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vfb-stuttgartIn einer Woche zwei Spiele zu den eigenen Gunsten gedreht, in Bundesliga und Europa-League gut im Geschäft und zuletzt in sechs Spielen über 90 Minuten ohne Niederlage – über dem Borussia-Park scheint nach einigen schweren Wochen wieder häufiger (wenn auch in düsteren Herbstzeiten meist metaphorisch) die Sonne. Spielerisch und vor allem defensiv zeigt man sich zwar noch längst nicht so stabil wie in der starken Vorsaison, doch dank hoher Einsatzbereitschaft, gelegentliche individueller Gei stesblitze und eine r tollen Moral hat sich die Mannschaft von Lucien Favre regelrecht in die Saison reingebissen und scheint auch die andauernde Mehrfachbelastung überraschend gut zu verdauen.

 

Mit dem VfB Stuttgart wartet an diesem Samstag ein Gegner, der mit vergleichbaren Vorgaben in die 50. Bundesliga-Saison gestartet ist: Als Sechster der Vorjahrestabelle sind die Stuttgarter ebenfalls fleißig in Europa unterwegs, treten im Ligaalltag oft sonntags an und haben mit ähnlichen Rhythmusproblemen zu kämpfen, wie sie bei der Borussia gerade zu Beginn der Saison vielfach auszumachen waren.

 

Auf der anderen Seite verdeutlicht nicht nur das Ergebnis des vergangenen Wochenendes, als der VfB zeitgleich zu Borussias 2:4-Auswärtssieg in Fürth mit dem gleichen Ergebnis daheim gegen Hannover nach Führung noch verlor, wo die Unterschiede zwischen den Schwaben und der Elf vom Niederrhein auf den zweiten Blick liegen. In der Tabelle trennen beide derzeit drei Punkte – der zwölfte Spieltag könnte für beide Mannschaften richtungsweisend sein.


Stuttgarter Erwartungen

 

Auch in Stuttgart war man vor der Saison mit klaren Zielvorgaben eher zurückhaltend. Doch im Gegensatz zum leiderprobten Gladbacher Umfeld lässt sich ein Jahr ohne Erreichen eines internationalen Wettbewerbs in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs ungleich schwerer vermitteln – zumal eine erneut überragende Rückrunde in der vergangenen Spielzeit die Hoffnungen befeuerte, mit nahezu unveränderter Mannschaft (aus der ersten Elf des Vorjahres verließ nur Julian Schieber den Verein in Richtung Dortmund) endlich wieder von Beginn an im oberen Tabellendrittel mitzuspielen.

 

Doch der Start missglückte einmal mehr: Ibisevics bemerkenswerter Elfmeter-Lapsus und die Heimniederlage gegen Wolfsburg schienen die Mannschaft so nachhaltig verunsichert zu haben, dass sich die Punkteausbeute aus den ersten Spielen in starken Grenzen hielt. Trainer Bruno Labbadia sah sich schnell öffentlicher Kritik ausgesetzt. Zuletzt schien man jedoch national wie international deutlich die Kurve bekommen zu haben, eine Serie von sieben ungeschlagenen Spielen wurde erst von der überraschenden Pleite am letzten Sonntag gestoppt.

 

So spielt der VfB

 

Aber abseits der Ergebnisse passt es auch ins Bild, dass sich der VfB die zwei-Tore-Führung gegen Hannover in nicht einmal 20 Minuten noch nehmen ließ: Trotz guter Individualisten auf nahezu allen Positionen und starker spielerischen Phasen, in denen man einen Gegner klar zu beherrschen weiß, fehlte es den Stuttgartern immer wieder an der nötigen fußballerischen Konstanz und Balance, um am Ende auch erfolgreich zu sein.

 

VfB-Kenner suchen die Gründe für die Schwankungen vor allem in der kräfteraubenden und aggressiven Spielweise, die der Mannschaft vom Trainerstab verordnet wird. In dieser Saison setzt Labbadia meist auf ein 4-1-4-1-System, in dem Kvist als einziger echter Sechser und Ibisevic als Stoßstürmer die Fixpunkte bilden. Dazwischen soll eine „Doppel-Acht“ die gegnerischen Aufbauspieler früh attackieren und in der Offensive das Kreativspiel ankurbeln. Mit dem jungen Holzhauser und Christian Gentner verfügt Stuttgart hier über zwei robuste, aber zugleich technisch beschlagene Spieler, von denen gerade letzterer seine Torgefahr bereits vielfach nachgewiesen hat. Auch stehen mit Kuzmanovic und dem verdrängten Spielmacher Hajnal fast gleichwertige Alternativen bereit.

 

Das kompakte Mittelfeld wird durch zwei waschechte Flügelspieler ergänzt, die allen voran Torjäger Ibisevic mit Flanken versorgen sollen, sodass der VfB in der Offensive fast in einem klassischen 4-3-3 agiert. Auf der linken Seite hat hier der dribbelstarke Ibrahima Traoré derzeit einen Vorsprung vor dem nicht weniger quirligen japanischen Nationalstürmer Okazaki. Hingegen scheint Martin Harnik die Rechtsaußen-Position weniger gut zu bekommen. Zwar gilt Stuttgarts Top-Torschütze der vergangenen Saison nach wie vor als gesetzt, kann jedoch weit draußen seine Abschlussstärke seltener einbringen und reibt sich häufiger in Zweikämpfen auf.

 

In der Verteidigung ist die solide Erstbesetzung vor Ulreich, das Duo Tasci und Niedermeier, für das Spiel gegen Borussia fraglich. Erste Alternativen für die Innenverteidigung sind der zuletzt verunsichert wirkende Maza und U21-Nationalspieler Rüdiger, der beim 0:3 Auswärtssieg der Borussia im Frühjahr ein unglückliches Bundesliga-Debüt rechts hinten gab. Als aktueller Rechtsverteidiger konnte sich Gotoku Sakai etablieren, links streiten sich die Hitzköpfe Boka und Molinaro um den Startplatz – beide mit Stärken im Spiel nach vorn, aber teilweise eklatanten Schwächen bei Stellungsspiel und Zweikampfführung.

 

Das muss Borussia tun

 

Mit seinem kraftbetonten Pressing und dem breit angelegten Offensivspiel sind die Stuttgarter stets gefährlich – doch sie laufen auch selber Gefahr, dass ihnen – wie in der Schlussphase gegen Leverkusen oder Hannover – am Ende schlicht die Puste ausgeht. Trainer Labbadia wurde in diesen Situationen schon häufiger für seine konservativen und späten Wechsel kritisiert – eine der eher wenigen Eigenschaften, die der Darmstädter wohl mit Lucien Favre gemein hat. Auch bekommt man hin und wieder den Eindruck, dass es der Mannschaft bei Rückstand nicht nur an Kraft, sondern auch dem letzten Willen zu fehlen scheint, um ein Spiel in der Schlussphase noch zu drehen.

 

Hier werden einmal mehr Unterschiede zur derzeitigen Form der Borussia deutlich, die momentan auf dem Platz eher individuell nicht durchgängig zu überzeugen weiß, jedoch mit einem vertrauten System und einer geschlossenen Mannschaftsleistung den ein oder anderen Lapsus zu kompensieren weiß.

 

Wie so häufig sind bei der Favre-Truppe auch am Samstag kaum Veränderungen in der Startformation zu erwarten. Erste Aufgabe wird es sein, das spielstarke Mittelfeld der Stuttgarter offensiv in Zaum zu halten. Sollte es eleichzeitig gelingen, bei eigenem Angriff die Doppel-Acht mit schnellen Pässen zu überspielen, ist der VfB vor und im eigenen Strafraum verwundbar. Dafür ist aber zunächst eine erneute Verbesserung der Ballsicherheit von Nöten, um den Gegner dauerhaft in Bewegung zu halten und so Raum für gezielte Kreativaktionen über Hanke, Arango oder Rupp zu schaffen.

 


Aufstellungen:

 

VfB Stuttgart: Ulreich - G. Sakai, Tasci (Maza), Niedermeier, Boka - Kvist - Gentner, Holzhauser - Harnik, Traoré - Ibisevic

 

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt – Marx, Nordtveit – Rupp, Arango – Hanke, Herrmann

 


Seitenwahl-Prognose:

 

Christian Grünewald: Beide Mannschaften können Tore schießen, beide zeigen regelmäßig Schwächen in der Defensive, beiden fehlt über 90 Minuten die Konstanz – einem unterhaltsamen 2:2 steht nichts im Wege.


Christian Heimanns: Die Serie der Borussen setzt sich fort, die in den letzten Spielen immer zwei Tore kassiert und mindestens zwei geschossen haben. Auf ein lupenreines 2:2.


Christoph Clausen: Kollege Heimanns hat Recht.


Michael Heinen: Gegen Stuttgart wird sich Borussia noch weiter steigern müssen, um punkten zu können. Am Ende reicht es zu einem 1:1.


Christian Spoo: Borussia spielt wie gegen Fürth. Das reicht gegen Stuttgart nur für zwei eigene Treffer. Die beiden Gegentore gibt's trotzdem.



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