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1. FC KölnEben das Nein zur Unabhängigkeit, jetzt steht in der Wolle gefärbten Schotten die nächste seelische Prüfung bevor. Zumindest wenn sie sich am Sonntag ins Fußballstadion zu Köln verirren. Dort nämlich verfiel man mangels eigener musikalischer Ideen darauf, im Land der Kilts und Ceilidhs zu wildern. Das wunderbare „Loch Lomond“ wurde zu einem grauenhaften Schunkelstück entstellt: "Mer stonn zu dir, FC Kölle", eine klingende Kamelle, süßlich, klebrig und unbekömmlich. Wer „Loch Lomond“ von der schottischen Folkrockband Runrig gehört hat, kann ermessen, welches musikalische Verbrechen in Müngersdorf regelmäßig begangen wird. Warum ist die kölsche Version noch nicht als biologischer Kampfstoff geächtet worden? Wo ist die UNO, wenn man sie braucht?

Oder tun wir den Kölnern unrecht? Ist das Ganze eine besonders subtile Form der Selbstironie? Die sich nur denen erschließt, die genauer hinsehen? Die wissen, dass es im Originalrefrain „You’ll take the high road and I’ll take the low road“ heißt und dass dies, von Kölnern an Gladbacher gerichtet, eine erstaunlich realistische Saisonprognose abgeben würde? Die überdies die feinsinnige Ironie darin bemerken, dass in "Loch Lomond" ein zum Tode (fußballerische Entsprechung: zum Abstieg) Verurteilter singt?


Von solchem Schicksal sieht man sich in Köln allerdings zurzeit weit entfernt. Immerhin steht man vor dem 4. Spieltag auf einem grundsoliden 9. Platz, ungeschlagen und als einziger Club im Profifußball ohne Gegentor. Während sich manche einen Köln-untypischen Realismus bewahrt haben, schlagen andere schon wieder forsche Töne an. „Es muss aber auch erstmal ein Gegner kommen, der uns ausspielt und Tore gegen uns erzielt“ meint Timo Horn. Und Miso Brecko findet, man sollte „nicht übertreiben und Gladbach zu gut“ machen. Auf Gladbacher Seite antwortete Granit Xhaka in gleicher Münze. Es sei Zeit, dass der Kölner Keeper „mal die Bälle aus dem Netz holt“.

Verbal scharmützelt es vor dem Derby also schon zünftig. Sportlich könnte das Spiel eine zähe Angelegenheit werden (hier schließt sich der Kreis zur Kölner Vereinshymne). Wenn die Elf von Peter Stöger im bisherigen Saisonverlauf eines nachgewiesen hat, dann ihre Qualitäten als Betonmischer. In allen drei Partien konzentrierte sie ihre Energie weitgehend auf die Errichtung eines Abwehrriegels, an dem sich die Gegner aus Hamburg, Paderborn und Stuttgart die Zähne ausbissen.

Dafür zeichnete neben dem starken Timo Horn und der aus Brecko, Maroh, Wimmer und Hector bestehende Viererketten nicht zuletzt auch Matthias Lehmann vor der Abwehr verantwortlich. Nachdem vor dessen Einsatz zuletzt ein Fragezeichen stand – unter der Woche musste er das Training abbrechen – meldete er sich inzwischen ebenso wie Flügelspieler Marcel Risse zurück. Wahrscheinlich wird neben Lehmann wie in den letzten zwei Spielen erneut Kevin Vogt auf der Doppelsechs agieren. Erste Alternative wäre Adam Matuschyk, der zum Bundesligadebut gegen den HSV in der Startelf stand. Die defensivste Variante war in der letzten halben Stunde dieser Partie zu besichtigen, als Peter Stöger auf eine aus Lehmann, Matuschyk und Vogt bestehende Dreifachsechs setzte, mit Vogt in leicht vorgezogener Position.

Offensiv dagegen boten die Kölner bislang nur Magerkost. Zu Hause gegen Hamburg und Paderborn blieb man jeweils ohne Treffer, gegen Stuttgart fielen die beiden Tore jeweils mit erheblicher Unterstützung des Gegners. Erst brachte Schwaab den eigenen Keeper in Bedrängnis, so dass Osako abstauben konnte, dann legte Rüdiger unfreiwillig Ujah den zweiten Treffer auf. Was immer man auf solche Statistiken geben mag: Ganz von ungefähr kommt es nicht, dass in allen drei Spielen weniger Torschüsse der Kölner als des jeweiligen Gegners verzeichnet sind. Dennoch ist zu erwarten, dass es Peter Stöger wieder mit Ujah in vorderster Front und der Dreierreihe Risse, Osako und Halfar dahinter probieren wird. Angekündigt ist ein flügellastiges Offensivsspiel.

Villareal1Die Borussen haben derweil nur wenig Zeit, sich von einem Europacupspiel der Kuriositäten zu erholen: ein auf dem Spielfeld verlorenes Handy aus dem gegnerischen Betreuerstab, ein Spieler, der mit seinem einzigen Ballkontakt im Spiel ein Tor erzielt, eine live ausgetragene Debatte zwischen Schiedsrichter, Assistenten und Torrichter in der Nachspielzeit. Wenn die UEFA auf diese Weise die Willkür der Handspiel-Regel und ihrer Auslegungen demonstrieren wollte, so ist ihr dies gelungen. Diskussionen darüber erübrigen sich, weil in fast jeder Situation, in der ein Ball mit der Hand gespielt wird, sowohl die jeweils getroffene Entscheidung als auch ihr Gegenteil plausibel begründet werden kann. So auch in diesem Fall, einer Situation, in der man nicht zwingend Elfmeter geben muss, bei der in vergleichbaren Fällen Elfmeter aber schon gepfiffen worden sind.

Villareal2Davon abgesehen bot das 1:1 gegen Villarreal sowohl den Glas-Halbvoll-Denkern als auch den Glas-Halbleer-Denkern genügend Material zur Bestätigung ihrer jeweiligen Position. In der ersten Hälfte gefiel die Borussia durch ansehnliches Kombinationsspiel, in das sich auch der in dieser Hinsicht oft gescholtene Branimir Hrgota sehr anständig einfügte. Bei etwas mehr Genauigkeit im letzten Pass und mehr Fortune im Abschluss wäre eine deutlich höhere Pausenführung möglich und verdient gewesen. Defensiv stand die Borussia weitestgehend sicher, bei den wenigen Ausnahmen war Yann Sommer einmal mehr ein starker Rückhalt. Durch den Bruch nach dem Seitenwechsel verschenkte die Borussia dann aber den Sieg und ließ sich von einem Gegner, der freilich nicht ohne Grund die letzte Spielzeit auf Rang 6 der Primera Division abgeschlossen hat, zu weit zurück drängen. Am Ende war das Remis trotz der Irritationen in der Nachspielzeit ein dem Spielverlauf angemessenes Ergebnis.

RaffaelVon den ersten Fans wurde Lucien Favre schon für die Entscheidung kritisiert, Raffael zunächst auf die Bank zu setzen. Sicher wurde gegen Villareal deutlich, dass der Brasilianer als Gladbacher Taktgeber nicht gleichwertig zu ersetzen ist. Fraglich ist, ob es besser wäre, ihn ohne Erholungspause durch die englischen Wochen zu hetzen oder ihm eine solche ausgerechnet im rheinischen Derby zu gönnen. So wird Raffael in Köln sicher in die Startelf zurückkehren, wahrscheinlich wieder im bewährten Duett mit Max Kruse. Ansonsten wäre auch das Startelfdebut von Thorgan Hazard eine interessante Option. Auch André Hahn sollte wieder von Beginn an auflaufen, als sein Flügelpartner spricht nach den letzten Eindrücken viel für Patrick Herrmann.

Aufstellungen:

1. FC Köln: Horn – Brecko, Maroh, Wimmer, Hector – Lehmann, Vogt – Risse, Osako, Halfar – Ujah.
Borussia Mönchengladbach: Sommer – Johnson, Jantschke, Dominguez, Wendt – Xhaka, Kramer – Hahn, Herrmann – Raffael, Kruse.

Schiedsrichter: Felix Zwayer.
Assistenten: Florian Steuer, Christian Gittelmann.
Vierter Offizieller: Dr. Robert Kampka.

SEITENWAHL-Meinung:

Christoph Clausen: Gladbacher Grundgesetz, Artikel eins: „Spiele gegen Köln sind zu gewinnen“. Gegen den defensivstarken Aufsteiger gelingt das mit einem heiß umkämpften 1:0.

Thomas Häcki: Der Neuling aus der Gemeinde südlich von Düsseldorf ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Der Europapokalteilnehmer aus Mönchengladbach aber auch nicht. Emotionen machen dieses Spiel immer wieder zu einem Höhepunkt, nach dem 2:0 Sieg dürfen die Borussen auch dieses Spiel zufrieden abhaken.

Michael Heinen: Borussia ist ein Traditionsverein und Tradition verpflichtet. In Köln gibt es daher einen traditionellen Auswärtssieg, der mit 2:1 gnädig ausfällt.

Christian Spoo: Jede Serie findet einmal ein Ende. Gegen die dicht gestaffelte Kölner Abwehr findet Borussia kein Mittel. Nach einem wenig attraktiven Spiel kann sich der Aufsteiger über einen 1:0-Sieg freuen.


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