koeln neu

Seien wir ehrlich: Schon seit einigen Jahren haben Spiele gegen die Truppe aus der Domstadt nicht mehr den Reiz früherer Tage. Zu weit ist die sportliche Entwicklung auseinandergegangen, zu einseitig verliefen die letzten Partien. Einige Jahre dominierte die Sorge vor gewaltsamen Krawallen die Vorfreude, nun fehlen Zuschauer Pandemie-bedingt komplett. Nach 2020 das zweite Geisterderby im Borussia-Park, aber auch irgendwie ein normales Bundesligaspiel - und für den VfL eine Pflichtaufgabe.

Welten zwischen Rhein und Niederrhein

Oberflächlich betrachtet könnten die sportlichen Voraussetzungen klarer kaum sein: Borussia ist noch in drei Wettbewerben dabei und kämpft um höchste Weihen, kommt zudem frisch aus einem erfolgreichen Pokalauftritt in Stuttgart. Ganz anders der FC: Nicht nur ringt man auch in diesem Jahr mit unklarem Ausgang um einen Verbleib in der Erstklassigkeit, sondern schied unter der Woche auch noch beim Zweitligisten Regensburg aus. Welten trennen die beiden Vereine auch wirtschaftlich: Während Borussia seine mittlerweile beachtliche finanzielle Stärke demonstrativ eher kleiner rechnet und auch die Belastung durch Corona insgesamt gut wegzustecken scheint, steht den Kölnern nicht nur aufgrund des aktuellen Rheinpegels das Wasser bis zum Hals. Immerhin gelang es dem Verein, die Lücke, die der diesjährige Verzicht auf das jecke Karnevalstreiben hinterlassen hat, durch die absurde Posse um die (Nicht-)Einstellung eines neuen Mediendirektors zu füllen - in Bezug auf Peinlichkeiten und Inkompentenz in der Führungsriege ist auf die Domstädter nach wie vor Verlass. Wir sollten dabei aber nicht vergessen: Auch in Gladbach gab es Zeiten der Semi-Professionalität - umso beruhigender und erfreulicher sind da die kürzlich verkündeten Vertragsverlängerungen der beiden "Macher" Max Eberl und Stephan Schippers. 

Aber so groß die generelle Kluft scheint - auch diesmal werden nur 90 Minuten gespielt, und so klar wie auf dem Papier muss der Ausgang nicht sein. Denn auf den zweiten Blick hat der FC am vergangenen Sonntag einen deutlichen Sieg über den direkten Konkurrenten Bielefeld eingefahren und wäre wohl auch in Regensburg weitergekommen, hätte nicht ein erneut grotesk erscheinender Fehlgriff des Videoassistenten das scheinbar einwandfreie 3:1 durch Schmitz verhindert. Die Frage, warum der Einsatz des statistisch nach wie vor sehr effektiven Hilfsmittels zuletzt wieder zunehmend erratisch und konzeptlos wirkte, ist erstaunlich und lässt große Zweifel an der Kommunikation und Qualität des deutschen Schiedsrichterwesens aufkommen.

The Rotation Game

Borussia hatte beim VAR-Roulette am Mittwoch Glück und ersparte sich trotz der unabsichtlichen Handberührung durch Lainer eine Verlängerung. Dennoch ist mit Blick auf das neue Zauberwort "Belastungssteuerung" mit einigen personellen Änderungen zu rechnen. Ausgehend vom bisherigen Vorgehen Roses wird Zakaria sicher in die Startelf rücken, ebenso könnten der nun fest verpflichtete Wolf, Embolo und Herrmann für das Trio Plea, Hofmann und Thuram in die Mannschaft kommen. Auch Wendt und Jantschke sind Kandidaten, für zwei der Vielspieler in der Abwehrkette aufzulaufen. Es wird also viel davon abhängen, ob und wie sich die mindestens vier zu erwartenden Wechsel auf das Spiel der Fohlen auswirken. In den bisherigen "Rotationspartien" war unglücklicherweise zumeist ein deutlicher Qualitätsabfall spürbar, insbesondere bei einer kompletten Umbesetzung der Offensivreihe. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Borussia in dieser Saison auch in Bestbesetzung selten über die gesamte Dauer einer Partie überzeugen konnte. Die Ergebnisse stimmen, insbesondere im Jahr 2021 - aber besonders gegen vermeintlich kleinere Gegner ging den Fohlen eine gewisse Selbstverständlichkeit im Pass- und Kombinationsspiel ab. Die Wiederentdeckung der noch im letzten Jahr vorgetragenen Spielfreude wäre für die wichtigen Aufgaben der kommenden Wochen ein zusätzliches Plus.

Große Fallhöhe

Hauptaufgabe für das "Topspiel" am Samstag ist aber zunächst, die drei Punkte in Gladbach zu halten und oben dranzubleiben. Häme und Spott werden derzeit auch von vielen Fohlenfans reichlich über Köln ausgekippt, bei einem Misserfolg sorgt das aber zugleich für eine erhöhte Fallhöhe. Denn der FC ist derzeit wohl nicht stark genug, um eine gut aufgelegte Borussia zu schlagen, Trainer Gisdol macht sich allerdings keinerlei Illusionen über die spielerischen Kapazitäten seines Teams. Mit seiner bevorzugten Fünferkette überfließ er sogar Aufsteiger Bielefeld im Heimspiel weitgehend das Feld. Durch den Ausfall von Hector und das Fehlen eines echten Torjägers setzt der FC vor allem auf vereinzelte Geistesblitze von Duda, Kompaktheit und Standards, besonders Ecken. Gerade dort muss Borussia aufpassen und noch konsequenter zu Werke gehen als gegen Union Berlin, wo man trotz Vorwarnung erneut einen Treffer nach ruhendem Ball kassierte.

Dennoch - es ist Derby. Und Borussia hat es selbst in der Hand, für den üblichen Ausgang zu sorgen.


Christian Grünewald: Findet sich Borussia trotz Rotation einigermaßen zurecht, sollte auch diesmal der obligatorische Derbysieg herausspringen.

Mike Lukanz: Das Derby hat zwei große Vorteile: beim Tippen interessieren weder Form noch jüngste Ergebnisse noch Verletzungen noch sonstige Einflüsse. Vorteil zwei: Borussia gewinnt das (fast) immer. So auch dieses Mal: 3:0.

Christian Spoo: Das Derby ist das Derby ist das Derby ist das Derby. Nicht viele Worte, nur drei Punkte. 1:0.

Thomas Häcki: Jede Serie hat mal ihr Ende, meist unerwartet. Aber bitte nicht gegen Köln. Und so halten beide Vereine weiterhin Anschluß - Gladbach oben und Köln eben unten. 2:0 für die Borussia.

Claus-Dieter Mayer: Selbst mit Wolf, Embolo und Herrmann in der Startelf sollte es gegen diesen FC Köln reichen: 4:0

Uwe Pirl: Alles spricht für Gladbach: Borussia hat einen Lauf, Köln nicht. Borussia gewann im Pokal gegen einen guten Bundesligisten, Köln verlor gegen einen unterdurchschnittlichen Zweitligisten. Borussia holte dabei einen Rückstand auf, Köln vergeigte einen scheinbar sicheren Vorsprung. Borussia schaffte das in der regulären Spielzeit, Köln nicht. Borussia hat einen kompetenten Medienmann, Köln nicht. Was soll also schiefgehen? Nun - am gefährlichsten sind immer die Spiele, in denen das Ergebnis vorher schon festzustehen scheint. Wachsamkeit sollte deshalb der Begleiter am Samstag sein. Borussia bringt diese auf: 3:0.


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