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Kommenden Donnerstag ist es soweit. Dann wird Jogi Löw 23 Spieler benennen, die aller Voraussicht nach mit nach Brasilien reisen werden. Jetzt schon steht fest, dass es auch dann noch einige Fragezeichen geben wird, da einige wichtige Spieler, wie z. B. Sami Khedira oder Miroslav Klose, zuletzt längere Zeit verletzt waren und noch nicht zu 100% fit sind. Auf der einen oder anderen Position wird sich Löw noch Optionen für einen späteren Wechsel offen lassen, abhängig vom Fitnesszustand der angeschlagenen Akteure. So wird auch der üblichen Benennung der "stillen Reserve" eine hohe Bedeutung zukommen, zumal am 13. Mai noch das Länderspiel gegen Polen auf dem Programm steht, bei dem ein Großteil der Stammspieler nicht einsatzfähig sein wird. In den folgenden Tagen bis zum Donnerstag werden wir die einzelnen Positionen durchleuchten und eine Prognose für den möglichen WM-Kader abgeben. Immerhin gehören mit ter Stegen, Kruse und Hahn gleich drei (aktuelle bzw. zukünftige) Borussen-Spieler zum erweiterten Kandidatenkreis. Den Anfang macht heute der Noch-Borusse Marc-André ter Stegen, der im DFB-Tor allerdings eine ganz besondere Konkurrenzsituation vorfindet.

Gesichert ist auf dieser Position lediglich die Nominierung von Manuel Neuer, der nach einer erneut starken Saison beim FC Bayern München zurecht unumstritten als Nr. 1 des Landes gilt. Die beiden Plätze hinter ihm sind dagegen heiß umkämpft. Hoffnungen dürfen sich nicht weniger als 7 Keeper machen. Dank der Dortmunder Medien-Lobby scheint Roman Weidenfeller die besten Chancen zu haben, vermutlich sogar als Nr. 2 an den Zuckerhut fahren zu dürfen. Wäre die WM vor einem Jahr ausgetragen worden, hätte dies sogar seine sportliche Berechtigung gehabt, da der bullige Ex-Lauterer in der Vorsaison 2012/13 die mit Abstand beste Spielzeit seiner langen Karriere vorweisen konnte. Von diesem Glanz ist in dieser Saison aber nur wenig übrig geblieben. Überragende Auftritte, in denen er seiner Mannschaft Punkte gerettet hätte, sind in den letzten 10 Monaten so gut wie gar nicht zu finden. Am ehesten ließ er noch in den beiden Spielen gegen Real Madrid aufhorchen, wo er immerhin mal Leistungen abrief, wie sie bei einem Marc-André ter Stegen allerdings zum wöchentlichen Alltag gehören. Auf der anderen Seite patzte Weidenfeller in der CL-Vorrunde dreifach, indem er seine Elf in Neapel per unnötiger Roter Karte auf die Verlierer-Straße brachte und gegen Arsenal und Marseille je 1 Tor (mit)verschuldete. Zuletzt dilettierte er in der Liga beim 45-Meter-Freistoß von Calhanoglu, bei Kruses Tanz-Tor sowie am deutlichsten dieses Wochenende gegen Hoffenheim. Eigentlich keine guten Argumente für eine WM-Nominierung, was im Sinne der Leistungsgerechtigkeit hoffentlich auch den DFB-Verantwortlichen nicht verborgen geblieben ist.

Geradezu Weltklasse sind Weidenfellers Leistungen aber im Vergleich zu dem, was Rene Adler in dieser Saison zustande bringt. Es mag nicht allzu dankbar sein, hinter dem Hamburger Trümmerhaufen im Tor stehen zu müssen. Dies entschuldigt aber dennoch nicht für Aussetzer in Serie, wie sie die einstige Nr. 1 Deutschlands mittlerweile vorträgt. Bis vor kurzem galt der sympathische Leipziger noch als Nr. 2. Auch diesen Status dürfte er inzwischen eingebüßt haben. Schwer vorstellbar, dass Jogi Löw ihn in der aktuellen Form noch ernsthaft in Erwägung zieht.

Die große Unbekannte ist Ron-Robert Zieler, der bei Hannover seit Jahren konstant seine Leistungen abruft und dabei wenig falsch macht. Aufgrund seiner etwas biederen Art wird der Keeper von vielen Fußball-Fans unterschätzt. Nichtsdestotrotz gehört er insgesamt eher nicht zu den drei besten Torhütern, die dieses Land vorzuweisen hat. Allzu großes Entwicklungspotential ist von ihm zudem nicht mehr zu erwarten. Borussia entschied sich bei der Torwartsuche nicht ohne Grund gegen ihn und hätte ihm sogar noch den Freiburger Baumann vorgezogen, da Zieler fußballerisch schwach und somit kein allzu moderner Torhüter ist. Da auch seine bisherigen Auftritte in der Nationalelf durchwachsen waren, spricht wenig für eine Nominierung des gebürtigen Kölners.

Die Frage stellt sich allerdings, ob Löw tatsächlich 1-2 Keeper nominiert, die er zuvor noch kein einziges Mal in seinem Kader begutachtet hat. Einzig von Marc-André ter Stegen konnte er sich bereits ein Bild machen, das allerdings in bislang 3 Länderspielen ziemlich katastrophal ausfiel: 12 Gegentore, an denen der Youngster teilweise nicht ganz schuldlos war, mit dem Höhepunkt des Slapstick-Tors gegen die USA, das er vor kurzem in Braunschweig noch einmal nachhaltig in Erinnerung rief. Sollte ter Stegen im Sommer frei haben, so hat er dies seinem unerklärlich schwachen Nervenkostüm im Nationaltrikot zu verdanken. Aus diesem Grund wurde er in dieser Saison auch kein einziges Mal mehr von Löw eingeladen, was ein eher schlechtes Zeichen für die anstehende Nominierung sein dürfte. Nimmt man die Leistungen dieser Spielzeit zum Maßstab, so führt aber dennoch kein Weg vorbei am zukünftigen Barca-Keeper. ter Stegen überragt Woche für Woche und ist zudem mit seiner Präsenz ein ganz wesentlicher Faktor für Borussias Erfolge der jüngsten Vergangenheit. Die Selbstverständlichkeit, mit der er Flanken herunter pflückt, und sein modernes Torwartspiel heben ihn von all seinen Konkurrenten im DFB-Tor außer Neuer deutlich ab. Zudem gehört er auch mit seinen Reflexen auf der Linie zu den allerbesten, wie nicht erst seine Wahnsinns-Parade gegen Mainz nachwies.

Am ehesten mit den Leistungen ter Stegens mithalten kann noch ein Bernd Leno, der in Leverkusen ebenfalls eine starke Saison spielt und seit Jahren auf höchstem Niveau agiert. Umso verwunderlicher, dass Löw den U21-Keeper noch kein einziges Mal in seinem Kader berücksichtigt hat. Leno hat somit noch nicht den Makel schwacher Spiele im Nationaldress, den Zieler und ter Stegen mit sich herumschleppen. Zudem verfügt er inzwischen über eine nicht zu verachtende internationale Erfahrung von 16 Champions League-Spielen.

Dies kann Kevin Trapp zwar nicht vorweisen, aber auch der Frankfurter spielt eine sehr gute Saison und hätte sich eine Nominierung durchaus verdient. Die Bild-Zeitung brachte ihn hierfür zuletzt ins Gespräch, was bei der üblichen Trefferquote dieser "Zeitung" ein eher schlechtes Zeichen für den Wahl-Hessen darstellt. Noch vehementer wird von einigen Medien absurderweise die Werbetrommel für den Schalker Ralf Fährmann gerührt. Dieser spielt zweifelsohne eine gute Rückrunde. Es wäre aber eine Unverschämtheit, wenn ein halbes Jahr auf hohem Niveau ausreichen würde, um sich direkt an einer Fülle von Kandidaten vorbeizuarbeiten, die selbige Top-Leistungen über Jahre hinweg abgeliefert haben.

Prognose:  Denkt Löw konservativ, so müsste er das Trio Neuer, Weidenfeller, Zieler nominieren, da er diese in den letzten Jahren am häufigsten nominierte und Rene Adler völlig neben der Spur ist. Schon bei der EM 2012 bewies Löw ein gewisses Faible für Zieler, den er als Nr. 3 hinter Neuer und Wiese mit nach Polen nahm. Wahrscheinlicher aber erscheint, dass der Bundestrainer dieses Jahr neben den etablierten Neuer und Weidenfeller einen zukunftsträchtigeren jungen Keeper als Nr. 3 beruft. Beste Aussichten sollte hier Bernd Leno haben.

Beweist Löw Mut, so muss er anstelle von Weidenfeller auf jeden Fall Marc-André ter Stegen mitnehmen, der leistungsmäßig deutlich höher anzusiedeln ist als sein Dortmunder Pendant. Auch die Tatsache, dass ter Stegen und Leno sich nicht allerbestens verstehen, sollte kein Hinderungsgrund sein. Aus der gemeinsamen Jugendzeit kennen die beiden diese Konkurrenzsituation und werden damit umzugehen wissen. Das anstehende Polen-Spiel, bei dem Neuer nicht zur Verfügung steht, wäre eine hervorragende Gelegenheit, um ter Stegen noch einmal die Gelegenheit zu geben, im Nationaldress seine Normalform abzurufen. Es wäre bitter, wenn Jogi Löw mit dem Noch-Borussen ausgerechnet den Mann zuhause lässt, der als einziger deutscher Torhüter in den nächsten Jahren Ambitionen haben dürfte, zu Manuel Neuer ernsthaft in Konkurrenz zu treten. Eine Entscheidung gegen ter Stegen wäre eine Entscheidung gegen die Zukunft. Es steht aber zu befürchten, dass der Bundestrainer eine solche treffen wird.


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