt ein neuer Mann und der Trend zeigt im Großen und Ganzen nach oben, die Heimniederlage in der Bundesliga gegen Leipzig gerät angesichts des Weiterkommens in der Europa-League und im DFB-Pokal dabei fast in Vergessenheit. Die Ergebnisse stimmen, was zweifelsohne die Hauptsache ist. Was noch fehlt, ist Souveränität. Die Siege in Hamburg und Ingolstadt waren nicht unverdient, aber man sollte sie dennoch als glücklich bezeichnen. Nicht jeden Tag wird ein Tor gegeben, das mit der Hand erzielt wurde. Nicht jeden Tag bekommt Jonas Hofmann für eine mittelmäßige Schauspieleinlage einen Elfmeter. Dem Selbstbewusstsein sollte die vergangene Woche allerdings gutgetan haben, und mit steigendem Selbstbewusstsein sollte auch die Souveränität langsam zurückkehren können. Personell hat sich für Dieter Hecking im Vergleich zum Hamburg-Spiel nichts geändert. Allenfalls Thorgan Hazard könnte seine Verletzung soweit auskuriert haben, dass er zumindest für den Kader in Frage kommt. Viel Anlass zum Wechseln besteht auch nicht, die offenen Frage lautet allenfalls "Herrmann oder Johnson".

Beim FC Schalke schaut zur Zeit alles auf Max Meyer. Markus Weinzierl hat den jungen Nationalspieler nach dem Bayern-Spiel öffentlich stark kritisiert. Angeblich steht das Eigengewächs für den nächsten Sommer gar auf der Verkaufsliste. Durchaus möglich, dass  Weinzierl, auf eine Trotzreaktion hoffend, Meyer in Gladbach eine erneute Chance gibt. Ebenso möglich ist es aber, dass der Mittelfeldmann sich erst einmal einen Stammplatz auf der Bank gesichert hat. Klar ist: im von Weinzierl bevorzugten System hat der zentrale offensive Mittelfeldspieler keine natürliche Heimat. Weiter verzichten muss Schalke auf den schussgewaltigen Verteidiger Naldo und den teuren aber bisher selten überzeugenden Avidjaj. Der in der Hinrunde gegen Gladbach doppelt erfolgreiche Breel Embolo gehört zu den zahlreichen Langzeitverletzten, wie auch Coke, Uchida, di Santo und Baba. Dass der Schalker Kader dennoch eine mehr als Prominente erste Elf plus Bank hergibt, zeigt deutlich, mit welchen Pfunden man in Gelsenkirchen wuchern kann - auch im Vergleich zu den Verhältnissen in Mönchengladbach.

Aufstellungen

Borussia: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt - Kramer, Dahoud - Herrmann, Hofmann - Stindl, Raffael

Schalke: Fährmann - Höwedes, Badstuber, Nastasic - Schöpf, Stambouli, Kolasinac - Goretzka, Bentaleb - Burgstaller, Caligiuri

SEITENWAHL-Tipps

Christian Spoo: Der Auftakt der Schalke-Wochen bei Borussia gelingt. Borussia macht es - gemessen an der eigenen Überlegenheit - zwar wieder spannender, als nötig. Unterm Strich bringt der 2:1-Sieg aber drei enorm wichtige Punkte, die den Anschluss an die internationalen Plätze bedeuten.

Michael Heinen: Zuhause wartet Borussia jetzt zwar schon seit knapp einem Monat auf einen Sieg. Gegen Schalke läuft es im Borussia-Park aber traditionell gut. So auch diesen Samstag, denn Borussia siegt mit 2:1.

Claus-Dieter Mayer: Müde Borussen gegen mittelmäßige Schalker, das ergibt nur ein 1:1 beim ersten Versuch.

Thomas Häcki: Es wird eine enge Partie. Nachdem die Borussia die Führung erzielt, hat Schalke nichts mehr entgegen zu setzen. Nach dem 1:0 Heimerfolg bleibt die Borussia in Lauerstellung.


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