Hereinspaziert, meine Damen und Herren, immer herein bei Borussia Mönchengladbach, der größten Attraktion hier auf dem Bundesligarummel: Der nicht endenwollenden Achterbahn. So viel rauf und runter kriegen Sie woanders nicht so leicht geboten, nicht so hoch und tief und schon gar nicht so schnell hintereinander. Und wenn jemand glaubt, es geht nicht mehr turbulenter, wartet schon die nächste dramatische Kehrtwende mit Salto. Nur herein, hier ist immer was los!

Aber in Wirklichkeit kann kein Zirkus oder Vergnügungspark auch nur annähernd den Ausschlag an Gefühlen bieten, den man bei der Borussia aus Mönchengladbach erleben kann. In dieser Spannweite zwischen Auf und Nieder können die Fans auf eines der buntesten Jahre zurückblicken, die es in 116 davon je gegeben hat. Da gab es erst den jahrelangen, stetigen Aufschwung unter Lucien Favre, der in der ersten Jahreshälfte in einem steilen, glanzvollen Aufstieg und dem dritten Platz kulminierte und in einer Rückrunde, die auf einem ernsthaften Meisterkandidaten-Niveau lag. Alles schien so planmäßig voran zu gehen; fast jeder Bundesligist nannte die Borussen als Vorbild.

Das schlimmste, was beinharte Pessimisten sich im Sommer für das kommende Jahr vorstellen konnten, war eine Qualifikation für die Europa League. Das war noch Mitte August, ein knappes halbes Jahr her.  Einen Monat später war die Borussia nach 5 schrecklichen Spieltagen punktloser Tabellenletzter und Lucien Favre selbstgewählte Geschichte. Die Achterbahn war nicht nur auf Talfahrt gegangen, sie war glatt aus den Schienen geflogen und im freien Fall.

Nur einen kurzen Blick ins Spiel gegen Augsburg hinein war die Bahn wieder auf den Gleisen und jagte wenige Minuten später steil nach oben. Nach 20 Minuten hatte Augsburg vier Treffer kassiert und fühlte sich wie vom Zug überfahren, bevor der Rest des Spiels noch mal zu einer eigenen Berg- und Talfahrt geriet. Aber für die Borussia ging die Fahrt weiter bergauf, die Auswärtsspiele wurden mit 3:1, 4:1, 5:1 zu neuen Höhepunkten der Achterbahn. Da gerieten selbst die erprobten Karusselbremser aus Bayern unter die Räder und Fußballdeutschland staunte über die Mannschaft, die aus einem fürchterlichen K.O. zu Beginn nun grenzenlose Kraft bezog. Das ist jetzt zwei Monate her. Dem Magazin "11 Freunde" war das bunte Auf und Nieder im Dezember-Magazin eine Story wert, die unter dem Eindruck des Erfolgs entstanden ist und viele Gemeinsamkeiten bei Schubert und Favre feststellt.

Seit dem sind drei von vier Ligaspielen verloren gegangen, angefangen mit einem fürchterlichen 0:5 in Leverkusen, auch das 1:3 gegen Dortmund zum Rückrundenstart war nicht berauschend, das Pokalaus gegen Bremen kam mit einem wilden 3:4. "Gegentorfabrik" lautete ein Schlagwort der letzten Tage, der "Kicker" sieht die Situation für Schubert kompliziert, Dietmar Hamann macht sich via "Spiegel" Sorgen um die Fohlen. Der hinreissende Sieg über die unschlagbaren, galaktischen Bayern ist erst zwei Monate her, schon zwei Monate, die Achterbahn fährt immer schneller.

In der gegenwärtigen, zerrissenen Lage findet jeder seinen eigenen Ansatz für eine Erklärung und Vorhersage. Im Vergleich dazu war es im Sommer wunderbar ruhig und dennoch hat keiner kommen sehen, was dann kam. Woran will man jetzt ein Tau festmachen? Das Verletzungspech hat eine Rolle gespielt, wurde zwischendurch aber auch locker überspielt. Der Weggang von Kruse und Kramer war sicher bedeutender als im Sommer noch angenommen, dafür hat Stindl seinen Platz als Neukruse mit Autorität eingenommen während Dahoud nicht weniger läuft als Kramer und sich europaweit als eines der beachtenswertesten Talente in den Vordergrund gespielt hat.

Dafür spielt Dahoud fast hinter den Hacken von Raffael und Stindl und Xhaka, wenn er gerade nicht gesperrt ist, muss den Laden hinten schmeißen, dabei gilt auch er mehr als Spielmacher auf der Sechs denn als Abräumer. Und in Wendt hat die Borussia einen der extravagantesten Linksverteidiger, der je zu sehen war. Nicht mal jeder nominelle Linksaußen spielt so nahe der gegnerischen Eckfahne wie der angriffslustige Schwede und so mancher davon ist öfter hinten zu finden.

Extrem offensiv in den Einzelspielern und in der Aufstellung: Das rasante, aufregende, das schon unheimlich unberechenbare Spiel der Borussen gibt der Achterbahn den vollen Anschub. Fans mit kardiologischer Diagnose können sich damit trösten, dass der Auftritt gegen Mainz dagegen trotz der Niederlage schon fast "normal" war, normal in der Hinsicht, dass die Spielanlage nicht übertrieben offensiv schien und bei nur halbwegs ausreichender Chancenverwertung ein Unentschieden undramatisch und verdient gewesen wäre.

Noch ist nicht klar, in welche Richtung die nächste Kurve der Achterbahn geht, dergestalt dass Schubert entweder die hoch stehende Abwehr etwas zurücknimmt oder darauf vertraut, dass bei einer besseren Abstimmung die Bälle früher gewonnen werden. Ohne einen schnellen Innenverteidiger wie Dominguez wird so ein System leichter problematisch, Neuzugang Hinteregger wird auf diesem Niveau erst noch geprüft.

Den Gästen aus Bremen wird es Recht sein; nach bereits zwei Siegen in dieser Saison sieht man dort auch die dritte Gelegenheit, zu punkten. Viktor Skripnik ist einer der wenigen Trainer, der regelmäßig zwei Spitzen aufbietet, was gegen die ständig neuformierte Viererkette der Borussen schon nicht ohne Gefahr ist. Beim zirkusreifen Spektakel anlässlich der Gladbacher Pokalniederlage konnten die Bremer mit dieser Variante ständig Brandherde im gegnerischen Strafraum legen. Von daher darf man damit rechnen, dass Werder sich nicht verstecken wird, um zum einen die Borussenoffensive frühzeitig aus dem Spiel zu  nehmen und zum anderen erneut die Männer vor Yann Sommer in Verlegenheit zu bringen.

Trotz knapper Finanzen hat Thomas Eichin seinem Trainer eine Reihe Neuzugänge spendierne können, von denen der von Chelsea ausgeliehene Papy Djilobodji direkt einen Stammplatz in der Innenverteidigung erobert hat und am Freitag in der Startelf stehen sollte. Der talentierte Ungar Laszlo Kleinheisler hat bei der Einwechslung gegen Berlin gute Eindrücke hinterlassen und könnte ebenfalls von Beginn an spielen. Insgesamt scheint es bei der Mannschaft von der Weser fußballerisch und in Sachen Moral leicht voran zu gehen und dummerweise hat sie gerade einen neuen Lieblingsgegner entdeckt.

Nicht, dass die Borussen nicht trotzdem auf Sieg spielen sollten. Aber weder Spieler noch Fans sollten Werder Bremen kommenden Freitag am Tabellenplatz messen.

Achterbahnpersonal:

Borussia:

Sommer; Korb, Christensen, Hinteregger, Wendt; Traoré, Nordtveit, Dahoud, Johnson; Raffael, Stindl

Werder:

Wiedwald; Gebre Selassie; Vestergaard; Djilobodji; Garcia; Öztunali, Fritz, Junuzovic, Kleinheisler; Pizarro, Ujah

SEITENWAHL-Tipps:

Christian Heimanns: Das ist die Borussen-Achterbahn und kein Base Jumping. Es muss also wieder aufwärts gehen, und zwar mit einem 3:1.

Michael Heinen: Borussia spielt am schwarzen Freitag abend gegen den Gegner, der ihm in dieser Saison schon 2 bittere Niederlagen beibrachte und der sich zuletzt mit guter Form und Moral ausgezeichnet hat. Nicht die besten Voraussetzungen für die Wende zum Guten. Leider lasse ich mich bei meinen Tipps viel zu oft von Statistiken und Formkurven leiten. Ich befürchte, es gibt eine weitere Niederlage und Borussia verliert unglücklich 1:2.

Thomas Häcki: Drei Mal ist Bremer Recht. Und sie haben das Recht, die Punkte im Rheinland zu lassen. Warum? Weil wir sie brauchen, sonst wird es ungemütlich. 2:1 für die Borussia

Christian Spoo: Es ist ja nicht alles schlecht. Irgendwie würgt sich Borussia zu einem hässlichen 2:1-Sieg.

Christoph Clausen: Wenn selbst das Spoorakel einen Sieg tippt, muss irgend jemand ja die Spaßbremse machen: Borussia kommt gegen Bremen über ein 1:1 nicht hinaus.

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  • 23. September 2021 @hannoderbus Werner Föckler (Weisenheim)
  • 23. September 2021 @Peter_Ahrens Gehen inzwischen alle Hauptstadtborussen immer zu TeBe?
  • 23. September 2021 @AngryZorniger MV hätte es geliked!
  • 23. September 2021 @Neun_Drei Na siehste, Ihr Bruder ist jetzt Deutschlands U21-Nationaltrainer!
  • 23. September 2021 @schomberg @s_hermanns 1984 war leider nur fast ein super Jahr.

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