Warnung
  • JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 76

Nach den jüngsten Erfolgen in der Bundesliga richtet sich der Blick an diesem Donnerstag wieder auf Europa. Im zweiten Gruppenspiel reisen die Borussen in die Schweiz und einige ihrer Protagonisten in die Vergangenheit. Lucien Favre und Raffael feierten einst beim FC Zürich gemeinsam große Erfolge. Während der Brasilianer ebenso wie Christoph Kramer und Fabian Johnson verletzungsbedingt in Gladbach bleiben wird, darf Borussias Trainer einen warmen Empfang der Zürcher Fans erwarten. Mit Yann Sommer und Granit Xhaka stehen zudem zwei Schweizer Nationalspieler unter besonderer Beobachtung, die früher beim Erzrivalen aus Basel unter Vertrag standen.

Doch fernab aller Emotionen geht es auch sportlich für beide Teams um eine ganze Menge, da der Verlierer der Partie gehörig unter Zugzwang geraten wird. Für die Eidgenossen wäre nach dem unerwarteten 2:3 im ersten Gruppenspiel bei Apollon Limassol ein Weiterkommen kaum noch zu erreichen. Und selbst Borussia sollte sich bei aller Euphorie über den gelungenen Saisonstart nicht zu sicher sein, bereits jetzt das Überwintern im Europapokal gebucht zu haben.

Immerhin trifft Borussia nämlich auf den aktuellen Tabellenzweiten der Schweizer Super League, der sich dort auf Augenhöhe mit dem FC Basel befindet. Gegen den Tabellenführer gab es vor einigen Wochen mit 1:4 die erste Saisonniederlage, der am vergangenen Sonntag bei den Young Boys aus Bern die zweite folgte. Dem stehen aber schon 6 Siege und 2 Remis gegenüber.

Mangelnde Effizienz im Sturm

Als Hauptproblem offenbarte sich in den vergangenen Wochen die mangelnde Effizienz im Torabschluss, die aber nicht überraschen kann. Mit Marco Gavranovic fällt der Top-Torjäger des Vorjahrs mit Kreuzbandriss für die gesamte Vorrunde aus. Der zweiterfolgreichste Torschütze Pedro Henrique wechselte vor Saisonbeginn zu Stade Rennes in die französische Ligue 1.

Die Sturmhoffnungen liegen daher nun primär auf dem Tunesier Amine Chermiti, der mit 4 Toren in der Liga und 3 in der EL-Quali eine akzeptable Bilanz vorweisen kann, nachdem er im Vorjahr nur ein einziges Tor zustande gebracht hatte. Der ganz große Torjäger wird der Tunesier nicht mehr werden, was ihn schon von 2008 bis 2010 bei der Hertha scheitern ließ, als er von Trainer Lucien Favre lediglich 10x eingewechselt wurde. Er ist ein 1,76 Meter kleiner, beweglicher Spieler und überzeugt mit seiner Schnelligkeit und Technik. Franck Etoundi dagegen ist ein klassischer Stoßstürmer, der zu viele Chancen liegen lässt und in der bisherigen Saison meist die Jokerrolle übernahm.

Flexible Spielweise mit breitem Mittelfeld

Trainer Urs Meier ist wie sein Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgänger ein Freund des flexiblen Spiels, wobei er ein System mit nur einer echten Spitze präferiert. Zumeist wechselt er zwischen einem mittlerweile als klassisch zu bezeichnenden 4-2-3-1 und einem moderneren 3-2-4-1. Allerdings befindet sich Meier in einer Zwickmühle, da er mit Yasine Chikhaoui ausgerechnet den kreativsten Kopf ersetzen muss, der das ohnehin verbesserungswürdige Offensivspiel der Züricher bislang noch am stärksten am Leben erhielt. Der Tunesier, der zuletzt meist die einsame Spitze in etwas hängender Rolle unterstützte, sah in Nikosia die Gelb-Rote Karte. Nach den Erfahrungen, die Paderborn und der HSV zuletzt mit ihrer offensiven Spielweise gegen Gladbach gemacht haben, dürfte der Züricher Coach in eher defensiver Weise auf diese Zwangsumstellung reagieren und das Duo Chermiti/Etoundi ggf. erst im späteren Spielverlauf gemeinsam ins Rennen schicken.

Das extrem breit aufgestellte Mittelfeld wird in der Offensive von Davide Chiumiento angeführt, der mit seinen 29 Jahren auf eine bewegte Karriere der verpassten Chancen zurückblickt. Als junges Talent war er einst in die Kaderschmiede von Juventus Turin gewechselt, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte. 2004 schlug er sogar eine Berufung in den Schweizer EM-Kader aus, weil er später lieber für Italien spielen wollte. Als sich dies nicht erfüllte, kam er 2010 immerhin zu einem Länderspiel für die Schweizer Nati. Zu mehr als zu einem Stammplatz in der Schweizer Liga reichte sein Talent dann schlussendlich aber doch nicht. Dabei hat Chiumiento gute Anlagen und alles, was einen klassischen 10er auszeichnet. Er ist spielstark und kreativ und kann gute Pässe spielen. Mit 5 Toren ist er in dieser Saison zudem bislang erstaunlich torgefährlich, nachdem er vorige Saison noch ganz ohne Ligatreffer geblieben war. Er benötigt für sein Spiel aber entsprechende Freiheiten. Wird er gut zugedeckt, lässt er sich relativ leicht aus dem Spiel nehmen, was der starken Gladbacher Defensive zuzutrauen sein sollte.

Auf den Außenbahnen ist links Marco Schönbächler zu erwarten, den Lucien Favre einst als einen "fantastischen Spieler" bezeichnete. Der inzwischen 24jährige kommt aus der eigenen Jugend und schaffte 2007 noch unter Favre den Durchbruch. Mit Chermiti und Torwart da Costa gehört er zu den Akteuren, die Borussias Coach bereits trainiert hat. Schönbächler ist sehr laufstark und arbeitsam. Seine Torgefährlichkeit lässt aber wie bei den meisten seiner Mitspieler einiges zu wünschen übrig.

Rechts wartet mit Avi Rikan der vielseitigste Akteur im Team auf seinen Einsatz. Der 3fache israelische Nationalspieler kann im Mittelfeld auf verschiedenen Positionen spielen und ist damit ein Kandidat, um den gesperrten Chikhaoui positionsgetreu zu ersetzen. Von den Fans wurde er voriges Jahr in seiner ersten Spielzeit sogleich zum Zürcher Spieler der Saison gewählt. Der 26jährige ist klein und wuselig und in der Lage, das ganze Spiel über die Linie rauf und runter zu laufen.

Yapi-Yapo und Chiumiento als Schalterspieler

Im defensiven Mittelfeld hat sich mit Gilles Yapi-Yapo und Burim Kukeli ein gut harmonierendes Pärchen gefunden. Der 46fache ivorische Nationalspieler ist ebenso ballsicher wie erfahren und der offensivere Part. Mit seinen 32 Jahren hat er die beste Zeit seiner Karriere aber schon hinter sich. Kukeli ist hingegen der Wasserträger, der den Spielern in der Offensive - also primär Chiumiento und ansonsten auch Chikhaoui - die Defensivarbeit abnimmt. Als Kosovo-Albaner wird er sich in der Mittelfeld-Zentrale auf einige interessante Begegnungen mit Landsmann Granit Xhaka freuen.

Den noch fehlenden Posten im Mittelfeld könnte z. B. Oliver Buff ausfüllen, der zuletzt meist von der Bank kam und im Mittelfeld vielseitig einsetzbar ist. Zu beachten sind primär Yapi-Yapo und Chiumiento mit ihrem gepflegten Passspiel. Der Ausfall von Chikhaoui sollte dem Offensivspiel der Schweizer, das gelegentlich wenig zielstrebig und effizient ist, aber alles andere als gut tun. Dies umso mehr, als der Kader des FC Zürich in der Breite nicht annähernd so stark besetzt ist wie der Gladbacher.

Kompakte, aber nicht unverwundbare Defensive

In der Defensive ist der FC Zürich zumindest für Schweizer Verhältnisse gut ausgestattet. 11 Gegentore aus den ersten 9 Spielen sind der niedrigste Wert in der Schweizer Liga. Gegen stärkere Gegner zeigt man sich aber anfällig. So konnten ihnen der FC Basel 4, Young Boys Bern 2 und selbst Apollon Limassol 3 Gegentore zufügen.

Vor dem nicht fehlerlosen, aber dennoch unumstrittenen David da Costa im Tor steht mit Berat Djimisti, Philippe Koch und Ivan Kecojevic eine eingespielte Dreierkette, die gehobenen Schweizer Ansprüchen genügt, international aber eher als unterdurchschnittlich anzusehen ist. Diese Einschätzung kann auch ganz allgemein auf das Team übertragen werden, das keineswegs zu unterschätzen ist und die Borussia an einem guten Tag in Verlegenheit bringen kann. Im Normalfall verfügt die aktuelle Elf von Lucien Favre aber über die deutlich größere individuelle Qualität und sollte selbst im Letzigrund als klarer Favorit gelten.

Die Rätsel der Rotation 

Dies umso mehr, da mindestens 8.000 der voraussichtlich knapp 20.000 Zuschauer die Elf vom Niederrhein unterstützen und das Zürcher Stadion in einen kleinen Borussia-Park verwandeln werden. Weit schwerer als die Anzahl der mitreisenden Fans ist die Startformation vorherzusagen, für die sich Lucien Favre dieses Mal entscheiden wird. Fernab der erneut zu erwartenden Rotation werden zwei der besten Stammspieler die Reise in die Schweiz gar nicht erst antreten. Raffael wird somit ausgerechnet die Partie bei seinem Ex-Klub verpassen, für den sich drei Alternativen anbieten. Ihn könnte - wie gegen Villarreal - Branimir Hrgota ersetzen. Oder Thorgan Hazard erhält nach dem Startelfdebüt gegen Hamburg nunmehr eine Chance auf seiner Lieblingsposition hinter der Spitze. Aber auch Ibrahima Traoré hat in der Vorsaison in Stuttgart gute Leistungen im Mittelfeldzentrum gezeigt. Für den an der Wade verletzten Christoph Kramer darf sich Havard Nordtveit endlich mal wieder auf einen Startelfeinsatz freuen. Auch Fabian Johnson, der zuletzt bereits in Paderborn fehlte, wird für zukünftige Aufgaben geschont und auf die Reise in die Schweiz verzichten.

FC Zürich: da Costa - P. Koch, Kecojevic, Djimisti - Yapi-Yapo, Kukeli - Rikan, Buff, Schönbächler - Chiumento - Chermiti

Borussia: Sommer - Korb, Jantschke, Stranzl, Dominguez - Herrmann, Xhaka, Nordtveit, Hahn - Hrgota, Kruse

SEITENWAHL-TIPPS

Michael Heinen: Es könnte eine zähe Angelegenheit werden. Am Ende sollte Borussia aber die Klasse haben, um den FC Zürich - knapp aber verdient - mit 2:1 zu besiegen.

Thomas Häcki: Zum zweiten Mal gibt es für Lucien Favre ein Wiedersehen. Nachdem bereits die Hertha schmerzhaft erfahren musste, wen sie einst vom Hof gejagt hat, wird nun Zürich wehmütig daran erinnert, wen sie einst ziehen lassen mussten. Der 2:1-Erfolg in der Schweiz bringt die Borussia in eine gute Ausgangsposition.

Christoph Clausen: Durch Verletzungen geschwächt, kommt die Borussia in Zürich nach beidseitig attraktivem Spiel zu einem 1:1-Unentschieden.

Christian Spoo: Die Bayernjäger geben sich die Ehre. Die 1:2-Niederlage in Zürich bringt Borussia wieder auf den Boden und sorgt dafür, dass man sich um das Überwintern im Europapokal Sorgen machen muss.


Folge uns auf Twitter